Login
Politik EU

Proteste in Deutschland und Frankreich: Landwirte blockieren Grenze

© ah/youtube
von , am
27.07.2015

In Frankreich weiten sich die Proteste gegen schlechte Preise immer weiter aus und auch in Deutschland gibt es erste Demonstrationen. Verbände und Landwirtschaftskammern fordern europaweit Unterstützung.

 
Die Demonstrationen in Frankreich gehen weiter. Nachdem vergangene Woche Straßen und Touristenattraktionen versperrt wurden, weiten sich die Proteste nun zunehmend aus. Um Lastwagen mit Agrarprodukten aus Deutschland zu stoppen, haben Landwirte im Elsass am Sonntagabend die Grenze blockiert, wie die dpa berichtet.

Frankreich/Deutschland: Grenze mit Traktoren versperrt

Sie errichteten aus Protest gegen Wettbewerbsverzerrungen und sinkende Preise mit ihren Traktoren Barrikaden. Sechs Straßenverbindungen zwischen Deutschland und Frankreich, darunter fünf Brücken, wurden ab 22 Uhr von mehr als 1.000 Landwirten versperrt. Wie die dpa berichtet, soll die Aktion der regionalen Föderation der Bauerngewerkschaften (FDSEA) mindesten bis Montagnachmittag andauern.

Irische und deutsche Bauernpräsidenten fordern Unterstützung

Auch in Irland und Deutschland fordern die Bauernpräsidenten Unterstützung für Milchproduzenten. Sie haben sich am 24. Juli in Berlin zur aktuellen Lage im Agrarsektor ausgetauscht. In beiden Ländern stehen die wichtigsten Sektoren unter starkem wirtschaftlichen Druck.
 
Man ist sich einig: "Für unsere Landwirte ist es inakzeptabel, dass die wirtschaftlichen Folgen der politischen Krise zwischen Russland, Ukraine, EU und USA allein auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden."

EU soll finanzielle Mittel bereitstellen

 
Die Bauernpräsidenten forderten, dass die EU finanzielle Mittel zur Erschließung neuer Absatzmärkte und vor allem für die Überbrückung von Liquiditätsengpässen zur Verfügung stellt. Man einigte sich zudem auf gemeinsame Forderungen zur Weiterentwicklung der GAP nach 2020. Neben einer starken ersten Säule fordern beide Organisationen auch in der 2. Säule eine Stärkung der aktiven Landwirte.

Deutschland: AbL und BDM protestieren vor dem Deutschen Milchkontor

Auch in Deutschland kam es nun zu ersten Demonstrationen. Am Freitag zogen 25 Landwirte der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) mit einem Traktor vor die Geschäftsstelle des Deutschen Milchkontors (DMK).
 
Sie protestierten gegen die immer niedrigeren Auszahlungspreise. Man wolle damit die Verantwortlichen des DMK zum umgehenden Handeln auffordern und die Milchpreise anheben, so die AbL.

Österreich: Erzeugerpreis bei Milch in einem Jahr um 25 Prozent gesunken

 
Auch in Österreich wird die Lage prekär. "Binnen eines Jahres ist der Erzeugerpreis bei Milch in der EU und bedauerlicherweise auch in Österreich um 25% gesunken", erklärt der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes. Er meint: "Wie in anderen Sektoren tragen die Bauern die Kosten des Konflikts der EU mit Russland."
Auch interessant