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Tierhaltung

PROVIEH steigt aus Initiative Tierwohl aus

Logo der Organisation ProVieh, Ferkel
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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
24.10.2016

Die Tierschutzorganisation "ProVieh" verlässt die Initiative Tierwohl. Deren Geschäftsführer zeigt sich vom plötzlichen Richtungswechsel von ProVieh "irritiert".

Die Tierschutzorganisation ProVieh steigt aus der Initiative Tierwohl aus. "Unser Vorstand hat am Freitag beschlossen, dass wir mit sofortiger Wirkung aus dem Beraterausschuss der Initiative austreten", sagte Fachreferentin Angela Dinter der taz.die tageszeitung. Anlass seien die von Tierrechtlern aufgenommenen Videos von miserablen Haltungsbedingungen in Ställen, die die Initiative zertifiziert hat. Vorstandsmitglied Udo Hansen bestätigte die Angaben.

Der Deutsche Tierschutzbund hatte bereits Mitte September seinen Ausstieg erklärt. Auch er wollte die Initiative nicht mehr mit seinem Namen legitimieren. Wie zuvor der Tierschutzbund begründete auch Provieh seinen Ausstieg damit, dass die Kriterien der Initiative für die Tierhalter zu anspruchslos seien. "Nachdem der Tierschutzbund ausgestiegen war, haben wir noch einmal effektivere Pflichtkriterien verlangt. Wir haben auch mit unserem Ausstieg gedroht. Aber da ist rein gar nichts passiert", erklärt Dinter gegenüber der taz.

Die Vorschläge des Beraterausschusses sind unverbindlich, die Entscheidungen treffen die Gesellschafter der Initiative.

Deshalb steigt ProVieh aus

Vor allem kritisierte ProVieh, dass die Landwirte das Kriterium "Ständiger Zugang zu Raufutter" wie Stroh oder Heu durch andere Maßnahmen wie "zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial" ersetzen dürfen. "Wenn man da ein Stück Holz reinwirft, dann ist das organisches Beschäftigungsmaterial", erläuterte Dinter der taz. "Das Schwein beschäftigt sich damit aber nur 10 Minuten und dann findet es das todlangweilig. Das ist eine Alibigeschichte. Schweine brauchen Heu."

Es sei auch nicht nachweisbar, dass die Tiere ständig oder nur zum Zeitpunkt der bis zu 48 Stunden vorher angekündigten Kontrolle Zugang zu Raufutter hatten.

Weil die Initiative sich nicht weiterentwickle, sieht die Tierschützerin das Projekt als gescheitert an und fordert dessen Ende.

Initiative Tierwohl bedauert den Ausstieg

Die Initiative Tierwohl bedauert den Entschluss der Tierschutzorganisation ProVieh, den Beraterausschuss zu verlassen. Der Wandel zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft mit mehr Tierwohl geht nur Schritt für Schritt, heißt es in einem offiziellen Statement.

"Wir hätten uns gewünscht, dass ProVieh weiter aktiv an der Gestaltung der Initiative Tierwohl mitarbeitet und sich nicht aus der Verantwortung für einen machbaren Wandel zieht. Damit würden sie sich hinter die vielen tausend Landwirte stellen, die schon heute mehr Tierwohl in ihren Betrieben umsetzen", kommentiert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl.

"Uns irritiert der plötzliche Richtungswechsel von ProVieh. Noch vor kurzem haben wir gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Beraterausschusses, darunter auch ein Vorstandsmitglied von ProVieh, die Weiterentwicklung der Initiative erörtert. Dabei ging es unter anderem um die Ausgestaltung des Kriterienkatalogs und die strategische Ausrichtung sowie um die Berücksichtigung der Vorschläge von ProVieh."

Initiative Tierwohl: Umsetzbarkeit der Kriterien wichtig

Die Wirksamkeit der Tierwohlkriterien zu hinterfragen, sei für die Initiative Tierwohl nicht nachvollziehbar - sie lägen alle über den gesetzlichen Standards und wurden gemeinsam mit Praktikern aus Tiermedizin und Landwirtschaft sowie Wissenschaftlern entwickelt. Wichtig sei ihre Umsetzbarkeit für möglichst viele Betriebe. Mit rund 85 Millionen Euro pro Jahr trage die Initiative Tierwohl dazu bei, dass es in rund 3.200 Betrieben mit 12,9 Mio. Schweinen, 232 Mio. Hähnchen und 8,5 Mio. Puten mehr Tierwohl gebe.

Die jüngst veröffentlichten Tierschutzverstöße in einem einzelnen schweinehaltenden Betrieb seien für die Initiative Tierwohl nicht tolerierbar. "Wir haben unmittelbar mit einem Sonderaudit reagiert und den Betrieb ausgeschlossen. Wir nehmen den Vorfall zum Anlass, kurzfristig die Vorgaben und das Kontrollsystem der Initiative Tierwohl zu prüfen und anzupassen", erklärt Hinrichs. 

Die Initiative bezahlt derzeit 3.200 Landwirte dafür, dass sie Maßnahmen für mehr Tierschutz in der Schweine-, Masthuhn oder Putenhaltung umsetzen. 11 Einzelhändler zahlen dieses Jahr 85 Millionen Euro in den 2015 eingerichteten Fonds der Initiative.

Quelle: tageszeitung, Initiative Tierwohl

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