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Netzschau

Nur mit Gottvertrauen zu schaffen: Landwirte am Rande der Depression

Staunen und Mitgefühl: Pastorin Anne Mirjam Walter kommentiert in "Depression: Wo ist Gott?" die Dokumentation "Landwirte am Limit" über den Milchviehhalter Amos Venema. Depressionen bei Landwirten, dieses schwierige Thema rückt immer häufiger in den Fokus der Medien.

am Samstag, 22.10.2022 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Erschöpfung, Kritik, Zweifel: Amos Venema bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb in Norddeutschland und berichtet in der Dokumentation "Landwirte am Limit" offen über das Thema Depressionen und Burn-out, Pastorin Anne Mirjam Walter kommentiert sein Video für Basis:Kirche. Die Kirchenfrau zeigt sich beeindruckt von den Herausforderungen, die Venema schildert. Immer wieder fällt - bei der Pastorin und beim Landwirt - das Wort Gottvertrauen. "Es ist natürlich schwierig, in so einem finsteren Tal zu sitzen und sich zu überlegen: Irgendwo da hinten muss ja wieder Licht sein", fasst Anne Walter zusammen. "Das ist nichts, was wir wissen. Das ist etwas, was wir hoffen." Diese Hoffnung zu behalten, auch wenn es schwerfällt, das sei Gottvertrauen.

Aus dem Stall nicht wiedergekommen

"Ich bekam mehrfach Anrufe von Landwirten oder Landwirtinnen, die sich sehr große Sorgen um ihre Partner gemacht haben", berichtet Venema im Video. "Wenn man jemanden am Telefon hat, der weint, weil sein Partner in den Stall gegangen und nicht wiedergekommen ist, das macht was mit dir." Eine Situation, die auch Pastorin Anne Walter bedrückt. "Es gibt Situationen, in denen wir dieses Gottvertrauen nicht mehr spüren." Manchmal sei "die Verzweiflung einfach zu groß". 

Im Video "Depression: Wo ist Gott? Reaction auf Landwirte am Limit" geht es um Vertrauen, um Wertschätzung, um Aufgeben und um Hoffnung. Eine bewegende Dokumentation und eine Kommentierung durch eine junge, unkonventionelle Pastorin, die zum Nachdenken anregt.

Depressionen bei Landwirten: wird zum Thema

Burn-out, Erschöpfung und Depressionen bei Landwirten bis hin zum Suizid werden mehr und mehr in den Medien thematisiert. Der Fokus liegt auf den menschlichen Schicksalen der Bauern, die teils bis zur Erschöpfung arbeiten und dafür oft Gegenwind und mangelnde Wertschätzung durch die Gesellschaft erfahren, von wirtschaftlichen Problemen durch schlechte Preise und Marktschwankungen ganz zu schweigen. Denn in Deutschland sind 4,5-mal so viele Landwirtinnen und Landwirte von Burnout betroffen wie Angehörige der Allgemeinbevölkerung. Es bleibt zu hoffen, dass auch in der Bevölkerung das Bewusstsein wächst dafür, was Landwirte täglich alles stemmen und dass dafür auch mal ein bisschen Anerkennung gut täte.

Krisenhotline und Telefonseelsorge

Sie haben Stress auf Ihrem Betrieb oder Ärger mit der Familie? Sie plagen Zukunftssorgen oder Sie wissen aus anderen Gründen nicht mehr weiter? Kontaktieren Sie bitte die Krisenhotline der SVLFG. Ein Team aus Psychologen und psychiatrischen Fachpflegekräften steht Ihnen rund um die Uhr an 7 Tagen die Woche telefonisch beratend und anonym zur Seite. Sie erreichen die SVLFG Krisenhotline unter 0561 785 – 10101.
Weitere Informationen zu Hilfsangeboten finden Landwirte unter https://www.svlfg.de/krisenhotline.

Wenn Sie oder Menschen, die Sie kennen Hilfe brauchen und/oder von Suizidgedanken betroffen sind, kontaktieren Sie die Telefonseelsorge (telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Hilfsangebote gibt es auch für Landwirte in Österreich und der Schweiz. Das österreichische bäuerliche Sorgentelefon ist von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr unter 0810-67 68 10 zu erreichen. In der Schweiz hilft das bäuerliche Sorgentelefon montags von 8.15 bis 12 Uhr, dienstags von 13 bis 17 Uhr und donnerstags von 18 bis 22 Uhr unter 041 820 02 15.

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