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Brauchtum

Die Rauhnächte sind da: Was Sie jetzt tun und lassen sollten

Rauhnacht
am Sonntag, 25.12.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Zeit zwischen den Jahren hat im Volksglauben eine große Bedeutung. Es sind die Nächte in denen Aberglauben und Gebote für den Alltag ein Tänzchen wagen.

Die Zeit zwischen den Jahren ist für viele Menschen etwas Besonderes. Wenn sie nicht gerade Tiere versorgen, die Biogasanlage am Laufen halten oder im Winterdienst aushelfen, tröpfelt ein wenig Magie in ihren Alltag. Weihnachten, Kerzen, Beisammensein, aber auch dunkle Stunden und Kälte prägen die Zeit. Rauhnächte nennt sie der Volksmund. Wobei die Zahl der Nächte variiert. Mal sind es 12, mal 13, mitunter sogar nur 3 oder 4. Je nach Gegend. Aber alle Überlieferungen sind sich einig: Die Rauhnächte dienen des Innehaltens.

Landwirte können das Wetter des nächsten Jahres erkennen

Gehen wir einmal von 12 Rauhnächten aus. Die beginnen am 25. Dezember und enden Schlag 6. Januar. Die einzelnen Tage sollen beispielsweise einen Hinweis geben, wie das Wetter die nächsten 12 Monate wird. Also der 25. verrät den Januar, der 26. den Februar und so weiter und so fort. Aber - Achtung: Spoiler - man sollte nicht seine ganze Jahresplanung auf die Rauhnächte stützen.

Dazu gehört auch das Zwiebelorakel, was gern in dieser Zeit befragt wird; eine Zwiebel in ihre 12 Zwiebelschalen teilen. Mit Salz bestreuen und am nächsten Morgen schauen. Ist viel Wasser in der Schale, gibt es im entsprechenden Monat viel Regen. Nett, allerdings ist auch hier die Wissenschaft eher Zaungast. Eine Verbindung zwischen Rauhnächten oder Zwiebelschalen mit dem Wetter gibt es nicht.

Vor den Rauhnächten gab es die Rauchnächte

Aber so ist das mit dem Aberglauben. Im besten Fall bleibt eine nette Tradition erhalten. So wie das Räuchern. „Rauhnächte“ lassen sich auf „Rauchnächte“ zurückführen. Schon in alter Zeit war es üblich, mit Rauch böse Geister zu vertreiben. Man trug Rauchwaren, etwa Weihrauch und Wacholder, durch die Zimmer des Hauses und durch den Stall. Etwaige Dämonen bekamen einen Hustenanfall und suchten das Weite. Wer es auf die Spitze treiben will, verbrennt jeden Tag eine andere Mischung und nimmt sich etwas Besonderes vor. Auch das ist natürlich Humbug. Aber auch wieder nicht, denn dienen solche Rituale eben dazu, wenigstens einmal im Jahr zur Ruhe zu kommen.

Warum man in Rauhnächten keine Wäsche waschen sollte

Wahrscheinlich dient auch das Gebot keine Wäsche in dem Zeitraum zu waschen irgendwie dazu. Die Warnung lautete, dass umherziehende böse Geister sich in der Wäsche verfangen könnten. Wahrscheinlich solche, die zudem extrem sauer sind, weil man sie vorher ausgeräuchert hatte.

Gerade im Alpenraum klingt das mit den sogenannten Perchten nach. Das sind schaurige Gestalten, die auch heute noch in der Zeit um die Häuser ziehen. Zu den Dingen, die man in der Zeit unterlassen sollte, zählen übrigens auch das Kartenspiel. Stattdessen soll man sich lieber dem Fasten und Gebet hingeben. Und natürlich dem Orakeln; Bleigießen ist so eine Form, die an Silvester wunderbar zwischen Raclette und knallende Sektkorken passt.

Warum es die 12 Rauhnächte gibt

Dass Menschen die Zeit zwischen den Jahren als etwas Besonderes empfinden, ist eine uralte Sache und findet sich in vielen Kulturen und Regionen. Zum einen war es im Winter lange dunkel, Licht und Netflix fehlten und die Menschen mussten sich mit sich selbst, Märchen und Sagen beschäftigen. Kein Wunder, dass sich auch Geister dazu gesellten. Die Zahl 12 geht zurück auf den Mondkalender. Denn das Mondjahr, wie es etwa in Germanien gerechnet wurde, hat nur 354 Tage. Zwölf Nächte stehen damit quasi frei im Raum.

Service-Tipp: Im Stall die Ohren verschließen

Auch wenn es natürlich nur ein Aberglauben ist - sicherheitshalber kann man sich ja mal daran halten. Denn in den Rauhnächten sollen die Tiere im Stall in der Lage sein, menschlich zu sprechen. Wäre natürlich nett, mal zu hören, was Kühe oder Schweine so zu sagen haben. Allerdings stirbt jeder, der die Tiere in diesen Nächten versteht. Schade eigentlich.

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