Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wahlen

Neuer Landvolk-Präsident: Holger Hennies folgt auf to Brinke

Holger Hennies - Präsident des Landvolks Niedersachsens
am Donnerstag, 03.12.2020 - 12:30 (Jetzt kommentieren)

Das Landvolk Niedersachsen hat einen neuen Präsidenten: Dr. Holger Hennies gewann die Wahl.

Hennies entschied die Wahl mit knapp 55 Prozent der Stimmen für sich, die Wahlbeteiligung lag bei 84 Prozent. Vizepräsidenten sind Jörn Ehlers, Ulrich Löhr und Manfred Tannen. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke ist noch bis Jahresende im Amt.

"Die Landwirtschaft in Niedersachsen steht vor existenziellen Herausforderungen", sagte Hennies anlässlich seiner Wahl zum Präsidenten des Landvolks. "Wir müssen verhindern, dass die Bäuerinnen und Bauern zwischen dem Druck des Weltmarktes und den ständig steigenden Anforderungen von Politik und Gesellschaft zerrieben werden. Dafür werde ich mich einsetzen."

Hennies arbeitet mit vier Kollegen zusammen in einer Ackerbaubetriebsgemeinschaft mit 650 ha Fläche in Schwüblingsen im Osten der Region Hannover. Darüber hinaus betreibt er gemeinsam mit seiner Frau eine Schweinehaltung für die Direktvermarktung, nutzt sein Grünland für Pferde des Reitbetriebs und bietet einen "Lernort Bauernhof" für Schulklassen, Kindergärten und alle Interessierten an. Der Landwirt ist Vorsitzender des Landvolks Hannover und Vorsitzender des Umweltausschusses sowie Vizepräsident des niedersächsischen Landesbauernverbandes.

Besonders eingesetzt hat er sich in diesem Jahr für die Vereinbarung zum Niedersächsischen Weg.

Eine schwierige Aufgabe

Es ist ein Führungswechsel in stürmischen Zeiten. Klimawandel, Preiskrise, Coronakrise, dazu die Diskussionen um Tierwohl, Düngeverordnung oder Artenschutz - die Branche steht von außen unter Druck.

Eine aufgewühlte Basis kommt hinzu, die in den vergangenen Monaten offen ihre Unzufriedenheit gezeigt hat: Landwirte und Landwirtinnen fühlen sich schon seit Jahren von Umweltverbänden, Tierschützern, Politikern, aber auch von der Gesellschaft, als Buhmann für alle möglichen Probleme zu unrecht verurteilt.

Seit 2019 stehen Bauern daher selbstorganisiert für ihre Belange ein. Sie stellten grüne Kreuze auf die Felder und organisierten in neuen Gruppen wie "Land schafft Verbindung" spontane Treckerdemos. Jüngstes Beispiel: Die Protestaktion von Bauern vor dem Lidl-Zentrallager in Cloppenburg. Das Landvolk wurde oft bei diesen Protesten nicht gefragt oder einbezogen.

Ein besonderer Wahlkampf

Ein richtiger Wahlkampf war für die beiden Kandidaten unter Corona-Bedingungen in diesem Jahr kaum möglich. Spannend wird sein, für welchen Typ sich die Landwirte bei ihrer am Donnerstag ausgezählten Briefwahl entscheiden.

Ehlers entspricht aus Sicht von Beobachtern eher dem Typ von Schulte to Brinke. Hennies traut der eine oder andere vielleicht doch eher zu, auch mal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen - wichtig für die Seele der Basis.

Wahl ist eine Typfrage

Aber die Landwirtschaft muss gerade in Zeiten wie heute anschlussfähig zum Rest der Gesellschaft und kompromissfähig sein. Dass sie dazu in der Lage sind, haben die Landwirte mit dem "Niedersächsischen Weg" gezeigt.

Jörn Ehlers wolle sich in den nächsten drei Jahren vor allem für die Wertschöpfung und die Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit einsetzen, hatte er jüngst in einem Interview mit dem Politmagazin "Rundblick" gesagt. Die Tierhaltung werde sich in den nächsten Jahren radikal verändern, die Betriebe müssen aber weiterhin von ihrer Arbeit leben können. Und Ehlers will, dass Landwirte nicht als Verursacher von Problemen angesehen werden, sondern als diejenigen, die auch zur Lösung beitragen.

"Der Umweltschutz ist für mich eine Herzensangelegenheit, die sicherlich ein Schwerpunktthema für die nächsten drei Jahre sein wird", sagte Holger Hennies dem "Rundblick". Ein vergleichbares Abkommen zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz wie den "Niedersächsischen Weg" brauche es auch für die Tierhaltung in Deutschland, fordert er. Inhaltlich sind beide also eng beisammen. Vielleicht wird die Wahl wirklich zur Typfrage.

Mit Material von Mit Material von dpa, LPD

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...