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Umwelt

Nur noch Kopf und Hals übrig: Pferd von Wolf gerissen?

© Dieter Schütz/pixelio.de
von , am
21.05.2015

Neue Aufregung um das Raubtier. Einem Wolfsrudel in Niedersachsen ist wohl das erste Fohlen zum Opfer gefallen.

Nun trägt ein Wolf des Munsteraner Rudels in Niedersachsen einen Funksender. © fotolia/kyslynskyy
Schafe, Kälber und nun auch ein Fohlen - in Niedersachsen ist allem Anschein nach das erste Pferd Opfer einer Wolfsattacke geworden, wie der NDR berichtet. Die Pferde von Züchter Götz George aus Bispingen in der Lüneburger Heide stehen auf einer Weide inmitten des Wolfsreviers.
 
Dort brachte die zwölfjährige Stute Eidstjana in der Nacht ihr Fohlen zur Welt. Da es sich bei dem Tier um ein wertvolles Islandpferd handelt, beziffert der Besitzer den Wert des Fohlens auf etwa 5.000 bis 6.000 Euro.

Nur noch Kopf und Hals blieben übrig

Laut George sei sein Nachbar kurz vor Mitternacht auf ein langes, etwa eine Viertelstunde andauerndes klägliches Schreien aufmerksam geworden. Als der 51-Jährige am nächsten Morgen nach seinen Tieren sehen wollte, entdeckte er das Fohlen.
 
Vom Neugeborenen war nur noch der Kopf an einem abgenagten Hals übrig geblieben. Der rund 20 Kilo schwere Körper war inklusive Hufe und Knochen verschwunden. George ist war sich sofort sicher, dass es sich hierbei nicht um einen Hund oder Fuchs handeln konnte.

Experten gehen von Wolfsangriff aus

Auch Experten konnten nach Untersuchungen vor Ort einen anderen Verursacher nahezu ausschließend. Aller Wahrscheinlichkeit nach war hier der Wolf am Werk gewesen. Es wäre bundesweit der erste Angriff auf ein Pferd, wie der Deutsche Jagdverband in Berlin sowie das Kontaktbüro "Wolfregion Lausitz" meinen. Aktuell wird eine DNA-Analyse durchgeführt, um sicher zu gehen, dass es sich bei dem Raubtier um einen Wolf handelt.

Darf man seine Tiere nicht mehr auf die Weide lassen?

Die Pferdehalter in der Umgebung sind nun in Sorge. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Wolf in Deutschland auch das erste Pferd reißen würde, so Werner Schade vom Hannoveraner Zuchtverband in einem NDR-Interview. Auch George hat seine tragenden Stuten und Muttertiere nun auf eine überwachte Weide gebracht.
 

Natürliches Verhalten von Wölfen

Der zuständige Wolfsberater Martin Tripp erklärt, dass es sich bei diesem Angriff um ein ganz natürliches Verhalten des Wolfes handelt. Der Vorfall ist schlimm für den Pferdehalter und erscheint grausam. Doch der Wolf ist nun einmal ein jagendes Tier und wenn sich für ihn "die Möglichkeit bietet, leichte Beute zu machen, nutzt er sie", so Tripp gegenüber dem NDR.

Mehr Unterstützung auch für Pferdehalter

Wie das Umweltministerium Hannover mitteilt, würde George im Falle einer nachweislichen Wolfsattacke eine Entschädigung für das Fohlen erhalten. George fordert zudem, dass nun auch Pferdehalter finanzielle Mittel für Schutzzäune erhalten sollten, so der NDR. Denn bisher galten die Tiere nicht als gefährdet. Dies hätte sich nun geändert.

Wolfsichtungen: Der Wolf tappt in die Fotofalle

Wolf
Am 7. Januar 2015 begegnete einem Förster in der Nähe von Munster (Niedersachsen) ein achtköpfiges Wolfsrudel. Glücklicherweise hatte er seine Kamera dabei. © R. de Mol
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Im Juli 2014 konnte mit einer Fotofalle diese Aufnahme eines Wolfspaares im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) gemacht werden. © Landesjägerschaft Niedersachsen / Olaf Kuball
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Bei diesem Fallen-Schnappschuss handelt es sich um einen Wolf aus dem Nieskyer Rudel. Es bewohnt das Gebiet im Landkreis Niesky in der Oberlausitz (Sachsen). 2014 sollen mindestens 4 Welpen geboren worden sein. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
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Im Juli 2014 wurden zwei Jährlinge des Nochtener Rudels abgelichtet. Das Rudel lebt vorwiegend im Tagebaugebiet Reichwalde in der Oberlausitz. Bei sogenannten Jährlingen handelt es sich um einjährige Jungtiere. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
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Einsamer Wolf? Eher nicht - dieser Grauhund stammt vom dem Nochtener Rudel aus der Oberlausitz. Er tappt Ende November 2014 in die Fotofalle. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
7. März 2016: Im nördlichen Landkreis Starnberg ist letzte Woche am Montag ein Wolf fotografiert worden. Die Aufnahme stammt von einer routinemäßigen Kontrolle der automatischen Kamera. Das Tier weist dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zufolge wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf, die es eindeutig von einem Hund unterscheiden. Das Landesamt für Umwelt soll aktuell die Aufnahme auswerten. © BLU
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Anfang Mai 2016 fotografierte ein Autofahrer diesen Wolf. Es ist der erste Bildnachweis aus Baden-Württemberg. Der Grauhund wanderte auf der Baarhochmulde zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alp. © privat/FVA
Wolf
April 2016: Bei der Kontrolle einer Wildtier-Kamera im Nationalpark Bayerischer Wald (Landkreis Regen) wurde dieses Foto entdeckt. Die Aufnahme vom 17. April zeigt eindeutig einen Wolf: das Tier weist wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf. © NPVBW
Wolf
Juli 2016: Im Raum Göhrde, Landkreis Lüchow-Dannenberg, konnte das neunte Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen werden. Seit dem Jahr 2015 war dort ein territoriales Paar bestätigt, nun gelang mittels Fotos der Nachweis von mindestens sechs Wolfswelpen. © Gerhard Stark/LJN
Wolfswelpen
September 2016: In der Ueckermünder Heide tappten diese drei Wolfswelpen in die Fotofalle. © Bundesforstbetrieb BImA/Jüttner
4 Wolfswelpen
August 2016: Auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide nahm eine Fotofalle diesen Schnappschuss mit 4 Welpen auf. © BFB/Trave/BImA/N. Stier
Wolf mit Waschbär
Dezember 2016: Ein Spaziergänger fotografierte diesen Wolf mit Waschbär-Beute im Maul am Waldrand von Afferde bei Hameln. © Thomas Fietzek
Wölfe
Januar 2017: In der Kalißer Heide tappten diese fünf Wölfe in eine Fotofalle. Die Aufnahme bestätigt nun offiziell die Existenz eines weiteren Wolfsrudels in Mecklenburg-Vorpommern. © Forstamt Kaliß
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