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Dorf und Familie

Polen: Landwirtschaftliche Berater unter Täuschungsverdacht

Externer Autor
am
06.03.2013

Brüssel - Die Europäische Union hat sich mit einem weiteren Betrugsfall auseinanderzusetzen, wobei diesmal nicht die Verbraucher, sondern die Steuerzahler die Geschädigten sind.

Wie vor kurzem bekannt wurde, haben sich Beratungsfirmen in Polen mutmaßlich Fördergelder aus der Zweiten Säule der EU-Agrarpolitik für die ländliche Entwicklung erschlichen. Die betreffenden Unternehmen hätten Bauern kostenlos Beratung angeboten, obwohl die Europäische Union einen Eigenanteil der Landwirte vorschreibe, berichtete die polnische Zeitung "Dziennik".
 
Dafür hätten die Firmen einen Mechanismus geschaffen, bei dem der Eigenanteil zwar ausgewiesen, den Bauern jedoch von den Beratern indirekt zurückerstattet worden sei. Die Agentur für Restrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft (ARiMR) erstattet bei solchen Beratungen 80 Prozent der Kosten mit Geld aus EU-Töpfen. Die Firmen erklären den Bauern beispielsweise, wie sie ihren Hof an EU-Normen anpassen können. Der Höchstbetrag für eine solche Beratung beträgt den Medienberichten zufolge 6.000 Zloty (Zl) (1.445 Euro).

Gratishilfe gewohnt

Die Bauern seien an kostenlose Hilfe gewohnt und nicht bereit, einen Anteil von 20 Prozent aufzubringen, zitierte "Dziennik" Tadeusz Szmanczak , Mitglied einer Monitoring-Kommission zur Umsetzung der ländlichen Entwicklung in Polen. Deshalb teilten viele Beratungsfirmen den Förderbetrag mit den beratenen Bauern - und überwiesen ihnen einfach ihren Eigenanteil zurück. Im Bezirk Großpolen mit der Hauptstadt Posen sei dafür extra eine Stiftung gegründet worden, die von Familienmitgliedern der Berater geleitet werde, ergaben Recherchen der Zeitung. Die Stiftung habe allein im vergangenen Jahr 386.000 Zl (92.987 Euro) an die Bauern zurückgezahlt. Die EU-Förderung für die Beratungen dürfte demnach beim Vierfachen dieser Summe liegen. Über andere polnische Regierungsbezirke lagen zuletzt keine Zahlen vor.

Kontrollen intensiviert

Im Bezirk Großpolen ermitteln inzwischen die Staatsanwaltschaft und die polnische Anti-Korruptionsbehörde (CBA) in der Sache. Die Behörden stellen sich darauf ein, Hunderte von Bauern zu vernehmen. ARiMR-Inspektoren verteidigten dagegen die Landwirte. Während die Kontrollen im Regierungsbezirk Lublin von 2010 bis 2012 um mehr als ein Fünftel gesteigert worden seien, habe sich der Anteil der fehlerhaften Anträge auf 13 Prozent verringert. Am häufigsten komme es vor, dass Landwirte eine zu große Fläche ihres Hofes angeben würden, um höhere Flächenprämien zu erhalten. Die Europäische Kommission teilte auf Anfrage mit, man habe von den Vorfällen gehört, warte jedoch auf weitere Informationen der polnischen Behörden. Es gehe um jene 10 Prozent der Beratungsdienstleister, die privatwirtschaftlicht organisiert seien. Die Behörden nähmen Korrekturen vor.
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