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Ernährung und Gesundheit

Preise für Sauerkonserven steigen

AgE
am
06.03.2014

Bonn - Die Verbraucher müssen sich auf steigende Preise für Sauerkonserven, die Gurken, Rotkohl, Sellerie, Karotten oder Rote Beete enthalten, einstellen.

Darauf hat der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) aufmerksam gemacht und gleichzeitig davor gewarnt, dass andernfalls der Branche mittelfristig eine Abwanderung der arbeitsintensiven Kulturen ins Ausland drohe.
 
Als Grund für die alarmierende Situation nannte der Verband das Zusammenwirken einer ganzen Reihe von wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, von denen die gesamte Erzeugerkette vom Anbau bis zum fertigen Konservenglas negativ betroffen sei.

Gurkenanbau für Erzeuger ein Minusgeschäft

So habe die Landwirtschaft durch witterungsbedingte Ernteschäden eine schwierige Saison 2013 hinter sich, in der Ertragsverluste von 15 Prozent bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verkraften gewesen seien. Aufgrund bestehender Kontrakte und geringer Erntemengen war insbesondere der Gurkenanbau für viele Landwirte ein Minusgeschäft. Ein Teil der Landwirte wird nach betriebswirtschaftlichem Kalkül laut BOGK auf alternative und risikoärmere Kulturen ausweichen, so dass Gurken auch im Jahr 2014 in Deutschland knapp bleiben dürften.

Sauerkonservenhersteller unter Druck

Generell wirken sich laut Verband die witterungsbedingten Anbaurisiken heute im globalen Einkauf der Verarbeiter deutlich stärker auf die Kostensituation der Unternehmen aus. Eine Verknappung der Rohware beeinflusse nämlich im internationalen Geschäft zunehmend die Vertrags- und Liefertreue der Lieferanten und damit die Preise, erläuterte der BOGK.
 
Die Spekulationen würden zudem tendenziell die Wechselkursrisiken vergrößern und immer komplexere Importvorschriften die Rohstoffbeschaffung erschweren.

Ungünstige politische Rahmenbedingungen

Auch die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland sieht der BOGK kritisch. Die jährlich steigenden Energiepreise, vor allem für Strom, würden das Betriebsergebnis aller deutschen verarbeitenden Betriebe belasten; für die Gemüseerzeuger in Deutschland bedeute dies einen nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber Kollegen in anderen EU-Ländern. Zudem hätten die zu zahlenden Tariflöhne für die im Arbeitgeberverband organisierten Unternehmen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zwischen 2,5 Prozent und drei Prozent zugelegt.

Aufwendungen für Lebensmittelsicherheit steigen

Außertarifliche Lohnsteigerungen wie die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns sowie die zunehmenden Bürokratie- und Sozialversicherungsrisiken bei der Rekrutierung der Erntehelfer führten zu weiteren Kostenbelastungen, die sich gerade in arbeitsintensiven Gemüsekulturen wie den Gurken besonders negativ auswirkten. Allein die Anpassung an den angekündigten gesetzlichen Mindestlohn könne je nach Ausgangslage zu Zusatzkosten von bis zu 30 Prozent führen, erläuterte der BOGK. Nach seiner Einschätzung laufen auch die Kosten für die betrieblichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelsicherheit allmählich aus dem Ruder. So gestalte sich die branchentypische Zertifizierung nach dem International Featured Standard (IFS) jedes Jahr aufwendiger, weil ständig neue Anforderungen an die Unternehmen gestellt würden.

Grenze der Kostenbelastung erreicht

Zudem stiegen die Überwachungskosten aufgrund der Zunahme von separaten Audits für spezielle Zertifizierungen in der Landwirtschaft. Der BOGK sieht deshalb zusammenfassend die gesetzlichen Anforderungen und Kostenbelastungen an einer Grenze angelangt, an der weitere Steigerungen von den typischen mittelständischen Unternehmen der Branche nicht mehr verkraftet werden können. Unterm Strich folge daraus das reale Risiko, dass der Gurkenanbau und die -verarbeitung mittelfristig aus Deutschland in Länder mit preiswerteren Lohnstrukturen verlagert würden.
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