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Kommentar

Niedersachsen gegen Schulfach Ernährung

Lehrerin mit Apfel und Milch
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Sabine Leopold, agrarheute
am
22.05.2018

Das niedersächsische Kultusministerium hat sich gegen ein Schulfach Ernährung ausgesprochen. Die FDP hatte eine entsprechende Anfrage im Landtag gestellt. Dabei braucht Mündigkeit vor allem Bildung, sagt Sabine Leopold, leitende Redakteurin beim agrarheute-Magazin.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat der Forderung nach einem Schulfach "Ernährung" eine Absage erteilt. Man könne nicht jede gesellschaftliche Fehlentwicklung mit entsprechenden Schulfächern abfangen, hieß es in einer Antwort aus seinem Haus auf die entsprechende Anfrage der FDP. Bei Ernährungsfragen seien die Erziehungsberechtigten in der Pflicht. Unterstützt wird die Forderung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner und ihrer niedersächsischen Amtskollegin Barbara Otte-Kinast.

Zuckerkonsum bestrafen?

Das ist eine kuriose Reaktion, betrachtet man die Welle, die Politik und Medien seit einiger Zeit machen, wenn es um die Ursachen und die Folgen von Übergewicht vor allem im Kindesalter geht.

Vollmundig verlangen Verbraucherschützer eine Kennzeichnung zuckerhaltiger Lebensmittel. Und im Rahmen der Aktion „Ärzte gegen Fehlernährung“ wendeten sich vor wenigen Wochen über 2.000 Mediziner in einem offenen Brief an die Kanzlerin und forderten eine Zuckersteuer.

Alles hübsche Ansätze, die darauf abzielen sollen, vor allem Kindern und Jugendlichen irgendwie einzubimsen, dass Cola und Ketchup deswegen so zuckersüß schmecken, weil sie viel Zucker enthalten.

Wissen kann nur vermitteln, wer es selber weiß

Ich hab da eine Neuigkeit, liebe Gesundheitsapostel: Dass Süßes Zucker und Fettiges Fett enthält, wissen die allermeisten Verbraucher schon längst. Und trotzdem konsumieren viele von ihnen diese Produkte in rauen Mengen. Entweder, weil sie nicht wissen, welchen Schaden eine Fehlernährung anrichten kann, oder weil ihnen das schlicht egal ist.

In beiden Fällen fehlt es an Bildung zum Thema und nicht an einer Zuckerampel auf der Verpackung oder einem steuerbedingt drei Cent höheren Preis. Und diese Bildung muss da vermittelt werden, wo Kinder den größten Teil ihrer Tageszeit verbringen und wo sie am meisten von Mitschülern und Lehrern beeinflusst werden.

Sich stattdessen auf die Pflicht der Erziehungsberechtigten zu berufen, ist bequemer Unsinn: Viele aus der heutigen Elterngeneration sind nämlich selber schon im Fast-Food-Wunderland aufgewachsen. Sie zu den Vermittlern einer gesunden Ernährung zu machen, ist ungefähr so erfolgversprechend wie von Nichtschwimmern zu fordern, sie mögen ihren Kindern das Schwimmen beibringen, damit die Anzahl der Badeunfälle sinkt.

Überzeugen statt belehren

Gängelungen, Verbote und Strafen machen ein Fehlverhalten oft erst richtig attraktiv. Jeder, der einen Teenager zu Hause hat, weiß das. Und Panikmache anstelle von objektiven Fakten stumpft ab. Zucker ist ein Genussmittel und kein Gift. Nur mal so ... 

Mittlerweile scheint es, als sei hierzulande nichts mehr ohne Verbote zu regeln. Egal, worum es geht: Dem Verbraucher wird immer weniger Mündigkeit zugebilligt. Und so verhält er sich inzwischen – auch bei der Entscheidung, ob der fünfte quietschsüße Softdrink zur dritten XXL-Portion Pommes rot-weiß wirklich noch gesund sein kann.

"Überzeugen statt belehren" sollte das Prinzip sein, mit dem Deutschland seine Bürger zu einer ausgewogenen Ernährung bewegt. Das kommt nicht nur besser an, das kostet langfristig auch weniger als eine Kennzeichnungspflicht, die man zwar erstmal der Industrie überhelfen kann, die aber am Ende nicht die eigentlichen Probleme löst.

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