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Umwelt

Nitratgehalt im Grundwasser: In manchen Regionen problematisch

von , am
11.12.2012

Berlin - Während sich der Nitratgehalt im deutschen Grundwasser tendenziell positiv entwickelt hat, gibt es verschiedene Regionen, in denen die Nitratbelastung des Wassers wieder steigt.

Das Ausbringen von antibiotikahaltiger Gülle soll die Übertragung von Resistenzgenen begünstigen. © Mühlhausen/landpixel
Das hat der Inhaber des Lehrstuhls für Ressourcenmanagement am Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Hans-Georg Frede, auf dem Kolloquium der Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zum Thema "Nitrateinträge aus der Landwirtschaft" in Berlin erklärt.
 
"Es gibt eine Abnahme in großen Teilen Deutschlands und eine Zunahme in wenigen Teilen", so Frede mit Blick auf die Nitratkonzentrationen im Grundwasser.

Bartmer: Ein regionenspezifisches Problem

Bei den Regionen mit zunehmender Konzentration handele es sich vor allem um viehstarke Regionen im Westen und Nordwesten Deutschlands. Neben steigenden Viehzahlen spielten dabei auch der vermehrte Gülleeinsatz in Biogasanlagen sowie Gülleimporte aus den Niederlanden eine Rolle. "Maßnahmen zum Schutz der Gewässer vor Stickstoffeinträgen müssen daher zukünftig regional differenziert ansetzen", forderte Frede. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer sagte mit Blick auf Daten des Umweltbundesamtes zum Nitratgehalt im Grundwasser: "Ja, wenn man die Karte der Hotspots betrachtet, dann gibt es ein regionenspezifisches Problem. Veredelungszentren mit erheblichen Nährstoffimporten in Form von Futtermitteln sind schon eine Herausforderung."

Insgesamt leicht rückläufige Tendenz

Insgesamt sei ein Rückgang der Belastungen mit Nitrat in deutschen Gewässern zu beobachten, betonte Frede. Die Stickstoffbilanzen für die Bundesrepublik Deutschland wiesen für die zurückliegenden Jahre eine "leicht rückläufige Tendenz" auf. Bei sinkenden Stickstoffeinträgen sei es nicht verwunderlich, "dass die Stickstoffkonzentrationen in den verschiedenen Gewässersystemen Deutschlands ebenfalls leichte Erholungserscheinungen zeigen", so Frede. Das bestätige auch der im September 2012 veröffentlichte Nitratbericht von Bundeslandwirtschafts- und Bundesumweltministerium.

Preisdruck verstärkt Probleme

Der Rückgang der Nitratkonzentrationen gelte sowohl für Oberflächengewässer und Seen als auch für das Grundwasser. Eine Ausnahme bildeten die Grundwasserbelastungen in viehstarken Regionen. In diesen Gebieten werde die Stickstoffproblematik künftig sogar "tendenziell größer" werden. Ein Grund dafür sei, dass steigende Preise auf den Getreide-, Futtermittel- und Bioenergiemärkten speziell in diesen Regionen eine Intensität der Nitratdüngung förderten. Außerdem begünstige der Preisdruck in der tierischen Veredelungswirtschaft Konzentrationsprozesse in der Branche, was die Nitratproblematik ebenfalls regional verstärke.

Nicht nur einzelne Faktoren betrachten

Für DLG-Präsident Bartmer ist der öffentlich geförderte Ausbau von Biogasanlagen ein möglicher Grund für einen Anstieg der Nitrat-Belastungen in einigen Regionen. Er warnte jedoch davor, sich bei Analysen und Maßnahmen "auf isolierte Einzelfaktoren wie einen Nitrat-Nährstoff zu beschränken". Vielmehr müsse zeitglich ein ganzes "Bündel an Indikatoren der Nachhaltigkeit" optimiert werden.

Deutschland wird EU-Ziele 2015 verfehlen

Laut Definition der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) seien bisher 27 Prozent des deutschen Grundwassers in einem "schlechten chemischen Zustand" mit über 50 mg/l Nitratgehalt, erklärte Dr. Rüdiger Wolter vom Umweltbundesamt (UBA) Prognosen würden nahelegen, dass diese Quote bis Ende 2015 lediglich auf 25 Prozent sinken werde. Laut WRRL müsse die Nitratbelastung des Grundwassers in den EU-Mitgliedstaaten bis Dezember 2015 unter dem Grenzwert von 50 mg/l liegen. Ein EU-Staat könne jedoch eine Ausnahmeregelung beantragen und die Frist bis zum Ende des zweiten Bewirtschaftungsplans der Richtlinie, also weitere sechs Jahre bis 2021, verlängern. Auch der Referent für Wasserschutz bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Stefan Dunajtschik, bestätigte, dass in vielen Landesteilen ein "guter chemischer Zustand" des Grundwassers nach WRRL noch nicht erreicht sei. Er gehe davon aus, dass Deutschland die Ziele der Richtlinie bis 2015 "weder fristgerecht noch flächendeckend" erreichen werde.
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