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Urteil

Putenstall-Einbruch: Bewährungsstrafe für Tierschutz-Aktivisten

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Eva Eckinger, agrarheute
am
26.04.2016

Im Verfahren gegen Tierschutz-Aktivisten, die im vergangenen Jahr in einen Putenstall eingebrochen waren, hat das Haller Amtsgericht nun ein Urteil gesprochen.

Im Mai 2015 waren drei Tierschutz-Aktivisten in einen Putenmastbetrieb im baden-württembergischen Ruppertshofen eingebrochen. agrarheute berichtete über den Vorfall. Nun habe das Amtsgericht Schwäbisch-Hall ein Urteil gesprochen, wie das Haller Tagblatt berichtet.

Einbruch in Putenmast-Betrieb

Wie agrarheute damals berichtete seien die Aktivisten damals nachts in den Betrieb eingebrochen, um die dortigen Zustände zu filmen. Der Landwirt habe das bemerkt und es soll zum Handgemenge mit dem Hauptangeklagten gekommen sein. Einer der Aktivisten hätte ihn bis ins Wohnhaus gejagt. Dort sei es dem Landwirtsehepaar gelungen, den Angreifer einzusperren. Sie verständigten umgehend die Polizei, wie das Polizeipräsidium Aalen damals mitteilte. Ein verletzter Landwirt und 250 tote Puten waren das Resultat dieser Aktion.

Kein Freispruch für den Angeklagten

Nun also soll das Urteil des Haller Amtsgerichts gefallen sein. Das Gericht habe sich nicht für Freispruch entschieden. Der Angeklagte, laut Haller Tagblatt ein promovierter Dozent an der Uni Tübingen, erhalte sechs Monate und zwei Wochen auf Bewährung.

Zudem müsse er 3.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Die Anwältin des Aktivisten hätte auf Freispruch plädiert, so die Zeitung.

Keine Einschränkung des Hausrechts zugunsten von Tieren

Bei ihrer Argumentation soll sie unter anderem Paragraph 34 des Strafgesetzbuches "Rechtfertigender Notstand" angeführt haben. Die Aktivisten hätten also einen Hausfriedensbruch in Kauf nehmen dürfen, weil sie gewusst hätten, dass sich im Stall gequälte Puten befinden.

Eine Einschränkung des Hausrechts zugunsten von Tieren komme aber nicht in Betracht, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Geldstrafen für Mitangeklagte

Die beiden Mitangeklagten, eine Studentin und ein Student aus Tübingen, seien zu geringen Geldstrafen verurteilt worden. Die Anwälte der Aktivisten soll scharfe Kritik geübt haben und unmittelbar nach der Verhandlung angekündigt haben, gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen zu wollen, so das Haller Tagblatt.

Erleichterung bei Verbänden und Familie

Der Hamburger Anwalt der geschädigten Putenzüchter-Familie habe sich erleichtert gezeigt. Auch der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) sieht darin ein "deutliches Zeichen für gesamte Tierrechts-Szene", dass das Eindringen von Aktivisten in Ställe zur Beschaffung von Video-Aufnahmen einen strafbaren Hausfriedensbruch darstellt und im Rechtsstaat auch als solcher bestraft wird.

'Grenzen des Zumutbaren überschritten'

"Durch diese gerichtliche Entscheidung sehen wir uns in unserer Auffassung bestätigt, dass das nächtliche Eindringen in Ställe durch nichts zu rechtfertigen ist", sagt Thomas Storck, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Putenerzeuger (VDP) und Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Dieses Urteil mache aber einmal mehr deutlich, dass die Grenzen des Zumutbaren überschritten sind, wenn Aktivisten in Ställe eindringen, so Storck weiter.

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