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Umwelt

Niedersachsen: 50 Prozent des Grundwassers belastet

von , am
24.06.2015

Das Ergebnis einer Grundwasser-Untersuchung in Niedersachsen sorgt für Aufregung. Es wurden in über 50 Prozent der Proben Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Meyer will nun das Pflanzenschutzgesetz verschärfen.

Pflanzenschutzmittel im Grundwasser © Waldemar Moll/aboutpixel
Für Niedersachsen liegt jetzt erstmalig das Ergebnis der Untersuchung von Grundwasser auf Pflanzenschutzmittel aus 25 Jahren vor. Danach wurden im Betrachtungszeitraum der Jahre 2008 bis 2013 an 135 Messstellen und damit bei 11 Prozent der Proben Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nachgewiesen.
 
So genannte "nicht relevante Metaboliten" (Reste beziehungsweise Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln, die keine Pestizidwirkung oder Toxizität aufweisen) wurden an 498 Messstellen (42 Prozent) gefunden. Umweltminister Stefan Wenzel sieht in diesem Zusammenhang "akuten Handlungsbedarf". Veröffentlicht wurde die Studie vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Spuren von verbotenen Mitteln

Die meisten Funde ergaben sich im Nahbereich von vorrangig landwirtschaftlich genutzten Flächen. Unter den zehn am häufigsten im Grundwasser nachgewiesenen Pflanzenschutzmitteln sind die noch zugelassenen Wirkstoffe Bentazon, Isoproturon und Mecoprop mit herbizider Wirkung sowie das Fungizid Metalaxyl. Nachgewiesen wurden auch geringe Spuren von Pflanzenschutzmitteln, die längst verboten sind.
 
Basis der mit der Broschüre gelieferten Auswertung sind die Daten des landeseigenen Grundwassernetzes mit fast 1.200 Messstellen, die ein repräsentatives Bild zur Grundwasserqualität Niedersachsens ermöglichen.
 

Meyer: Verschärfung des Pflanzenschutzgesetzes

Umweltminister Wenzel will sich dafür einsetzen, dass die Anwendung der Mittel eingeschränkt und die Zulassungspraxis durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft wird. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer fordert eine Verschärfung des Pflanzenschutzgesetzes. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln gehöre auf den Prüfstand.
 
Der Minister wies in dem Zusammenhang darauf hin, "dass das Land dort, wo es eigene Zuständigkeiten hat, bereits gehandelt hat": Per Erlass gebe es aus Vorsorgegründen bis auf weiteres keine Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz des Wirkstoffes Glyphosat auf nicht-landwirtschaftlichen Flächen. Das Land sorge zudem erstmals für Schulungen, die von der Chemieindustrie unabhängig seien. "Wir haben verfügt, dass die Sachkunde-Schulungen im Pflanzenschutz nicht mehr von Fachleuten vorgenommen werden dürfen, die gleichzeitig in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Pestizid-Herstellern stehen. Nur so ist eine neutrale und unabhängige Schulung mit Hinweisen auf alternative Wirkstoffe  möglich", sagte Meyer.
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