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Wirtschaft

Nahrungsmittelpreise auf Höchststand

Externer Autor ,
am
04.02.2011

München - Obwohl die Preise für Lebensmittel von Dezember auf Januar so stark gestiegen sind,wie nie zuvor, sinkt der Erlösanteil der Landwirte.

Zwischen Dezember und Januar haben sich die Lebensmittel weltweit so stark verteuert, wie noch nie zuvor. Die Preise für Lebensmittel befinden sich auf einem neuen Höchststand.
 
Der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel an den gesamten Konsumausgaben dagegen nimmt seit Jahren ab. Im Jahr 2009 gaben die privaten Haushalte in Deutschland nur noch 11,2 Prozent ihrer Konsumausgaben für Nahrungsmittel und 3,2 Prozent für Genussmittel wie alkoholische Getränke und Tabakwaren aus.
Der höhere Lebensstandard kommt besonders in zunehmenden Ausgaben für Wohnen, Freizeitaktivitäten und Gesundheitspflege zum Ausdruck.

Lebensmittelindex auf höchstem Niveau

Der Lebensmittelindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) stieg seit Dezember um 3,1 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit der Einführung 1990, wie der neueste FAO-Bericht zeigt. Experten der FAO gehen davon aus, dass auch in den nächsten Monaten keine Entspannung eintreten wird. Vor allem für arme Länder stelle die aktuelle Situation ein Problem dar, einerseits weil die Finanzierung von Lebensmittelimporten schwierig werde, andererseits weil für arme Bevölkerungsschichten der Anteil ihrer Ausgaben für Nahrungsmittel weiter ansteige.

Erlösanteil bei Brotgetreide am geringsten

Der Bayerische Bauernverband weist darauf hin, dass der Landwirt von einem Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel heute nur noch 21 Cent erhält. Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel (inländischer Herkunft) lag 2009/10 bei 21 Prozent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 47,5 Prozent fast doppelt so hoch. Demzufolge wirkt sich der rückläufige Trend der Erzeugerpreise in einem ständig geringer werdenden Anteil an den Nahrungsmittelausgaben aus. Bei Milch- und Milcherzeugnissen beträgt der Anteil 34,4 Prozent. Bei Fleisch- und Fleischwaren ist der Anteil mittlerweile auf 20,4 Prozent gesunken.
 
Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit 4,0 Prozent. Seit 1950 sind die Löhne um das Zwanzigfache, die Brotpreise um knapp das Neunfache gestiegen und die Getreidepreise deutlich zurückgegangen.

Enormer Anstieg des Nettostundenverdienstes

Von 1950 bis 2009 hat sich der Nettostundenverdienst eines Industriearbeiters verzwanzigfacht. Da die Brotpreise nur um das Neunfache gestiegen sind, konnte sich der Industriearbeiter für seinen Stundenlohn 2008 mehr als doppelt so viel Brot (5,4 Kilo) kaufen wie noch vor etwa 60 Jahren. Der Weizenerzeugerpreis dagegen lag 2009 um ein Drittel unter dem Niveau von 1950. Bezogen auf das Endprodukt erlöst der Landwirt nur fünf bis sechs Prozent, demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann hätten die Erzeuger für einen Doppelzentner Weizen in 2009 etwa 81 Euro je Doppelzentner erlösen können. (pd/bv)
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