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Wirtschaft

QS feiert zehnjähriges Jubiläum

AgE
am
24.05.2011

Frankfurt - QS sei "eine wirkliche Erfolgsstory", erklärte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Franz-Josef Möllers, bei der Jahrespressekonferenz.

Auch im zehnten Jahr ihres Bestehens arbeitet die Qualität und Sicherheit GmbH (QS) daran, für alle Wertschöpfungsketten der Lebensmittelbranche das Muster für eine umfassende Qualitätssicherung zu sein. Gemessen an den Erwartungen zum Zeitpunkt ihrer Gründung nach der Krise um die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) im Oktober 2001 sei QS "eine wirkliche Erfolgsstory", erklärte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Franz-Josef Möllers, in seiner Funktion als Vorsitzender des QS‑Fachbeirats Rind- und Kalbfleisch am vergangenen Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt.
 
Mit QS habe die Wirtschaft ohne staatliche Gängelung ein Qualitätssicherungssystem geschaffen, das glaubwürdig sei und eine hohe Mitmachquote aufweise. Mittlerweile sei bei Schweine- und Geflügelfleisch ein Marktdurchdringungsgrad von mehr als 90 % ereicht; beim Rindfleisch seien es derzeit 70 %, und das mit steigender Tendenz. Auf diesem Erfolg wolle man sich aber nicht ausruhen, so Möllers. QS werde weiter daran arbeiten, die Mitmachquote in einigen Bereichen zu verbessern und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.
 
Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff hob hervor, dass QS vor allem im Rinderbereich und bei der internationalen Beteiligung stark zugelegt habe; auch der Erfüllungsgrad sei stark angestiegen. In den letzten Jahren sei es gelungen, Lücken in der Wertschöpfungskette zu schließen und die Marktpräsenz auf den einzelnen Stufen und im Lebensmitteleinzelhandel deutlich auszubauen. Allerdings sei Größe für QS nicht der wesentliche Maßstab, stellte Nienhoff klar. Ohne die entsprechende Größe könne man jedoch die eigenen Ansprüche nicht erfüllen. Erklärtes Ziel sei es, mit dem QS-Prüfzeichen vom Verbraucher als verlässliches Einkaufskriterium wahrgenommen zu werden.

Verstärkt Public Relations betreiben

Möller wies darauf hin, dass QS auch eine koordinierende Funktion übernehme und "weiche Themen" anpacke, die in der Gesellschaft kritisch diskutiert würden. Dabei handelt es sich beispielsweise um Fragen zur Ferkelkastration oder die Klärung des Begriffs Nachhaltigkeit. Außerdem trete QS als Diskussionsplattform für die Gentechnik auf. Ziel für QS sollte es sein, die eigene Arbeit stärker wissenschaftlich begleiten zu lassen. So könne man signalisieren, dass man "weiche Themen" lösen könne und für kritische Diskussionen bereit sei. "QS funktioniert nur dann, wenn alle Systempartner mitziehen", unterstrich Möllers. Daher gelte es, die Kommunikation über die gesamte Kette hinweg zu verbessern und auch verstärkt Public Relations zu betreiben.
 
Wichtig sei es, noch intensiver Problemstellungen auf den einzelnen Stufen zu diskutieren. Enttäuscht zeigte sich der Fachbeiratsvorsitzende, dass es an dieser Stelle "noch nicht vorangeht". Zugleich machte er deutlich, dass der Bereich Kommunikation für QS zwar wichtig, aber nicht prioritär sei; den höchsten Stellenwert habe immer noch die Qualitätssicherung. Möllers sprach sich gegen eine engere Zusammenarbeit von QS mit staatlichen Kontrollstellen aus. Schon heute übernehme QS bereits über die Prüfkriterien viele staatliche Aufgaben, dies aber mit großer Unabhängigkeit. Es sei gut, wenn der Staat die so gewonnenen Ergebnisse nutzen wolle, doch als System der Wirtschaft müsse QS auf jeden Fall unabhängig bleiben.

Einstieg in Social Media

Auch Nienhoff unterstrich die Notwendigkeit, die Kommunikation von QS zum Verbraucher und zu den Systempartnern zu verbessern. Mit Blick auf die Dioxinkrise räumte er ein, dass es nicht immer gelungen sei, "alles rüberzubringen". Diesbezüglich bestehe sicherlich noch Handlungsbedarf. Als Reaktion auf Krisenereignisse steige QS jetzt auch in Social Media ein, so etwa - wie kürzlich geschehen - bei Twitter. Gerade im Krisenfall könne man über diesen Weg sehr schnell reagieren. Generell gelte es, das Krisenmanagement zu verbessern und noch klarer, schneller und umfassender die Kette "Ursache-Wirkung" darzustellen. Hier wolle man zum Jubiläum einiges bewegen.
 
Nach den Worten des Geschäftsführers fungiert QS auch als Koordinierungsplattform für die Diskussion um den Verzicht auf die Ferkelkastration. Hier habe QS eine ganz klare Position und unterstütze die Bemühungen, die Kastration aufzugeben. Erklärter Wille sei es, eine Jungebermast zu betreiben. Dazu müsse jedoch noch einiges weiterentwickelt werden. Dazu stehe QS bereit, auch dafür, die Anstrengungen der Wirtschaft in dieser Frage zu koordinieren. Hier gebe es eine breite Unterstützung von Seiten der Bundesregierung und von den Tierhaltern.

Anzahl der Prüfkriterien erhöht

Auf der Jahrespressekonferenz wurde von QS der "Bericht 2010 - Ausblick 2011" vorgestellt. Demnach gehören dem System derzeit mehr als 133 000 Partner aus 30 Ländern an. In den zehn Jahren des Bestehens wurden die kompletten Produktions- und Vermarktungsprozesse - vom Landwirt bis zur Ladentheke - in das QS-System integriert. Seit 2004 wird die Systemkette Obst, Gemüse und Kartoffeln ausgebaut. Im vergangenen Jahr fanden im Rahmen der unabhängigen Kontrollen insgesamt 42 000 unabhängige Audits in den Betrieben statt. Entlang der gesamten Systemkette für Fleisch und Fleischwaren werden im QS-System die Teilnehmer auf 947 Anforderungen hin überprüft. Aktuell sind knapp 56 000 Schweinehalter, 31 000 Rinderhalter und mehr als 3 700 Geflügelhalter dem QS-System angegliedert. Im Bereich Obst und Gemüse sind es 9 100 Erzeuger und weitere 2 600 Kartoffelproduzenten. Während die Systempartner heute insgesamt besser abschneiden als vor fünf Jahren, hat sich gleichzeitig die Anzahl der Prüfkriterien in diesem Zeitraum - beispielsweise in der Schweinehaltung - von 32 auf 41 erhöht.
 
Laut Bericht liegt für die Fachgesellschaft Obst, Gemüse, Kartoffeln die größte Herausforderung im weiteren Ausbau der QS-geprüften Ware. Wachstum mit Augenmaß strebt QS hier gerade mit Blick auf den stark international geprägten Markt an und arbeitet - um eine ganzjährige Warenverfügbarkeit von Produkten mit dem Prüfzeichen sicherzustellen - mit Systempartnern aus dem Ausland zusammen. Auf Erzeugerebene kommen derzeit 31 % der Systempartner aus dem europäischen Ausland, insbesondere aus Holland und Belgien; beim Großhandel sind es 22 %.
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