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Leser fragen, agrarheute antwortet

Pferdeblut für die Schweinezucht: 5 Fakten zu Blutfarmen

Stuten auf Blutfarm in Argentinien
Anna Castronovo, Julia Eder
am
07.04.2017

Eine Leserin sah einen Beitrag über so genannte Blutfarmen, wo Pferden unter grausamen Bedingungen Blut für die Schweinehaltung abgenommen wird, und fragt: "Stimmt das?" Das sind die Fakten.

Über Facebook erreichte uns eine Frage einer agrarheute-Leserin:

"Ich habe im Fernsehen (bei einem öffentlich-rechtlichen Sender) eine Doku über Pferde gesehen, die verprügelt wurden, um sie in kleine Boxen zu sperren, damit man ihnen wöchentlich 10 Liter Blut abnehmen kann. Das Blut wird gebraucht, damit Sauen in unserem Land zeitgleich ihre Ferkel werfen, wurde in dem Beitrag gesagt. Stimmt das so?"

Wir sind dem Thema, das seit etwa zwei Jahren immer wieder von Publikumsmedien aufgegriffen wird, nachgegangen. Die einzigen Quellen, die oben beschriebene Praktiken recherchiert haben, sind die Tierschutzorganisation "Animal Welfare Foundation" (AWF) und der Tierschutzbund Zürich (TSB Zürich). Die deutsche Journalistin Anna Castronovo hat sich ebenfalls mit dem Thema "Blutfarmen" auseinandergesetzt und die Recherchen dazu in dem spannenden Krimi "Stutenblut" verarbeitetet. Sie hat für uns die wichtigsten Fakten über Blutfarmen zusammengefasst.

Was sind Blutfarmen?

Auf sogenannten Blutfarmen in Uruguay und Argentinien werden laut Recherchen der Tierschutzorganisation AWF rund 10.000 bis 12.000 tragenden Stuten ca. elf Wochen lang etwa zehn Liter Blut pro Woche abgenommen. Daraus wird das Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) gewonnen. Da das Hormon in hoher Konzentration nur bis zum vierten Trächtigkeitsmonat produziert wird, werden laut AWF die Fohlen danach abgetrieben, indem die Fruchtblase angeritzt wird. Anschließend werden die Stuten erneut gedeckt.

Woher stammen die Informationen über Blutfarmen?

Die Animal Welfare Foundation und der Tierschutzbund Zürich (TSB Zürich) haben die Zustände auf den Blutfarmen 2015 recherchiert und die Informationen an die EU-Kommission, die Welttierschutzorganisation (IOA), tierärztliche Verbände und die Presse weitergegeben. So wurden im Januar 2017 Zollpapiere gefunden, die belegen, dass in Uruguay mehrmals pro Monat 103 Gramm PMSG für 1,2 Millionen US-Dollar verkauft werden. Die Tierschutzorganisation führt weitere Recherchen durch, informiert die Importeure sowie Pharmafirmen, die das Mittel vertreiben, und fordert zuständige Politiker zu Gesprächen und Stellungnahmen auf.

Wozu wird das Hormon PMSG gewonnen?

PMSG (pregnant mare’s serum gonadotropin) oder auch Equines Choriongonadotropin (eCG) ist ein Keimdrüsen stimulierendes Sexualhormon. Es gibt europäische Ferkelproduzenten, die PMSG einsetzen, um die Trächtigkeit von Sauen zu synchronisieren: Die Muttersauen werden dadurch zur selben Zeit empfängnisbereit und gebären gleichzeitig.

Der Einsatz von Arzneimitteln in der Nutztierhaltung ist mit Arzneimitteln (AMG) geregelt. Danach ist eCG als Arzneimittel zu therapeutischen oder tierzüchterischen Behandlungen zugelassen. In Deutschland werden rund zwei Millionen Zuchtsauen gehalten. Nach Schätzungen der Bundestierärztekammer werden heute 10 bis 15 % der Sauen hormonell behandelt. Das wären in Deutschland jährlich 205.000 bis 307.000 Tiere, die hormonell behandelt werden, jedoch nicht durchweg mit PSMG.

Welche Alternativen gibt es zum Hormon PMSG aus Stutenblut?

Eine natürliche Alternative, um die Brunst bei Muttersauen auszulösen, ist die Anwesenheit von Suchebern, die zum Beispiel in der Nachbarbucht untergebracht sind. Eine synthetische Alternative zu PMSG ist der Wirkstoff Peforelin aus der Gruppe der GnRH-Analoge, der den Östrus der Muttersauen synchronisiert. Peforelin hat nicht die Nebenwirkungen der Superovulation (mehr Ferkel als die Muttersau versorgen kann) und Pubertätsverkürzung, wie es bei PMSG der Fall ist. Beide Alternativen sind jedoch nur bedingt praxistauglich.

Welche Folgen hat die Blutabnahme für die Pferde?

Die Stuten leiden an Blutarmut, die unter anderem zu einer Immunschwäche führen kann. Sie können zusammenbrechen und einen Kreislaufkollaps erleiden. Rund 30 Prozent der Pferde sterben laut AWF an den Folgen der Prozedur.

Freiexemplare:
Die Journalistin Anna Castronovo hat die Blutfarmen zum Thema eines Krimis gemacht, der auf den Recherchen der AWF beruht. Für interessierte Leser stellt sie drei Exemplare von "Stutenblut" kostenlos zur Verfügung. Einfach eine E-Mail schreiben an: redaktion@agrarheute.com.

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