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Bodenmarkt

Ortsfremde investieren in ostdeutschen Agrarunternehmen

ti.bund/ee
am
15.12.2015

Insbesondere in Ostdeutschland kaufen sich überregional aktive Investoren in landwirtschaftliche Unternehmen ein. Das Grundstückverkehrsgesetz könne hier seinen Zweck nur teilweise erfüllen, so das Resultat einer neue Thünen-Studie.

Über den Verkauf von Kapitalanteilen können sich die Eigentümerstruktur und die Mehrheitsverhältnisse stark verändern. Dabei geht auch ein großer Anteil der Landwirtschaftsfläche auf neue Eigentümer über. Gerade Agrarunternehmen in den ostdeutschen Bundesländern haben häufig die Rechtsform einer juristischen Person - und deren Anteile gehören zumeist mehreren Eigentümern. Dies teilte das Thünen-Institut nach Auswertung einer neuen Studie mit.

676 Agrarunternehmen untersucht

In der Studie wurden 676 Agrarunternehmen verschiedener Rechtsformen (GmbH, GmbH & Co. KG, Genossenschaft, Aktiengesellschaft) in acht ostdeutschen Landkreisen daraufhin untersucht, wer die aktuellen Kapitaleigentümer sind und welche Veränderungen der Eigentümerstruktur seit 2007 stattgefunden haben. Die Studie ist als kostenfreier Download unter www.ti.bund.de/media/publikationen/thuenen-report/Thuenen-Report_35.pdf erhältlich.

Kapitaleigentümer wohnen nicht vor Ort

Das Ergebnis der Studie: Überregional aktive Investoren (also Kapitaleigentümer, die nicht vor Ort wohnen) treten insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern in Erscheinung. Rund 34 % der von juristischen Personen bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche in den zwei untersuchten Landkreisen gehören zu Unternehmen, die sich im Mehrheitseigentum von nicht ortsansässigen Personen befinden.

Nichtlandwirtschaftliche Investoren aus allen Bereichen

  • Knapp die Hälfte davon (16 %) entfällt auf landwirtschaftsnahe Investoren, überwiegend Landwirte aus anderen Bundesländern.
  • Die übrigen 18 % entfallen auf nichtlandwirtschaftliche Investoren aus verschiedensten Wirtschaftsbereichen.
  • Von der analysierten Fläche waren 20 % schon vor 2007 im Besitz dieser Investoren
  • 14 % sind im Zeitraum 2007-2014 übernommen worden.

In den anderen sechs Untersuchungsregionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind die Anteile überregional aktiver Investoren und auch die Übernahmeaktivitäten in jüngerer Zeit teils deutlich geringer.

Anteilskauf an den Agrarunternehmen: Ohne behördliche Genehmigung

Während der Kauf von Landwirtschaftsfläche behördlich genehmigt werden muss, wechseln über den Anteilskauf an den Agrarunternehmen Flächen indirekt den Eigentümer, ohne dass eine Behörde davon erfährt. Die Größenordnung der so übertragenen Fläche schätzt Andreas Tietz, Autor der Studie, auf 21 % der staatlich erfassten Flächenverkäufe. "Dies zeigt, dass das Grundstückverkehrsgesetz in Ostdeutschland seinen Zweck nur teilweise erfüllen kann", sagt Tietz.

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