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Umwelt

Plastiktüten: EU-Kommission will Verbrauch per Gesetz senken

von , am
19.04.2014

Straßburg - EU-Bürger sollen bis 2019 weniger Plastiktüten verbrauchen. Die Ländern sollen sie verbieten können oder Gebühren erheben. Dies sieht ein Gesetzentwurf der EU-Kommission vor.

In der EU werden nach Angaben des Europaparlaments jährlich rund 100 Milliarden Plastiktüten verwendet, etwa acht Prozent gelangen in die Weltmeere. Jeder EU-Bürger hat 2010 im Durchschnitt rund 200 Plastiktüten verwendet. Wegen seiner Langlebigkeit von 450 Jahren stelle Plastik eine Gefahr für die gesamte Umwelt dar, und erreiche über die Nahrungskette auch den Menschen. Dem will die EU-Kommission und EU-Parlament nun einen Riegel vorschieben.

Verbot oder Gebüren

Innerhalb von fünf Jahren soll der Verbrauch von Einwegtüten von durchschnittlich rund 200 auf 35 pro Kopf gesenkt werden. Nach den Vorstellungen der Parlamentarier können die Länder den Verbrauch der Tüten verbieten oder Gebühren oder Steuern darauf erheben.
 
Ausnahmen soll es für sehr dünne Beutel geben, die dem hygienischen Transport von frischem Fleisch, Fische, Käse und Aufschnitt dienen. Das Parlament schlägt vor, Obst, Gemüse und Süßigkeiten künftig in Papiertüten oder biologisch abbaubaren Plastiktüten zu verkaufen.
 
Die Forderung wird allerdings erst Gesetz, wenn ihr auch die 28 Regierungen der Europäischen Union zustimmen. Die Gespräche sollen nach der Europawahl beginnen.
 
In den einzelnen Ländern ist der Verbrauch sehr unterschiedlich. Dänen und Finnen benutzten nur vier Einwegtüten pro Kopf, Irland 18. Deutschland lag mit 70 Tüten im Mittelfeld. Das Schlusslicht bildeten Polen und Portugiesen mit 450 Tüten pro Kopf.

Tiere verschlucken Plastiktüten

Die Verschmutzung von Meeren, Flüssen und Seen hat nach Berichten des Bundesregierung gewaltige Ausmaße angenommen. Zwischen 100 und 142 Millionen Tonnen Müll schwimmen derzeit in den Gewässern, das meiste davon sei Plastik. Jährlich kämen mehr als sechs Millionen weitere Tonnen dazu - über küstennahe Mülldeponien, Fischereiboote und Schiffe.
 
Nach Angaben des Europaparlaments gelangen jährlich etwa acht Milliarden Plastiktüten in die Weltmeere. Wegen riesiger Müllteppiche sterben jedes Jahr Hunderttausende Vögel, Meeressäuger, Schildkröten und Fische.
 
An der Nordsee seien von 2008 bis 2012 im Schnitt 1,5 Plastik-Tragetaschen und drei kleine dünnwandige Plastiktüten pro hundert Meter Küstenlinie gefunden worden. Diese Fragmente werden von den Meereslebewesen mit Nahrung verwechselt: Sie können die Mägen der Tiere verstopfen und so zum Tod durch Verhungern oder innere Verletzungen führen.
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