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Mäuseplage in Australien: Peta fordert Rechte für Nager ein

Vorratsschädling Maus
am Mittwoch, 19.05.2021 - 15:30 (1 Kommentar)

Der australische Bundesstaat New South Wales wird derzeit von einer massiven Mäuseplage heimgesucht. Die Tiere fressen Felder leer und übertragen Krankheiten. Die Menschen vor Ort sind verzweifelt. Zeit für die Tierrechtsorganisation Peta, auf die Rechte der Mäuse hinzuweisen und die Farmer zu bitten, die Nager nicht für das Wohl der Menschen zu opfern. Ein Kommentar.

In New South Wales lebt eine zähe Spezies Mensch. In den vergangenen Jahren wurden die Bewohner von Australiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat von anhaltender Dürre, verheerenden Feuern und schließlich einer Jahrhundertflut heimgesucht. Vor allem im Landesinneren fehlte es lange Zeit an Niederschlägen, was zu massiven Ernteausfällen führte. Als dann endlich – wenn auch vielerorts viel zu heftiger – Regen fiel, freuten sich die Farmer auf gute Erträge.

Doch nicht nur sie lauerten auf Getreide, Obst und Gemüse im Überfluss. Mit dem steigenden Nahrungsangebot explodierte auch die Mäusepopulation. Die kleinen Nager treten inzwischen regional in so irrwitzigen Mengen auf, dass sie ganze Felder leerfressen. Nach den dürregeschuldeten Missernten der vergangenen Jahre droht nun mancherorts ein Totalausfall durch Mäusemast.

Gefahr nicht nur für Landwirte

Aber nicht nur in Feld und Flur richten Millionen von Mäusen Schaden an. Im Netz kursieren Dutzende Videos aus Städten und Gemeinden in New South Wales, in denen Anwohner das Mäusegewimmel in Schuppen, Kellern und nicht selten auch Wohnungen gefilmt haben. Diese Schadnagerpopulationen bergen ein weiteres Risiko: Sie übertragen Krankheiten wie Hanta, Typhus oder diverse Parasiten.

Mittlerweile betrachtet die Regierung von New South Wales den Mäusebefall als Notstand und stellt vor allem Landwirten großzügige finanzielle Mittel zur Bekämpfung und zum Schadensausgleich zur Verfügung. Von umgerechnet 32 Mio. Euro sprach Landwirtschaftsminister Adam Marshall vor wenigen Tagen gegenüber einem australischen Nachrichtensender. Zudem bekämen Farmer kostenlos Giftköder zur Verfügung gestellt, um die Mäuseplage, die als die heftigste seit 40 Jahren gilt, effektiv zu bekämpfen.

Peta: Nicht unschuldige Mäuse ihres Rechts berauben!

Doch nicht jeder freut sich über diese Hilfe. Die Tierrechtsorganisation Peta (People for Ethical Treatment of Animals) appellierte kürzlich an die Farmer, sie mögen den Mäusen kein Leid zufügen. Die Sprecherin von Peta Australia, Aleesha Naxakis, formulierte es so: "Diese intelligenten, neugierigen Tiere suchen nur nach Futter, um zu überleben. [...] Dieses Rechts sollten sie nicht beraubt werden wegen der gefährlichen Idee von einer menschlichen Vorherrschaft." 

Gift brächte diesen unschuldigen Tieren nicht nur einen schmerzhaften Tod, es berge auch nur die Gefahr, dass sich Schaderreger durch Mäusekadaver in Wasserreservoirs ausbreiteten. Stattdessen, so die Empfehlung der Peta-Sprecherin, sollten die betroffenen Farmer die Mäuse "vorsichtig einfangen" und "unbeschadet aussetzen". Wo das geschehen soll, führte Naxakis nicht aus. Diverse australische Medien empfehlen die Peta-Hauptgeschäftsstelle.

Wütende Kommentare und Einladungen von Farmern

Der Wind, der Peta in australischen Medien und auf Social Media-Plattformen entgegenschlug, war weit heftiger als der sprichwörtliche Mäusepups. "Dumm" und "weltfremd" waren noch freundliche Umschreibungen dessen, was betroffene Australier von den Peta-Ideen hielten.

Eine Zoologin fragte auf Facebook zynisch, wieviele Millionen lebende, hungrige Mäuse Aleesha Naxakis denn frei Haus geliefert haben möchte. Andere luden die Tierrechtlerin auf ihre Farm oder in ihr Haus ein, um live zu erleben, was eine echte Mäuseplage sei.

Mittlerweile rudert die Organisation zurück: Man habe ja eigentlich nur für eine humane Tötung plädieren wollen. Außerdem seien die Rodentizide eine Gefahr für bedrohte Tierarten, die die toten Nager fräßen.

Wer braucht schon Zoos und Falknereien?

Das Wohl bedrohter Wildvogel- und Wildtierarten steht allerdings nicht bei allen Peta-Landesorganisationen im Vordergrund. In der Diskussion um die Tötung von Eintagsküken und mögliche Ausnahmegenehmigungen für Brütereien, die Abnahmeverträge mit Wildvogelauffangstationen oder Zoos vorlegen können, äußerte sich Peta Deutschland dieser Tage.

"Das Argument der Zoos und Falkner, dass sie die getöteten Küken brauchen, um damit ihre eingesperrten Tiere artgerecht ernähren zu können, ist vollkommen widersprüchlich: Durch ihre Gefangenschaft werden den Beutegreifern ebenfalls grundlegende Bedürfnisse abgesprochen. Flugschauen und Zoovolieren dienen nur dem Entertainment zahlender Besucher“, erklärte Yvonne Würz, Peta-Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie. Diese Haltungsformen seien deshalb abzuschaffen.

Praktikum für Peta-Protestierer

Was die "Fachreferentin" übersieht: Zoos und Wildvogelstationen leisten einen enormen Beitrag zum Artenschutz. Ohne ihre Arbeit wären zahlreiche Tierarten bereits ausgestorben oder genetisch derart verarmt, dass ein Fortbestand kaum noch möglich wäre. Zuchtprogramme und die aufopferungsvolle Arbeit von Pflegern und Zuchtkoordinatoren können daher kaum hoch genug eingeschätzt werden.

Und selbst die geschmähte Unterhaltung für den Menschen hat mehrere Aspekte. Einer davon ist tatsächlich, Geld für die kostspieligen Aufgaben zu verdienen. Noch wichtiger ist aber, Menschen diese Tierarten und ihre Bedrohung näherzubringen – etwas, was trotz gegenteiliger Behauptungen keine TV-Reportage und kein youtube-Video ersetzen können.

Das könnte man übrigens auch den Peta-Tierrechtlern selbst einmal ans Herz legen: Der direkte Kontakt zu Tieren, die Arbeit mit ihnen und für sie, hat schon so manchen auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. 

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