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Wirtschaft

Rabobank erwartet sinkende Weltmarktpreise für Getreide und Soja

AgE
am
16.01.2014

Utrecht - Auf den internationalen Getreide- und Ölsaatenmärkten sind 2014 prozentual im Jahresdurchschnitt gesehen erneut teils zweistellige Preisabschläge zu erwarten.

Davon geht die Rabobank in einer aktuellen Prognose zu diesen Agrarmärkten aus. In der vergangenen Dekade spielte den Utrechter Analysten zufolge auch die rasant steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen mit durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten von rund 25 Prozent eine wichtige Rolle bei der Preisbildung. Nun allerdings sehen sie den Bedarf an Rohstoffen für diesen Verwendungszweck vor dem Zenit und beobachten hier teilweise bereits einen Rückgang.
 
Als Ursachen für diese Entwicklung nennt das Finanzinstitut unter anderem das Nachlassen der politischen Unterstützung für Biokraftstoffe. Als einen immer wichtigeren Einflussfaktor für die Entwicklung der Weizen-, Mais- und Sojabohnenpreise identifizieren die Utrechter Fachleute dagegen den Umfang der chinesischen Importe, die auch in diesem Jahr zunehmen könnten, sollte es nicht zu einer Abkühlung des Wirtschaftswachstums in der Volksrepublik kommen. Je nach Produkt und Marktumfeld erwarten die Analysten für 2014 Preisschwankungen in unterschiedlichem Ausmaß.

Weizenpreis wahrscheinlich ab April seitwärts

Wie die Bank mit Blick auf den Weizenmarkt weiter ausführt, ist im laufenden Kalenderjahr unter der Voraussetzung normaler Witterungsbedingungen mit einer stabilen Preisentwicklung innerhalb einer engen Spanne zu rechnen. Der erwartete Jahresdurchschnittspreis von 6,41 $/bu (173 Euro je Tonne) liegt um sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dabei wird für das erste Quartal ein Weizenpreis von 6,65 $/bu (179 Euro je Tonne) vorhergesagt, der sich in den weiteren Monaten auf dem dann niedrigeren Niveau von 6,40 $/bu (173 Euro je Tonne) seitwärts bewegen soll. Zunächst sei mit einer Verknappung der Bestände vor allem in den wichtigsten Exportländern zu rechnen, so die Rabobank. Die anschließend erwartete Verbilligung sei die Folge einer nachlassenden Nachfrage, da Weizen voraussichtlich durch den reichlich vorhandenen und somit deutlich günstigeren Mais im Futtertrog ersetzt werde.

Chinas Importe immer wichtiger für die Märkte

Die globale Weizenernte 2014/15 wird von der Rabobank bei 687 Millionen Tonnen gesehen; das Minus von drei Prozent gegenüber der Schätzung für die aktuelle Saison ergebe sich aus einem global kleineren Anbauareal, womit die Landwirte auf den kräftigen Preisrutsch von rund 20 Prozent im Jahr 2013 reagiert hätten.
 
Gleichzeitig sei mit einer deutlichen Abschwächung der chinesischen Weizenimporte auf nur noch 4,5 Millionen Tonnen im laufenden Jahr zu rechnen. Das "Reich der Mitte" habe 2013 wegen Qualitätsproblemen bei der eigenen Ernte die Rekordmenge von mehr als 9,5 Millionen Tonnen Weizen vor allem aus Kanada, Australien und den USA eingeführt und damit sogar Ägypten - bis dahin die Nummer eins unter der Weltrangliste der Importeure - übertroffen. Unter der Voraussetzung, dass China nicht erneut mit Qualitätsproblemen zu kämpfen habe, seien diesmal extrem hohe Einfuhren der Volksrepublik unwahrscheinlich.

Mais deutlich billiger als Soja und Weizen

Hinsichtlich des Maispreises erwarten die Utrechter Experten für 2014 nur etwas mehr Bewegung als beim Weizenpreis; sie sehen die Notierungen in einer Bandbreite von 4,10 $/bu (119 Euro je Tonne) bis 4,30 $/bu (124 Euro je Tonne). Im Vergleich zu 2013 sei allerdings unter dem Strich mit einem Rückgang von 27 Prozent auf nur noch durchschnittlich 4,23 $/bu (122 Euro je Tonne) zu rechnen. Ursache für diesen Abschlag sei die voraussichtlich sehr umfangreiche Welternte 2013/14 und vor allem die US-Rekordproduktion. Deshalb dürften die Lagerbestände in den Vereinigten Staaten zum Abschluss der laufenden Kampagne mit 45 Millionen Tonnen relativ hoch ausfallen, so dass sich die globalen Endbestände 2013/14 nach den Erwartungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) im Vergleich zum Vorjahr um 28 Millionen Tonnen auf 162 Millionen Tonnen erhöhen dürften. Diese Menge würde 17,4 Prozent des voraussichtlichen Verbrauchs decken, womit sich die komfortabelste Versorgungslage der vergangenen drei Jahre ergeben würde. Indes seien die Preisverhältnisse von Weizen zu Mais mit 1,6 sowie von Sojabohnen zu Mais mit 3,0 mittlerweile relativ beziehungsweise extrem hoch, stellt die Rabobank fest. Dies könnte sich bald ändern, denn die in Südamerika anstehenden Sojabohnen- und Weizenernten dürften aktuellen Prognosen zufolge sehr umfangreich ausfallen. Ausgehend von diesem "bärischen" Szenario sei als Folge von Substitutionseffekten aber auch weiterer Preisdruck bei Mais zu erwarten.

Chinesischer Maisbedarf schwer abschätzbar

Als einen großen Unsicherheitsfaktor im Hinblick auf die Entwicklung des internationalen Maismarktes machen die Utrechter Experten die Importe Chinas aus. Im laufenden Jahr böten die niedrigen Preise dem bevölkerungsreichen Land eine günstige Gelegenheit, strategische Reserven bei diesem Produkt aufzubauen, um sich gegen potentielle Preissteigerungen in der Zukunft abzusichern. Andere Marktexperten veranschlagten die mögliche Nachfrage der Volksrepublik allein zur Aufstockung der nationalen Maisbestände auf fast 30 Millionen Tonnen, so dass sich die geschätzte aktuelle Lagermenge ungefähr verdoppeln würde. Nach Ansicht der Rabobank ist jedoch unsicher, inwieweit die Chinesen hierbei auf Importe angewiesen sind. Indes seien die vom USDA für 2013/14 prognostizierten chinesischen Maiseinfuhren von rund sieben Millionen Tonnen als sehr niedrig einzuschätzen. Eine solche Nachfrage könnte die Maispreise aber auf dem Niveau von vier $/bu (116 Euro je Tonne) unterstützen. Sollte die Volksrepublik allerdings deutlich weniger als sieben Millionen Tonnen Mais einführen, könnten die Maispreise auf 3,70 $/bu (107 Euro je Tonne) abrutschen.

Voraussichtlich Angebotsüberschuss an Sojabohnen

Für Sojabohnen ist die Preisprognose 2014 der Banker zwar weniger "bärisch" als für Mais; das Institut erwartet aber gegenüber dem durchschnittlichen Vorjahrespreis immerhin einen Rückgang von 16 Prozent auf 11,75 $/bu (317 Euro je Tonne). Für das erste Quartal wird dabei ein Preis von 13,00 $/bu (351 Euro je Tonne) erwartet; bis zum vierten Quartal sollen die Sojapreise auf 10,70 $/t (289 Euro je Tonne) im Mittel sinken, wobei mit einer deutlich größeren Volatilität im Prognosezeitraum als bei Weizen und Mais gerechnet wird. Das Finanzinstitut begründet seine pessimistische Vorhersage mit der in Südamerika anstehenden Rekordernte von voraussichtlich 149 Millionen Tonnen und einer Welternte von wahrscheinlich 283 Millionen Tonnen. Damit würde die globale Sojabohnenerzeugung der Rabobank zufolge die Nachfrage um fast 15 Millionen Tonnen übertreffen, so dass die Lagerbestände auf insgesamt 75 Millionen Tonnen aufgestockt werden könnten. Demnach beliefe sich die entsprechende Relation der Vorräte zur erwarteten Nachfrage auf 29 Prozent. Diese Kennzahlhöhe lässt nach Angaben der Utrechter Analysten auf eine deutlich verbesserte Versorgungslage schließen, so dass die Preise für Sojabohnen weiter unter Druck bleiben dürften.

"Gauchos" wahrscheinlich wieder zurückhaltend

Wie bei Mais sieht das niederländische Finanzinstitut auch bei den Sojabohnen die weitere Entwicklung der Importe Chinas als wesentlichen Faktor für die Preisentwicklung. Den Utrechter Experten zufolge ist die dortige Erzeugung 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf 11,5 Millionen Tonnen gesunken. Entsprechend niedrig sehen sie die Sojavorräte der Volksrepublik und prognostizieren Einfuhren für die Saison 2013/14 von 69,5 Millionen Tonnen, womit die Vorjahresmenge um 16 Prozent übertroffen würde. Die Fachleute verweisen dabei auf die besonders umfangreichen Importe im Oktober und November 2013, die sich auf US-Ware konzentrierten und dort die Preise stützten. Allerdings rechnet die Bank damit, dass sich das Interesse der Chinesen schon im laufenden Quartal auf südamerikanische Ware verlagern wird, was für Preisdruck am US-Markt sorgen dürfte. Die Experten schließen aber nicht aus, dass logistische Probleme bei der Verschiffung brasilianischer Ware und eine zurückhaltende Abgabebereitschaft der argentinischen Landwirte die Preise während der dortigen Ernte wie schon 2013 stützen könnten.
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