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Umwelt

Nikotinoide-Studie der EFSA ruft kontroverse Reaktionen hervor

von , am
17.01.2013

Basel - Wie nicht anders zu erwarten, hat die gestern vorgestellte EFSA-Studie über die Gefährlichkeit von Insektiziden für Bienen, kontroverse Reaktionen hervor gerufen.

Wegen des milden Winters ist der Befall mit Varroamilben dieses Jahr in Hessen besonders schlimm. © Mühlhausen/landpixel
Grüne: Bienen vor der Zeitbombe Neonikotinoide schützen
 
Harald Ebner, Grünen-Sprecher für Agro-Gentechnik sagt zur Warnung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor Gefahren für Bienen durch die Insektzide Clothianidin, Imidacloprid und Thiametoxam (aus der Gruppe der Neonikotinoide): "Die aktuelle EU-Studie ist ein klares Alarmsignal dafür, dass Bienen und andere Insekten existenziell bedroht sind. Im Sinne des Vorsorgeprinzips ist es ein Gebot der Stunde, dass sich die Bundesregierung nun in Brüssel für ein umgehendes Anwendungsmoratorium für Neonikotinoide einsetzt."
 
Die Bundesregierung rede die Risiken dieser Pestizide klein. Sie dürfte sich jedoch nicht auf die von der Chemieindustrie bezahlten Auftragsstudien verlassen, die die Unverzichtbarkeit von Neonikotinoiden vorgaukelten. Bereits einfache Maßnahmen wie bessere Fruchtfolgen und ein Verzicht auf großflächige Monokulturen machten diese Agrargifte überflüssig.
 
Der Wert der Bestäubungsleistung von Bienen werde allein für Deutschland auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt, weltweit sogar auf bis zu 200 Milliarden Euro. Neonikotinoide seien eine tickende Zeitbombe für die Umwelt: Die Giftwirkung summiere sich über längere Zeit und könne damit viele Bestäuber und andere Insekten sogar bei sehr geringen Dosen schädigen oder töten.

Bienensterben: Insektizide unter Verdacht (16. Januar 2013)...

Syngenta: Aktuelle EFSA-Beurteilung ist mit Unsicherheitsfaktoren behaftet

Das Pflanzenschutzunternehmen Syngenta sieht die aktuelle EFSA-Bewertung von Saatgutbehandlungsmitteln, darunter auch den Syngenta-Wirkstoff Thiamethoxam, naturgemäß aus einer anderen Perspektive. Theo Jachmann, Geschäftsführer der Syngenta Germany GmbH, kritisiert: "EFSA räumt ein, dass die aktuelle Bewertung mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren behaftet ist, denn die Richtlinie zur Bienenprüfung befindet sich noch in der Entwicklungsphase." Die Behörde beziehe sich deshalb auf die rein theoretisch vorhandenen Risiken und lasse die jahrelangen Ergebnisse von unabhängigen Monitoring-Studien aus der landwirtschaftlichen Praxis außer Acht.
 
Ergebnisse aus der Praxis zeigten, dass die Technologie bei Beachtung der Anwendungsvorschriften sicher und ohne Probleme eingesetzt werden könne. Jachmann: "Wir sind vor diesem Hintergrund auch nicht überrascht, dass EFSA kein Verbot der Wirkstoffgruppe fordert".
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