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Umwelt

NRW-Nitratbericht: Landwirtschaft belastet Grundwasser?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
19.11.2014

Düsseldorf - In weiten Teilen in NRW hat sich das Grundwasser deutlich verschlechtert. Das geht aus dem neuen Bericht "Nitrat im Grundwasser" hervor. Das Umweltministerium sieht eine eindeutige Verbindung zwischen den Nitratbelastungen und einer zu intensiven Landwirtschaft und fordert Maßnahmen.

Das Grundwasser in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. © Magann/Fotolia
In den landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten im Norden und Westen Nordrhein-Westfalens (NRW) ist die Nitratkonzentration seit über 20 Jahren gleichbleibend hoch oder steigend. Davon betroffen seien auch rund 40 Prozent der Grundwasserkörper. Das zeige der neue Bericht "Nitrat im Grundwasser". Die Ergebnisse wurden jetzt in Düsseldorf zusammen mit dem erstmals erstellten NRW-Nährstoffbericht vorgestellt. Um die Problematik in den Griff zu bekommen, hat das Ministeriums einige Forderungen, die die Landwirte betreffen, gestellt.

Zusammenhang zwischen Nitratbelastung und intensiver Landwirtschaft

Ein Grund für die hohe Belastung ist nach Angaben des Umweltministeriums in Düsseldorf der zu große Eintrag von Nährstoffen auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere durch erhebliche Mengen von Gülle aus Schweine-Rinder oder Hühnerhaltung und Gärresten aus Biogasanlagen. "Es gibt eine eindeutige Verbindung zwischen den Nitratbelastungen und einer zu intensiven Landwirtschaft, etwa durch eine immer stärkere Konzentration der Tierhaltung, aber auch des Gemüseanbaues", sagte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) bei der Vorstellung der Ergebnisse.
 
Der erstmals erstellte Nährstoffbericht zeige, dass in einigen Kreisen im Münsterland und am Niederrhein so viel Gülle anfalle, dass diese dort nicht umweltverträglich wieder in den Nährstoffkreislauf eingebracht werden könne und daher in andere Regionen verbracht werden müsse.
 
Viele landwirtschaftliche Betriebe halten dort nach Angabe des Umweltministeriums mehr Schweine, Geflügel oder Rinder, als betriebseigene Flächen zur Ausbringung der erzeugten Gülle zur Verfügung stehe. Hinzu komme Mineraldünger, der laut Aussage des Ministers im aktuellen Nährstoffbericht noch gar nicht berücksichtigt wurde, sowie Biogasanlagen, die die Situation vor allem in den viehintensiven Regionen zusätzlich verschärfen würden.

Flächenbindung, Hoftorbilanz, strengere Anforderungen

Remmel stellte Forderungen, um den Nitrateintrag in den Griff zu bekommen.
  • stärkere Flächenbindung in der Tierhaltung
  • Biomasse-Strategie anpassen und an der Nachhaltigkeit ausrichten
  • Gülle: Um Nährstoffüberschüsse durch organischen Dünger zu verhindern hat NRW der Bundesregierung vorgeschlagen, die Zeiten, in denen keine Gülle ausgebracht werden darf, zu verlängern, die zulässigen Nährstoffbilanzüberschüsse zu reduzieren und den Stickstoffeinsatz aus Gülle und Gärresten stärker zu begrenzen.
  • Hoftorbilanz soll in der Düngeverordnung verankert werden.
  • Eintrag von Stickstoff organischer Herkunft (Gülle, Gärreste, Mist, usw.) auf landwirtschaftliche Flächen soll  auf 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar (kg/ha) gedeckelt werden. (Derzeit gilt dieser Wert nur für die Ausbringung von Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft (Gülle), nicht für Gärreste pflanzlicher Herkunft aus Biogasanlagen.)
Eine zentrale Forderung von Minister Remmel lautet, vom Bund die Möglichkeit zu erhalten, in den Gebieten mit belastetem Grundwasserstrengere Anforderungen ausweisen zu können.
 
Die Landwirtschaftsverbände fordern eine stärkere Zusammenarbeit beim Gewässerschutz:
 
In einer ersten Reaktion auf NRW-Nährstoff- sowie den NRW-Nitratbericht äußern sich der der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV). Die Verbände betonen auch, dass die Landwirtschaft die Düngung weiterentwickeln und verbessern müsse. Sie schlagen die Weiterentwicklung des kooperativen Gewässerschutzes mit NRW vor. Kritisch ist ihrer Meinung nach, dass "durch einseitige Auslegung des fachlich fundierten und objektiven Nährstoffberichtes das Land Druck auf die Novelle der Düngeverordnung aufbauen würde, obwohl erst jüngst ein gleichgerichteter Vorstoß im Bundesrat gescheitert sei", schreibt der RLV. 

Kritische Werte auch in Gebieten mit wenig intensiver Tierhaltung

Allerdings wirft der Bericht auch die Frage auf, warum in Gebieten mit relativ wenig intensiver Tierhaltung kritische Grundwasserwerte gemessen werden. Neben der Viehhaltung und Gülle-Importen aus den Niederlanden könnte die Hauptbelastung im hohen Einsatz von Mineraldünger im Acker- und insbesondere im Gemüsebau liegen. Hier will die Landesregierung einen Dialogprozess zum nachhaltigen Gemüsebau starten, mit dem Ziel, die Düngung der Flächen zu optimieren bei gleichzeitiger Einhaltung der hohen Qualitätsstandards, die vom Handel gefordert werden.  
 
Insgesamt wurden laut NRW-Nährstoffbericht 2014 in NRW etwa 140.000 Tonnen (t) Stickstoff durch Gülle oder Festmist auf die Felder aufgebracht. Hinzu kommen Importe und weitere organische Dünger wie Gärreste und Klärschlamm in Höhe von insgesamt rund 30.000 t sowie etwa 205.000 t Stickstoff aus mineralischen Düngemitteln.
 
Der NRW-Nährstoffbericht 2014 wurde in diesem Jahr erstmals erstellt. Das Ziel der Erhebung war, den regionalen Nährstoffanfall unter Berücksichtigung der Nährstoffströme zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben nachvollziehbar und transparent zu machen. Parallel zum Nährstoffbericht wurde ein neuer NRW-Nitratbericht 2014 erstellt, der die Belastung der Grundwasserkörper ausführlich dokumentieren soll.   

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