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Wirtschaft

Potash: Übernahme-Krimi um weltgrößten Kali-Produzenten

Externer Autor ,
am
25.08.2010

London/Toronto/Melbourne - In der weltweiten Düngemittelbranche herrscht derzeit ein regelrechter Übernahme-Krimi rund um den kanadischen Kaliproduzenten PotashCorp.

Kornkali wird mit einem Schleuderband gebunkert. © Mühlhausen/landpixel

Nach tagelangen Spekulationen gab der Konzernin einer Aussendung bekannt, dass der Vorstand nach sorgfältiger Prüfung "einstimmig beschlossen hat, das unaufgeforderte Angebot von BHP Billiton zurückzuweisen, die umlaufenden Aktien der PotashCorp für 130 US-Dollar pro Stück in bar zu erwerben".

Der Vorstand empfiehlt einstimmig, dass die Aktionäre der PotashCorp das Offert des weltgrößten, britisch-australischen Bergbaukonzerns, der somit in Summe 39 Milliarden US-Dollar (30,7 Milliarden Euro) geboten hatte, abzulehnen. Der Übernahme-Poker geht somit in die nächste Runde, Erhöhungen des Offerts werden erwartet und auch andere Unternehmen in China und Brasilien zeigen sich laut Medienberichten an dem weltgrößten Kaliproduzenten interessiert.

Feindliche Übernahme durch Angebot an Aktionäre versucht

Bereits am vergangenen Mittwoch hatte BHP Billiton angekündigt, seine Pläne für den Kauf von PotashCorp auch gegen den Widerstand des Unternehmens voranzutreiben. Zu diesem Zweck hatte sich der Bergbaubetreiber mit einem Angebot in Höhe von 130 US-Dollar je Aktie direkt an die Potash-Aktionäre gewandt. Die Potash-Führung selbst hatte das Angebot einen Tag zuvor als deutlich zu niedrig abgelehnt. "Wir sind überzeugt, dass der Kali-Bergbau langfristig gute Aussichten hat", begründete BHP-Chef Marius Kloppers laut APA seine Pläne auch für eine feindliche Übernahme.

Der Südafrikaner würde sein Unternehmen gerne zum weltgrößten Düngemittelkonzern ausbauen. Vor zwei Jahren hatte er einen Vorstoß zur Übernahme des australischen Rivalen Rio Tinto gewagt, war damit aber letztlich gescheitert. "Der Vorstand der PotashCorp ist einstimmig der Überzeugung, dass das Angebot der BHP Billiton den Wert der PotashCorp deutlich zu gering veranschlagt und weder den Wert unserer Spitzenposition in einer strategisch relevanten Branche noch unsere einmaligen, künftigen Wachstumsaussichten berücksichtigt", meinte der Präsident und Chief Executive Officer der PotashCorp, Bill Doyle. "Der Vorstand hat die förmlichen Dokumente über das unverlangte Angebot von BHP Billiton gründlich geprüft und ist zu dem Schluss gelangt, dass das Offert vollkommen unangemessen ist und es nicht den besten Interessen des Unternehmens, der Aktionäre und anderer Beteiligter entspricht. Wir empfehlen den Aktionären dringend, das opportunistische Angebot der BHP Billiton zurückzuweisen und ihre Aktien nicht zum Kauf anzubieten", so Doyle.

Analysten erwarten Nachbesserung des Angebots

Experten rechnen damit, dass BHP Billiton sein Angebot noch deutlich aufstocken muss. Eine getrennte Umfrage unter Analysten in Nordamerika und Europa ergab, dass diese bei  157 US-Dollar Erfolgsaussichten für das Gebot sehen. Keiner der Spezialisten hatte erwartet, dass BHP mit dem ursprünglichen Angebot den Zuschlag erhalten würde.

Rio Tinto erwägt Gegenangebot für Potash

Unterdessen erwägt der australische Bergbaukonzern Rio Tinto einen Einstieg in den Übernahmepoker, wie die kanadische Zeitung "Globe & Mail" heute unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise berichtete. Rio Tinto denke darüber nach, zusammen mit einem chinesischen Partner ein Gebot für Potash abzugeben. Ein Sprecher von Rio Tinto wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Zahlreiche weitere Unternehmen als "weiße Ritter " im Gespräch

Im Gespräch war bisher auch der brasilianische Bergbaukonzern Vale. Dieser hatte jedoch gestern erklärt, kein Angebot für Potash vorlegen zu wollen. Schon Analysten hatten Vale nicht "die finanziellen Muskeln" zugetraut, um BHP ausstechen zu können. In Medienberichten waren Vale und der chinesische Fonds Hopu Investment Management als Gesellschaften genannt worden, die Potash als Helfer beispringen könnten. "Alle Arten von Unternehmen" hätten angeklopft, berichtete PotashCorp-Chef Doyle. Namen der Firmen, die als "weißer Ritter" einspringen sollen, nannte er nicht. Verbindungen des Kaliproduzenten gibt es bereits zur chinesischen, von einigen Seiten genannten Sinochem. Potash besitzt 22 Prozent der Anteile an der chinesischen Sinofert, die zur Sinochem-Gruppe gehört. Sinofert ist der größte Düngemittelproduzent im Reich der Mitte.

Sinochem: Übernahmepläne dementiert

Experten bezweifeln allerdings, ob dieser Konzern eine komplette Übernahme von Potash finanzieren könnte. Zu den Informationen äußerte sich bei Sinochem der Leiter des Präsidentenbüros: "Ich habe nicht gehört, dass wir sie kontaktiert haben." Sollte Potash übernommen werden, habe das aber mit Sicherheit Auswirkungen auf den chinesischen Kalimarkt. "Wir beobachten das Thema genau und werden die nächsten Entwicklungen mit Bedacht prüfen", so der Leiter.

Dass es ernsthafte Interessenten aus China gibt, halten viele Branchenexperten für denkbar. Das Rohstoff-hungrige Land ist einer der weltgrößten Importeure von Kali, was im Zuge des Wirtschaftswachstums zunehmen dürfte.

Bei Übernahme durch BHP Preisrückgang möglich

Mit einer Übernahme durch den Bergbauriesen BHP Billiton würde laut Expertenmeinung bei der Preisgestaltung der Branche ein anderer Wind wehen. BHP kündigte bereits an, nach der Übernahme von Potash aus einem Exportkonsortium ausscheiden zu wollen, in dem mehrere Unternehmen gemeinsam die Kali-Preise durch Produktionsanpassungen beeinflussen. BHP möchte seine Ware jedoch unabhängig vermarkten. Dies könnte einen Preisrückgang auf dem Markt verursachen.

Der weltweite Kalimarkt im Überblick

Potash
Potash ist mit einer Produktionskapazität von rund zwölf Millionen Tonnen der weltgrößte Kali-Anbieter und gehört zum nordamerikanischen Exportkonsortium Canpotex, das einen Marktanteil von gut 20 Prozent innehat. Der kanadische Konzern Potash ist laut eigenen Angaben auch das drittgrößte Unternehmen am Stickstoff- und Phosphat-Markt und erzeugt ferner Tierfutter und Industriechemikalien.

Russische und weißrussische Anbieter
Mit fast 30 Prozent führend ist eine vergleichbare Vereinigung russischer und weißrussischer Anbieter. Die beiden Gruppen nutzen ihre Macht, um mit ihrem Produktionsmanagement fallende Kali-Preise aufzufangen oder von einer hohen Nachfrage zu profitieren.

K+S
K+S aus dem deutschen Kassel belegt mit rund acht Millionen Tonnen unter den Unternehmen den vierten Platz. Dieser Konzern gehört nicht zu den beiden Exportverbänden und folgt ihnen direkt in puncto Marktanteil.

Kali ist neben Stickstoff und Phosphat einer der Hauptbestandteile von Düngemitteln. Im Jahr 2008 belief sich die weltweite Produktion laut Zahlen des Agrarhandelskonzerns Toepfer International auf 53,7 Millionen Tonnen. 17,3 Millionen Tonnen davon wurden allein in Kanada abgebaut und 18,2 Millionen Tonnen in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, so vor allem Russland und Weißrussland. Diese drei Länder sind auch die Hauptexporteure. Europa und der Nahe Osten kamen auf insgesamt 12,4 Millionen Tonnen, 5,5 Millionen Tonnen allein in Deutschland. Bei den Importen scheinen vor allem Länder wie die USA, Brasilien, China und Indien beziehungsweise auch die Europäische Union mit nennenswerten Mengen auf. (aiz)

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