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Umwelt

PSM-Rückstände im Grundwasser: Zwei Seiten einer Studie

© Hardi
von , am
25.06.2015

Was sagt das Landvolk Niedersachsen zur Grundwasser-Untersuchung auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln? agrarheute.com hat nachgefragt.

"Die Ergebnisse zeigen, dass es in Niedersachsen keine flächendeckende Belastung des Grundwassers mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen gibt. An einigen Stellen muss man allerdings genauer hinsehen", sagt Hartmut Schlepps, Umweltreferent des Landvolk Niedersachsen gegenüber agrarheute.com.
 
Das Ergebnis einer Grundwasser-Untersuchung in Niedersachsen sorgt aktuell für Aufregung. Nach Interpretation des niedersächsischen Agrarministeriums wurden demnach im Zeitraum 2008 bis 2013 in über 50 Prozent der 1.180 Messstellen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer will nun das Pflanzenschutzgesetz verschärfen.
 
Landvolk-Experte Schlepps relativiert diese Einschätzung:
  • Bei 55 Prozent aller zwischen 2008 und 2013 ausgewerteten Grundwassermesstellen konnten selbst geringste PSM-Rückstände quantitativ nicht nachgewiesen werden. 
  • Bei den anderen 45 Prozent, das heißt bei 529 ausgewerteten Messstellen zeigen die festgestellten Spuren an Rückständen, dass die gesetzlichen Grenz- und Orientierungswerte fast immer deutlich unterschritten sind.
"Insofern ist die Darstellung des NLWKN, dass ein flächendeckendes Güteproblem besteht, nicht nachvollziehbar. Denn allein der analytische Nachweis einer chemischen Verbindung im Grundwasser sagt nichts über die Güte aus, sondern nur die festgestellte Konzentration eines solchen Rückstandes", erläutert Schlepps.

Auswaschung von PSM-Wirkstoffen auf den Prüfstand stellen

Aussagekräftiger findet Schlepps hingegen das Ergebnis, dass an 1.110 von insgesamt 1.180 beprobten Messstellen entweder keine derartigen Rückstände festgestellt wurden oder die höchste Jahressumme aller analytisch bestimmten Wirkstoffrückstände an der Messtelle unter dem gesetzlichen Grenzwert für den Einzelwirkstoffe von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) lag. Nur an zehn Messstellen (0,8 %) wurde der gesetzliche Summengrenzwert von 0,5 µg/l überschritten. Für das Landvolk ist das ein Beleg dafür, dass in der Regel keine problematische Auswaschung von PSM-Wirkstoffen in das Grundwasser zu befürchten ist.
 
An den 70 Messstellen, an denen die Konzentration von Wirkstoffrückständen die Summe von 0,1 µg/l überschritten wurde, müsse jetzt genau geprüft werden wo die Gründe liegen um diese Überschreitungen abzustellen. "Wichtig ist dabei, die Fließzeiten des Grundwassers bis zur Messstelle zu ermitteln, was heute technisch anhaltsmäßig möglich ist, um zum Beispiel Ursachen für Rückstände von nicht mehr zugelassenen Wirkstoffen zu analysieren", sagt Schlepps. Brächten Reduzierungen keine Besserung müsse auch über das aus dem Markt nehmen von bestimmten Mitteln und Wirkstoffen diskutiert werden.

Streitpunkt "nicht relevante Mataboliten"

Zu den laut Niedersächsischen Agrarministerium ins Feld geführten 498 Nachweisen von "nicht relevanten Metaboliten" erklärt Schlepps: "Der schnelle Abbau von Pflanzenschutzmitteln in der Pflanze und im Boden ist Grundvoraussetzung, dass ein Wirkstoff überhaupt behördlich zugelassen wird. Wirkstoffe, die diese Eigenschaften nicht aufweisen, werden zukünftig nicht mehr zugelassen beziehungsweise sind nur in Sondersituation verfügbar, wie schwermetallhaltige Mittel im Ökolandbau (Kupfer). Die logische Konsequenz des natürlichen Abbaus durch biologische und physikalische Effekte ist die Entstehung von Zwischenprodukten, so genannten Metaboliten."
 
Würden diese Metabolite bis zum weiteren vollständigen Abbau nicht an Bodenpartikel wie Tonteilchen oder Humus gebunden, können sie über das Sickerwasser in das Grundwasser gelangen. "Metabolite, die anders als der Wirkstoff selbst keine ökotoxikologische Wirkung mehr haben, gelten nach den gesetzlichen Vorgaben als "nicht relevant"", führt Schlepps aus. Dennoch unterstütze das Landvolk den bevorzugten Einsatz von Wirkstoffen, bei denen auch die nicht relevanten Metabolite möglichst vollständig im Boden abgebaut und nicht ausgewaschen werden. Eine Nulltoleranz sei dabei jedoch nicht möglich und hinsichtlich des nicht vorhandenen Gefährdungspotenzials auch nicht zu begründen.
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