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NDR-Spiel 'Schlauer Bauer': Bauern-Bashing oder Verbraucher-Aufklärung?

Quiz NDR Schlauer Bauer
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Julia Eder, agrarheute
am
09.05.2017

Durch das NDR-Spiel "Schlauer Bauer" fühlen sich Landwirte in sozialen Netzwerken beleidigt. So erklärt sich der NDR gegenüber agrarheute.

NDR hat ein Online-Spiel mit dem Titel "Schlauer Bauer" veröffentlicht. "Werde Landwirt und entscheide, wie Du Deine Tiere hältst!" heißt es auf der Seite. Ziel des Spiels ist es, mit landwirtschaftlichen Entscheidungen Gewinn für den Betrieb zu erwirtschaften. Will man an dem "Quiz" teilnehmen, kann man sich zunächst entscheiden, ob man Schweinemäster oder Milchbauer "spielen" will.

Wie viel Platz soll ein Schwein bekommen?

Dann darf man Schritt für Schritt betriebswirtschaftliche Entscheidungen treffen. Die Logik des Spiels ist dabei bei jeder Frage gleich:

  • Es gibt einen gesetzeskonformen Mittelweg, der am Ende einen leichten, betriebswirtschaftlichen Gewinn ergibt.
  • Es gibt die Antwort mit großzügigem Tierwohl über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, bei der der Landwirt keinen Gewinn macht.
  • Und es gibt die illegale Antwortmöglichkeit, die zwar großen Gewinn bringt, bei der per Zufallsgenerator aber auch mal der Veterinär auftauchen und das Spiel beenden kann.

Zum Beispiel: "Wie viel Platz bekommt ein Schwein in Deinem Stall?" Zur Auswahl stehen 1,3 m², 0,75 m² und 0,6 m². Wählt man die 0,6 m², heißt es in dem Spiel: "Du hast Dich dafür entschieden, Deinen Schweinen weniger Platz zu bieten, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Das ist schlecht für Deine Schweine, aber gut für Dein Konto. Du solltest Dich allerdings nicht von Kontrolleuren erwischen lassen."

"Bewusstsein für Kosten der Tierhaltung schaffen"

Die Redaktion Panorama beteuert auf Facebook und auch auf Nachfrage von agrarheute, mit diesem Beitrag Verständnis der Verbraucher für die Landwirtschaft schaffen zu wollen: "Unser Spiel sollte Bewusstsein dafür schaffen, dass eine gute Tierhaltung Geld kostet. Das ist eine scheinbar einfache Wahrheit, aber die Zwänge des Marktes erlauben das nicht ohne weiteres. Das wollten wir den Verbraucherinnen und Verbrauchern vermitteln", heißt es auf der Facebook-Seite von Panorama.

Online-Spiel als Ergänzung zum Panorama-Beitrag

Hintergrund für das Spiel ist ein Fernseh-Beitrag, der heute Abend bei Panorama laufen soll. Darin berichtet eine Landwirtin von Investitionen, die sie für ihre Tiere getätigt hat. Allerdings bangt sie, ob sich ihre Investitionen für das Tierwohl refinanzieren und die Verbraucher wirklich bereit sind, mehr für ihre Produkte zu bezahlen.

Genau dafür wurde laut Redaktion Panorama auf Nachfrage von agrarheute das Spiel entwickelt: Der Verbraucher soll die kausalen Zusammenhänge zwischen Tierwohl, Produktionskosten und Erzeugerpreisen verstehen.

Unterschwelliger Vorwurf: "Die wahren Schweine sind die Bauern."

Bei vielen Landwirten und unter anderem dem Bauernverband Schleswig-Holstein kommt diese Intention jedoch nicht an. Der Verband wirft der Autorin vor: "Lamprecht versteckt darin eine Botschaft: Wer den Tieren wenig Platz, dafür viel Antibiotika und Gensoja gönnt, der macht Kasse. Die Botschaft: Der gute Bauer geht, wer übrig bleibt, ist folgerichtig ein geldgieriger Tierquäler und Verbrauchertäuscher. Oder anders: Die wahren Schweine sind die Bauern."

Bauernverband Schleswig-Holstein wirft unzulängliche Recherche vor

Ein weiterer Vorwurf des Bauernverbands Schleswig-Holstein ist die unzulängliche Recherche für das Spiel: "Offenbar ist der Umgang mit den Fakten nur ein Spiel für den NDR. So ist es wenig sinnvoll, in der Tierernährung Fett gegen Eiweiß auszuspielen. Vor allem aber kann die illegale Variante im Alltag nicht gewinnen. Erfolgreich ist der Betrieb, der Tiere und Pflanzen unterstützt und nicht ausnutzt. Die Bauern wissen das, der NDR nicht?"

Die Redaktion Panorama betont gegenüber agrarheute: "Oda Lambrecht hat sich intensiv mit dem Thema Landwirtschaft auseinandergesetzt, beschäftigt sich schon lange damit und hat mit vielen Landwirten gesprochen, bevor sie das Spiel erstellt hat." Natürlich stelle das Spiel eine starke Vereinfachung dar, so die Redaktion. Doch man müsse es im Zusammenhang mit dem Beitrag verstehen.

Der Fernsehbeitrag ist in der Panorama-Sendung heute um 21:15 Uhr auf ARD zu sehen.

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