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Gesellschaft

Obstbauern: "Mundraub" wird immer dreister

Apfel Mundraub
am Freitag, 24.09.2021 - 07:00 (1 Kommentar)

Immer wieder bedienen sich Fremde an Obstplantagen. Dabei bleibt es aber oft nicht mehr nur bei Mundraub, berichten Obstbauern.

Ein Apfel hier, ein paar Zwetschgen dort, Mundraub kennt jeder Obstbauer. Passanten bedienen sich oft wie selbstverständlich an den Obstplantagen. In der Bevölkerung hält sich hartnäckig die Ansicht, dass Mundraub ein Kavaliersdelikt sei. Im deutschen Strafrecht ist der Begriff Kavaliersdelikt seit 1975 abgeschafft - und damit ein Diebstahl wie jeder andere. Ob man einen Apfel im Supermarkt oder einen vom Baum einer Obstplantage stiehlt: Es ist eine Straftat. Für meisten Obstbauern ist der Verlust durch Mundraub zwar meist verkraftbar, aber mittlerweile bleibe es oft nicht mehr nur bei einzelnen gestohlenen Äpfeln.

900 Kilo Kirschen gestohlen

Auf einer Streuobstwiese in Freiburg stahlen im Juni nach Einschätzung der Polizei mehrere Täter 900 Kilo Kirschen. Auch auf einem Spargelfeld in Südhessen waren Ermittlern zufolge Profis am Werk, die im Frühjahr 300 Kilo Spargel aus der Erde holten: Sie stachen den Spargel nicht nur korrekt, sondern schlossen auch die Löcher anschließend wieder.

Wegen Corona mehr Mundraub

Obstbauern in Baden-Württemberg berichten beispielsweise, dass sich Menschen immer häufiger an ihren Bäumen und Erdbeerfeldern bedienen, sagt Kathrin Walter vom Landesverband Erwerbsobstbau Baden-Württemberg (LVEO). Ihrer Ansicht nach könnte das mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, weil dadurch mehr Menschen in der Natur unterwegs seien. Vor allem auf Flächen an Radwegen nimmt der Mundraub über Hand.

Ähnlich ist es in der Urlaubsregion am Bodensee, wo sich mit 9000 Hektar eines der größten Anbaugebiete für Kernobst in Deutschland befindet. "Entlang des Sees mit vielen Rad- und Spazierwegen und entsprechend vielen Passanten ist es stärker ausgeprägt als im Hinterland", sagt Manuela Heinrich, Geschäftsführerin der Obst vom Bodensee Marketing GmbH in Friedrichshafen. "Oft ist das ein spontaner Impuls, weil ein Apfel so lecker aussieht." Es komme aber auch vor, dass Leute tütenweise Obst mitnehmen.

Legaler Mundraub

Es gibt die Möglichkeit legal Mundraub zu begehen. An vielen Obstbäumen hängt zurzeit ein gelbes Band, das ebenfalls signalisiert: Hier darf man sich bedienen. Auf der Webseite Mundraub.org können Landwirte Bäume und Sträucher registrieren lassen, die andere gerne abernten dürfen. Ob die gelben Bänder dazu beitragen, dass im gewerblichen Obstanbau weniger gestohlen wird, bezweifeln die Fachleute allerdings. Der Hinweis, dass sich zum Beispiel in 15 Kilometern ein Baum mit einem gelben Band befinde, stimme wohl weder Gelegenheits- noch professionelle Obstdiebe um, meint Manuela Heinrich.

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