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Ernährung und Gesundheit

Perchlorat: EU legt vorübergehende Höchstwerte fest

pd/Krauß
am
31.07.2013

Brüssel - Zwar ist der Stoff schon länger im Umlauf, seit einigen Wochen erreichte er jedoch mediale Bekanntheit: Perchlorat. Die EU hat reagiert und vorübergehende Höchstwerte für das Salz erlassen.

Im Zuge einer Recherche deckte das NDR-Verbraucher- und Wirtschaftsmagazin "Markt" im Juni auf, dass fast jede von 17 im Labor untersuchten Obst- und Gemüseproben mit Perchlorat kontaminiert war. Dreimal wurde die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Höchstmenge überschritten. Die Stichproben stammten vom Wochenmarkt, Discounter und aus dem Supermarkt. Betroffen waren laut NDR spanische Zucchini von Lidl sowie spanische Wassermelonen und belgische Blattsalate von Edeka.
Der ständige Regelungsaussschuss für Lebensmittelsicherheit in der EU legte Mitte Juli nun eine EU-weite Übergangsregelung zu Perchlorat in Obst und Gemüse fest. Laut Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) liegen die neuen Übergangswerte für den innergemeinschaftlichen Warenhandel in der EU nun für alle Lebensmittel mit Obst und Gemüse bei 0,5 mg/kg. Ausnahmen sind:
  • Zitrusfrüchte, Kernobst, Wurzel-und Knollengemüse, Tafeltrauben, Spinat, Melonen und Wassermelonen; bei diesen Lebensmitteln liegt der Wert bei 0,2 mg/kg
  • Blattgemüse (außer Spinat), frische Kräuter und Sellerie (aus Gewächshaus- oder  Tunnelanbau); hier liegt der vorübergehende Höchstwert bei 1,0 mg/kg
Die vorübergehnden Höchstwerte wurden noch vor der Veröffentlichung der Öko-Test-Ergenbisse festgelegt. Die Zeitschrift Öko-Test fand in 16 von 40 Proben (Tomaten, Gurken, Zucchini, Paprika, Erdbeeren) meist geringe Rückstände von Perchlorat, am stärksten waren Demeter-Strauchtomaten betroffen. Dort waren nach Angaben von Öko-Test der maximale Aufnahmewert von 0,01 mg/kg Körpergewicht zu mehr als 100 Prozent ausgeschöpft. Bei drei anderen stärker belasteten Sorten habe es sich ausnahmslos um Salatgurken gehandelt, darunter eine weitere Bio-Probe.

EFSA gibt bis Dezember wissenschaftliche Bewertung

Die nun von der EU festgelegten, vorläufigen Höchstwerte gelten bis eine wissenschaftliche Bewertung der Europäischen Gesundheitsbehörde (EFSA) ausgearbeitet ist, die voraussichtlich im Dezember dieses Jahres vorliegen wird. Im Anschluss gehen die Empfehlungen der EFSA an die EU-Kommission, die wiederum gesetzliche Höchstwerte festlegt. Diese gehen dann an die 28 Mitgliedsländer. In Deutschland sind für die Überwachung die Bundesländer und hier wiederum die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter zuständig.
 
Die Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau (ZVG) begrüßt die schnelle Reaktion und EU-weit gültige Übergangsregelung. Damit werde zum einen der Verbraucherschutz gestärkt. Gleichzeitig bekämen auch die Gemüseerzeuger eine Rechtssicherheit, die beim Einkauf von Düngemitteln beachtet werden kann.

Mögliche Herkunft und Folgen

Laut dem Mediziner-Portal DocCheck werden Perchlorate durch oxidative Vorgänge in der Atmosphäre gebildet und lagern sich mit dem Staub ab. In Gegenden mit regelmäßigen Niederschlägen gelangen die Perchlorate in den Wasserkreislauf und werden dort durch Mikroorganismen abgebaut. In ariden Wüstengebieten wie der Atacamawüste und im trockenen Südwesten der USA können sich die Perchlorate bis zu Konzentrationen von einigen mg/kg anreichern. So könnten die Salze auch in von dort stammende Düngemittel gelangt sein.
 
Perchlorate hemmen die Iod-Aufnahme im Körper (Iodination) und somit den Stoffwechsel der Schilddrüse. Perchlorate werden daher auch als Medikament zur Regulierung der Schilddrüsenfunktion eingesetzt.
 

Video: Die holländische "Erdwärme-Tomate" (Juli 2013)

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