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Ernährung und Gesundheit

Nachhaltigkeit - die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft

Externer Autor ,
am
07.10.2010

Darmstadt - Wie in anderen Wirtschaftsbereichen wird die Nachhaltigkeit auch im Lebensmittelsektor immer mehr zum Differenzierungskriterium und zur Perspektive unternehmerischen Handelns.

Referenten der DLG-Lebensmitteltage 2010 (v.l. nach r.): Prof. Dr. Achim Stiebing (Vize-Präsident der DLG), Günther Nessel (Agentur taste!, Offenbach), Dr. Ludger Breloh (REWE-Group), Prof. Dr. Dietrich Knorr (TU Berlin), Merlin Koene (Unilever Deutschland), DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer und Martin Eck (Geschäftsführer Fachzentrum Ernährungswirtschaft) © DLG

Davon hat sich der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, überzeugt gezeigt. Neben das ökologische Wirtschaften seien die Kriterien "fair und sozial" getreten, erklärte Bartmer auf den DLG-Lebensmitteltagen in Darmstadt. Das bedeute für die Akteure der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, dass ihre Aktivitäten hinsichtlich nachhaltigen Handelns und sozialer Verantwortung mehr denn je auf dem Prüfstand stünden.

Es sei nicht akzeptabel, dass von der Ackerscholle bis zum Endverbraucher nach Schätzungen mehr als die Hälfte der Nahrungsmittel verlorengingen, sagte der DLG-Präsident. Man müsse daher das Thema Nachhaltigkeit auch als einen moralischen Wert begreifen. Dabei sei die Politik gefordert, mit entsprechenden Rahmenbedingungen zur Umsetzung von nachhaltigen Konzepten beizutragen. Letztendlich fordere nachhaltiges Denken aber auch vom Verbraucher konsequentes Handeln, denn soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz hätten bei Lebensmitteln ihren Preis.

Nachhaltiges Wirtschaften umsetzen 

Die Referenten der Veranstaltung waren sich einig, dass Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren im Lebensmittelsektor immer mehr zur zentralen Perspektive unternehmerischen Handelns werde. Dabei müsse nachhaltiges Wirtschaften auf allen Stufen der Wertschöpfungskette sichtbar umgesetzt werden, da mit dem steigenden Interesse der Verbraucher an nachhaltig erzeugten Lebensmitteln auch der Informationsbedarf steige. Einvernehmen bestand auch darüber, dass man ohne ein glaubwürdiges Bekenntnis zum nachhaltigen Wirtschaften schnell Gefahr laufe, die Gunst der Verbraucher zu verlieren, da die Gruppe der nachhaltig konsumierenden Verbraucher wachse. Heute rückten gesellschaftlich verantwortungsvoll agierende Unternehmen in den Fokus.

DLG-Studie "Nachhaltigkeit aus Verbrauchersicht"  

Günther Nessel von der Agentur taste! in Offenbach, der zusammen mit der DLG die Studie "Nachhaltigkeit aus Verbrauchersicht" durchgeführt hat und in Darmstadt erstmals Ergebnisse präsentierte, machte deutlich, dass man für Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit brauche. Nachhaltigkeit dürfe kein Lippenbekenntnis sein und müsse auf allen Stufen der Wertschöpfungskette sichtbar umgesetzt werden. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigten, dass der Verbraucher sich zunehmend der strategischen Bedeutung seiner täglichen Kauf- und Konsumentscheidungen bewusst werde.

Glaubwürdige Kommunikation notwendig

Um eine bewusste Kaufentscheidung zugunsten nachhaltiger Produkte treffen zu können, bedürfe es deshalb umfassender und nachgewiesener Informationen über deren Nachhaltigkeitsqualität. An dieser Stelle könnten beispielsweise Siegel das Bewusstsein für nachhaltige Produkte fördern und eine rasche Entscheidungsfindung direkt am "Point of Sale" ermöglichen, so Nessel. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von Siegeln seien allerdings einheitliche, leicht verständliche Informationskennzeichnungen, denn Verbraucher hätten unterschiedliche Vorstellungen, was sich hinter dem Schlagwort Nachhaltigkeit verberge. Deshalb sei es auch notwendig, dass nachhaltiges Handeln durch eine glaubhafte und vor allem für den Verbraucher nachvollziehbare Kommunikation begleitet werde.

Nachhaltigkeitsstrategien bei Hersteller und Handel

Dr. Ludger Breloh von der REWE-Group Köln unterstrich die Bedeutung nachhaltiger Strategien im Handel. So kennzeichne das neue Nachhaltigkeitslabel Pro Planet der REWE-Gruppe in Zukunft Lebensmittel, die durch ihre Herstellung, Verarbeitung oder Verwendung messbar positive ökologische und soziale Eigenschaften aufwiesen. Bevor ein Produkt das Pro-Planet-Label erhalte, müsse ein fünfstufiger, standardisierter Prozess durchlaufen werden. Dabei werde den Herstellern in jeder Phase der Produktion genau zugeschaut, wie und unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen die Lebensmittel hergestellt würden.

"Der Weg zu langfristiger Rentabilität"  

Der Kommunikationsdirektor von Unilever Deutschland, Merlin Koene, hob hervor, dass Nachhaltigkeit auch in einem Weltkonzern der Weg zu langfristiger Rentabilität sei. Nachhaltige Lebensmittelproduktion helfe den Unternehmen, Innovationen anzukurbeln und sich bei den Konsumenten als vertrauenswürdige Partner zu etablieren. Damit könnten ein ökonomischer Vorsprung erzielt und gleichzeitig ein positiver Beitrag für Gesellschaft und Umwelt geleistet werden. (AgE)

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