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Niederlande: Landwirte blockieren die Straßen

In den Niederlanden haben es die Landwirte satt, immer nur der Prügelknabe der Nation zu sein. Auslöser war die Aufforderung einer Partei, schleunigst 50% des Viehbestandes abzuschaffen.

am Dienstag, 01.10.2019 - 10:17

In den Niederlanden haben es die Landwirte satt, immer nur der Prügelknabe der Nation zu sein. Auslöser war die Aufforderung einer Partei, schleunigst 50% des Viehbestandes abzuschaffen...

Chefredakteur Dr. Uwe Steffin hat die Blockade kommentiert: Bauern auf die Straße, aber Achtung!

 

 

Die Hintergründe:

Auslöser für die Demonstrationen sind die radikalen Forderungen der linksliberalen Regierungspartei D66: Dananch soll der niederländische Viehbestand um die Hälfte verringert werden. Der D66-Parlamentsabgeordnete Tjeerd de Groot geht davon aus, dass die Stickstoffemissionen durch die Abstockung der Hühnerbestände um 50 Millionen Tiere und des Schweinebestandes um 6 Millionen Tiere drastisch verringert werden können. Außerdem würde dadurch Fläche für den Wohnungsbau frei. „In den Niederlanden gibt es keine Zukunft für die intensive Tierhaltung“, ist sich De Groot sicher.

Dem D66-Politiker zufolge droht der Wohnungsbau wegen des Stickstoffproblems zum Stillstand zu kommen. „Auch der Bau von Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln ist dadurch gefährdet, und die Schädigung der Natur durch Stickstoff ist viel zu groß“, kritisierte er. Rund 70 Prozent der niederländischen Stickstoffemissionen stammten seiner Meinung nach aus der Landwirtschaft und ein großer Teil davon aus der intensiven Tierhaltung. Der Beitrag der intensiven Tierhaltung zur Wirtschaft belaufe sich dagegen auf weniger als 1 Prozent, sagt der Politiker.

„Kreislauflandwirtschaft“ als poltische Ziel

De Groot forderte die Landwirte auf, den Übergang zu einer „Kreislauflandwirtschaft“ zu vollziehen, die die Umwelt weniger belaste und dem Tierschutz zugutekomme. Dieses Konzept, das von der niederländischen Landwirtschaftsministerin Carola Schouten bereits verfolgt werde, sehe eine deutliche Verringerung der Tierzahl vor. Die Ressortchefin müsse rasch mit der Umsetzung beginnen „und dann weitermachen“, verlangte der Parlamentarier.

Der Verband der niederländischen Schweinehalter (POV), der Verband der niederländischen Geflügelhalter (NVP) und die Geflügelabteilung im niederländischen Bauernverband (NOP) reagierten bestürzt auf den Vorschlag von De Groot. Um die gefährdete Natur zu schützen, sei bereits ein Stickstoffgesetz eingeführt worden. Außerdem argumentiere De Groot mit falschen Zahlen für die Stickstoffbelastung. Nur rund 20 Prozent des Stickstoffs, der in Naturschutzgebieten lande, stamme aus der Landwirtschaft, hielten die Verbände dagegen.

Der niederländische Bauernverband (LTO) stellte klar, dass die Agrarbranche bereits viel für die Verbesserung der Nachhaltigkeit getan habe. Deshalb verdiene der Sektor ein Kompliment - und nicht eine Halbierung.

Mit Material von Agra-Europe

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