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Dorf und Familie

Nachgefragt: Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft

Externer Autor ,
am
17.05.2012

Tue Gutes und rede darüber. Dieser Grundsatz der Öffentlichkeitsarbeit ist auch in der Landwirtschaft wichtig. Drei Landwirte aus Niedersachsen erzählen, warum sie Zeit für Verbraucher investieren.

Die Bauernmarktmeile bietet die Chance, mit den Verbrauchern in Kontakt zu kommen. © BBV
Kühe sind nicht lila
 
Theres und Dennis Wolff-von der Lieth, Wolff-von der Lieth GbR, 27624 Elmlohe Niedersachsen
 
Öffentlichkeitsarbeit ist zum einen wichtig, um der Öffentlichkeit ein Bild der modernen Landwirtschaft zu bieten. Nicht, wie es in Kinderbüchern gerne dargestellt wird, ein Hof mit zwei Hühnern, zwei Kühen, zwei Schweinen, und so weiter. Einige Kinder wissen nicht mehr, dass eine Kuh nicht lila ist und die Milch nicht aus der Flasche kommt, egal ob Stadt- oder Landkinder. Desweiteren ist es wichtig, die Öffentlichkeit zu informieren, um Transparenz und Verständnis zu schaffen, frei nach dem Motto "wenn die Tür offen steht, wird nichts verheimlicht." Wir schenken dem Verbraucher Vertrauen in unsere landwirtschaftlichen Produkte.
 
 
Sich seine eigene Meinung bilden
 
Henning Rose, 27619Schiffdorf Niedersachsen
 
Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Menschen direkt mit der Landwirtschaft in Kontakt treten, ist es wichtig aufzuklären. Viele Vorurteile haben sich durch Schnellschüsse der Presse und Unwissenheit der Verbraucher eingebrannt. Durch den Besuch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb kann jeder seine eigene Meinung bilden, ob es zum Beispiel eine Kuh mit vielen Artgenossinnen in einem großen Boxenlaufstall besser hat als eine Kuh in Anbindehaltung. Nur durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit kann das Vertrauen der Verbraucher in die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die Belange der Landwirte hergestellt werden. Durch die stadtnahe Lage meines Betriebes sehe ich mich besonders gefordert, einen Einblick in meine Produktion zu gewährleisten.
 
 
Verantwortungsvoll und nachhaltig wirtschaften
 
Christina und Jens Lücken, Hof Lettmoden, 27619 Schiffdorf Niedersachsen
 
Heutzutage ist vielen Mitbürgern nicht mehr bewusst, warum Lebensmittel ihren Namen tragen. Sie sind lebensnotwendig und stehen nicht plötzlich im Regal eines Supermarktes. Durch die Verminderung der Agrarstandorte hat ein Großteil der Bevölkerung keinen direkten Bezug mehr zu der Landwirtschaft. Zudem haben wir als Landwirte eine große Verantwortung gegenüber der gesamten Weltbevölkerung, die Ernährung bei in der Zukunft zunehmender Bevölkerung durch eine nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen zu sichern.
 
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Angelika Sontheimer, freie Agrarjournalistin

Nachgefragt: Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft

Theres und Dennis Wolff-von der Lieth, Wolff-von der Lieth GbR, 27624 Elmlohe Niedersachsen

Warum sie aktiv Öffentlichkeitsarbeit auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb machen, fragen wir Theres und Dennis Wolff-von der Lieth.


Milchvieh- und Legehennenhaltung mit Ackerbau und Grünlandwirtschaft
 
Wir haben einen Milchviehbetrieb mit kleiner Legehennenhaltung in Elmlohe in der Samtgemeinde Bederkesa im Elbe-Weser-Dreieck. Derzeit sind hier der Betriebsleiter, zwei Auszubildende und die Altenteiler beschäftigt und betreuen etwa 330 Rinder und 2000 Legehennen in Bodenhaltung und bewirtschaften 120 Hektar (ha) landwirtschaftlicher Nutzfläche.
 
Kühe sind nicht lila
 
Öffentlichkeitsarbeit ist zum einen wichtig, um der Öffentlichkeit ein Bild der modernen Landwirtschaft zu bieten. Nicht, wie es in Kinderbüchern gerne dargestellt wird, ein Hof mit zwei Hühnern, zwei Kühen, zwei Schweinen. Einige Kinder wissen nicht mehr, dass eine Kuh nicht lila ist und die Milch nicht aus der Flasche kommt, egal ob Stadt- oder Landkinder. Desweiteren ist es wichtig, die Öffentlichkeit zu informieren, um Transparenz und Verständnis zu schaffen, frei nach dem Motto "wenn die Tür offen steht, wird nichts verheimlicht." Wir schenken dem Verbraucher Vertrauen in unsere landwirtschaftlichen Produkte.
 
Girls und Boys mit Zukunft
 
Wir hatten schon Besuche von Schulklassen der dritten bis zehnten Klasse auf dem Hof und haben regelmäßig Betriebspraktika mit der Johann-Gutenberg-Schule in Bremerhaven veranstaltet. Außerdem nehmen wir an Berufsorientierungs- und Ausbildungsmessen sowie am Zukunftstag (Girlsday) teil. Daneben gehören für uns Erntedankfeste und private Führungen für interessierte Verbraucher zum festen Bestandteil unserer Öffentlichkeitsarbeit. Die Erfahrungen sind durchweg positiv und bestärken die Fortführung.

Nachgefragt: Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft

Henning Rose, 27619 Schiffdorf Niedersachsen

Warum er aktiv Öffentlichkeitsarbeit auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb macht, fragen wir Henning Rose aus Niedersachsen.


Milchviehhaltung und Bullenmast mit Futterbau sowie PV-Stromerzeugung
 
Zusammen mit meinen Eltern und einem Dauerpraktikanten bewirtschafte ich einen 120 Hektar (ha) Futterbaubetrieb in Schiffdorf im Landkreis Cuxhaven. Haupterwerbszweig ist die Milchviehhaltung mit Jungviehaufzucht, außerdem mästen wir die Bullenkälber. Neben der Grünlandbewirtschaftung bauen wir auf unseren Flächen Mais und etwas Getreide an. Weiterhin produzieren wir Strom durch eine Photovoltaik-Anlage.
 
Sich seine eigene Meinung bilden
 
Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Menschen direkt mit der Landwirtschaft in Kontakt treten, ist es wichtig aufzuklären. Viele Vorurteile haben sich durch Schnellschüsse der Presse und Unwissenheit der Verbraucher eingebrannt. Durch den Besuch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb kann jeder seine eigene Meinung bilden, ob es zum Beispiel eine Kuh mit vielen Artgenossinnen in einem großen Boxenlaufstall besser hat als eine Kuh in Anbindehaltung. Nur durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit kann das Vertrauen der Verbraucher in die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die Belange der Landwirte hergestellt werden. Durch die stadtnahe Lage meines Betriebes sehe ich mich besonders gefordert, einen Einblick in meine Produktion zu gewährleisten.
 
Positiv überrascht
 
Seit zwölf Jahren bin ich aktives Mitglied im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit unseres Landvolkverbandes und engagiere mich in diesem Rahmen an zahlreichen Aktionen wie dem Tag des offenen Hofes, Klassik auf dem Bauernhof, Erntedankveranstaltungen und viele mehr. Schulklassen, Kindergärten und Gruppen von interessierten Besuchen können unseren Betrieb nach vorheriger Absprache besuchen. Zusammen mit der Gemeinde Schiffdorf legen wir einen Wildacker an. Ich bin immer wieder überrascht, wie interessiert doch gerade Stadtmenschen eine Vorstellung der Landwirtschaft verfolgen und dies meistens positiv bewerten.

Nachgefragt: Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft

Christina und Jens Lücken, Hof Lettmoden, 27619 Schiffdorf Niedersachsen

Warum sie aktiv Öffentlichkeitsarbeit auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb machen, fragen wir Christina und Jens Lücken aus Niedersachsen.


Milchviehaltung mit Grünlandwirtschaft und Ackerbau
 
Unser Betrieb liegt im Landkreises Cuxhaven, in dem die Landwirtschaft den bedeutendsten Wirtschaftsfaktor darstellt. Die Flächenausstattung beträgt 180 Hektar (ha) Grünland, 51 ha Mais und vier Hektar Weizen. Wir sind beide über Umwege zur Landwirtschaft gekommen. Zusammen mit unserer Familie, zwei Angestellten und einem Auszubildenden bewirtschaften wir einen Milchviehbetrieb einschließlich der Jungviehaufzucht mit Fahrsilofütterung.
 
Unsere Arbeitsteilung: Jens ist seit 2006 Landwirtschaftsmeister und kümmert sich weitestgehend um das Herdenmanagement und die Außenwirtschaft. Meine Aufgabe besteht zum größten Teil in der Büroarbeit.
 
Verantwortungsvoll und nachhaltig wirtschaften
 
Heutzutage ist vielen Mitbürgern nicht mehr bewusst, warum Lebensmittel ihren Namen tragen. Sie sind lebensnotwendig, und stehen nicht plötzlich im Regal eines Supermarktes. Durch die Verminderung der Agrarstandorte hat ein Großteil der Bevölkerung keinen direkten Bezug mehr zu der Landwirtschaft. Zudem haben wir als Landwirte eine große Verantwortung gegenüber der gesamten Weltbevölkerung, die Ernährung bei in der Zukunft zunehmender Bevölkerung durch eine nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen zu sichern.
 
Transparenz schaffen
 
2004 haben wir den "Tag des offenen Hofes" auf unserem Betrieb veranstaltet. Ohne die Unterstützung von Familie, Freunden, Vereinen, Verbänden hätten wir eine solch gelungene Veranstaltung nicht präsentieren können. Ebenso können wir bis heute auf eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Presse zählen. Darüber hinaus sind wir in einer Arbeitsgruppe aktiv, die das Projekt "Transparenz schaffen - von der Ladentheke bis zum Erzeuger" (www.transparenz-schaffen.de) umsetzt. Dieses Projekt richtet sich an den Verbraucher von Morgen, und wir unternehmen Betriebserkundungen für Kindergartenkinder und für Grundschulklassen. Die Kinder erkunden in Gruppen anhand verschiedener Stationen den Bauernhof. Um eine fachmännische Führung zu gewährleisten, arbeiten mehrere Berufskollegen bei einer Besichtigung zusammen.
 
Damit Sachverhalte der Landwirtschaft vermittelt werden, ist es wichtig, das Projekt flächendeckend anzubieten. Dieser Aufbau eines Netzwerkes wird durch die Zusammenarbeit vom Förderverein der Landfrauen und dem Landvolk stark unterstützt. Abgerundet wird das Projekt mit einem Kochkurs für die Kinder unter Anleitung der Landfrauen in den Schulen. Dieses Projekt lässt die Lebensmittelproduktion hautnah erleben und die Landwirte durch ihre vermehrte Zusammenarbeit zusammenrücken. Aus diesem Projekt hat sich ein weiteres eigenständiges Projekt entwickelt, das Erwachsenen über die anfallenden Arbeitsprozesse auf einem landwirtschaftlichem Betrieb und vieles darüber hinaus aufklärt.
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