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Ernte abgemulcht

Preise zu niedrig: Landwirte zerstören aus Protest Erdbeerfelder

Die Ernte auf einem Erdbeerfeld im Sommer
Eva Eckinger
Eva Eckinger, agrarheute
am Freitag, 27.05.2022 - 10:21 (9 Kommentare)

Landwirte aus dem Münsterland zerstören aus Protest Erdbeerfelder. Der Grund: Sie sind wütend über die niedrigen Preise im Lebensmittelhandel.

Wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) berichtet, haben Erdbeerbauern im Münsterland in Nordrhein-Westfalen aus Protest ihre Ernte zerstört.

Der Grund: Sie leiden unter zu niedrigen Preisen im Lebensmittelhandel. Und da es sich einfach nicht mehr lohnen würde, ernten einige der Anbauer ihre Felder gar nicht mehr ab.

Billigpreise: Landwirte verdienen nichts mehr an Erdbeeren

Wie Andreas Rahmann aus Coesfeld dem WDR erzählt, mähe er aktuell ganze Reihen reifer Erdbeeren ab. Sein Plan für die Flächen: Maisanbau, damit der Acker dieses Jahr doch noch Geld einbringt. Es sei zum Weinen, die Arbeit eines Jahres oder sogar mehrerer Jahre zerstören zu müssen - und das ohne irgendeinen Nutzen. Rahmann möchte nicht, dass nur der Supermarkt noch Geld mit seinen Erdbeeren verdient, erklärt er gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk.

Der Handel kaufe lieber Billig-Erdbeeren im Ausland ein und biete minderwertige Ware dann im Discounter extrem günstig an. Dabei sei der Gewinn deutlich höher, so der Landwirt.

Landwirte tragen Risiko, Einzelhandel bekommt den Gewinn

Für eine 500 Gramm Schale Erdbeeren würde er aktuell knapp einen Euro und einen Cent vom Einzelhandel bekommen - damit zahle er drauf, berichtet Rahmann dem WDR. In der Direktvermarktung verkaufe er dieselbe Menge für 4,50 Euro. Damit könne er auch seinen rumänischen Erntehelfern gut den Mindestlohn zahlen und sie vernünftig unterbringen.

Als Landwirt trage man das gesamte Risiko - vom Wetter bis hin zur Situation in der Ukraine. Er verstehe daher nicht, warum die Preisspanne des Einzelhandels so groß sein soll und die der Landwirte so klein.

Landwirt will keine Supermärkte mehr beliefern

Die aktuelle Situation hatte sich bereits im letzten Jahr abgezeichnet. Daraufhin habe Rahmann bereits seine Anbauflächen verkleinert. In Zukunft wolle er die Supermärkte gar nicht mehr beliefern, erklärt er dem WDR.

Ein anderer Landwirt klagt gegenüber dem Rundfunk- und Fernsehsender, dass Erdbeerbauern im Ausland unter ganz anderen Bedingungen produzieren dürfen. Sie müssten nicht so strenge Auflagen erfüllen und die könnten viel preiswerter produzieren, ärgert er sich.

Mit Material von Westdeutscher Rundfunk (WDR)

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