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Umwelt

Phosphor: Rückgewinnung aus Klärschlamm mit Kohlensäure

von , am
20.01.2015

Ein neues Verfahren zur Gewinnung von Phosphor aus Klärschlamm verzichtet komplett auf den Einsatz giftiger Chemikalien und ist zudem noch kostengünstiger als bisher. Die Marktchancen stehen gut.

Ein Verfahren, bei dem mittels Kohlensäure Phosphor aus Klärschlamm zurückgewonnen werden kann, hat die chemische Fabrik Budenheim entwickelt. Wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mitteilte, wird in einer eigens errichteten Versuchsanlage unter erhöhtem Druck Kohlenstoffdioxid in das Klärschlamm-Wasser- Gemisch geleitet. Das CO2 wandele sich zu Kohlensäure um, bringe den PH-Wert zum Sinken und löse die im Klärschlamm enthaltenen Phosphate heraus, die in Form von Kristallen leicht wiedergewonnen werden könnten.
 
Das Ziel bestehe darin, je nach Herkunft des kommunalen oder industriellen Klärschlamms bis zu 50 % des Phosphats zurückzugewinnen. Bei den gewonnenen Produkten werde dann untersucht, ob sie sich zur Weiterverarbeitung zu Phosphordünger eigneten. 

Vollständiger Verzicht auf Chemikalien

Beim Einsatz des sogenannten Budenheimverfahrens soll es der DBU zufolge nicht mehr zur Entstehung umweltschädlicher Abwässer oder Abluftströme kommen. Im Prozess entstehendes Kohlendioxid werde aufgefangen und im Kreislauf erneut für den Reaktionsbehälter genutzt. Zudem könne vollständig auf Chemikalien wie Salzoder Schwefelsäure und Natronlauge verzichtet werden. Die DBU hat das Projekt nach eigenenAngabenmit fast 400.000 Euro gefördert; außerdem habe die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz im Auftrag des Landes mehr als 400.000 Euro für die Laborentwicklung bereitgestellt.
 
DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann betonte, dass von den in Deutschland jährlich anfallenden 2 Millionen Tonnen Klärschlammtrockenmasse, die etwa 60.000 Tonnen Phosphor enthielten, bisher nur 45 % als Dünger oder anderweitig verwendet würden; der Rest gehe verloren. Mit dem neuen Verfahren könnten auch die Verfahrenskosten gesenkt werden, und zwar von aktuell rund 25,00 Euro auf etwa 0,70 Euro pro Kilogramm Phosphor. Vor diesem Hintergrund habe der so gewonnene Phosphordünger gute Chancen, am Markt verkauft werden zu können. Die Mainzer Wirtschaftsministerin Eveline Lemke zeigte sich optimistisch, dass das Projekt zur Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe und zur Vermeidung von Abfällen beitragen könne.
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