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Umwelt

Professor kritisiert ARD-Sendung zu 'Pestiziden'

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Katharina Krenn, agrarheute
am
20.10.2015

Vor kurzem strahlte die ARD einen Beitrag zu Pflanzenschutz-Rückständen in Obst und Gemüse aus - mit schlechtem Ergebnis. Ein Professor der Uni Göttingen kritisiert die einseitige Berichterstattung in einem offenen Brief.

Anlass für den Brandbrief von Andreas Tiedemann, Professor für Pflanzenschutz an der Universität Göttingen, war ein Bericht des ARD-Wirtschaftsmagazins "plusminus". In dem Beitrag "Pestizide in unseren Nahrungsmitteln" gingen die Journalisten der Frage nach, wieviel Pflanzenschutz-Rückstände sich in Frischware befinden und wie gesundheitsschädlich diese sind. Das Problem laut Aussage von Experten: Eine Mischung verschiedener Pflanzenschutzmittel sei schädlicher als eine höhere Konzentration von nur einem Schadstoff.
 
Eine Laboruntersuchung von Obst- und Gemüse-Proben ergab: Johannisbeeren enthielten acht verschiedene Pflanzenschutzmittel, Weintrauben sogar zwölf, darunter krebsauslösende und hormonell wirkende Substanzen.
 

Brief kritisiert ARD-Beitrag

"Dass es keinen Qualitätsunterschied zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern gibt, hat das Beispiel der gestrigen PlusMinus-Sendung wieder einmal unter Beweis gestellt", leitet von Tiedemann seinen offenen Brief auf www.stallbesuch.de ein. Das sind seine Vorwürfe: 
  • Der Bericht besteht aus "blanken Spekulationen, wilden Assoziationen und Falschinformationen".
  • Die Journalisten stellen nicht die Frage, warum Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und was ihr Benefit ist.
  • Die Redakteure lassen sich von "interessensgeleiteten Experten wie Greenpeace" beraten.
  • Der Bericht enthalte Falschaussagen: "Es trifft nicht zu, dass es keine Grenzen für die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln gibt. Diese Menge ist genau in der Zulassung für jedes Mittel und jede Anwendungskultur festgelegt."
  • "Es trifft auch nicht zu, dass die EFSA für die Zulassung von "Pestiziden" zuständig ist, das sind nationale Zulassungsbehörden, die EFSA lässt nur die Wirkstoffe zu. Es trifft nicht zu, dass "immer mehr gespritzt" wird.
  • Wahr ist, dass die pro Hektar ausgebrachte Wirkstoffmenge seit 1990 erst stark zurückgegangen ist und seit 1995 weitgehend konstant bei 1,8 kg/ha liegt. In der gleichen Zeit ist die Zahl der zugelassenen Wirkstoffe von 280 auf unter 250 gesunken.
  • Zudem habe sich die Toxizität der Wirkstoffe geändert. "Diese ist dramatisch zurückgegangen, was man an den sog. SYNOPS-Indikatoren sehen kann. So sind heute über 96 % aller zugelassenen Wirkstoffe keiner Giftklasse mehr zugeordnet, das heißt, sie liegen toxikologisch im Bereich von Kochsalz oder besser."
 
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