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Brasilien

Der Regenwald brennt: Ist die Landwirtschaft schuld?

Amazonas-Feuer
am
22.08.2019
(2 Kommentare)

In Brasilien stehen große Teile des Regenwalds in Flammen. Zunehmende illegale Brandrodungen von Landwirten sollen der Grund sein.

Die grüne Lunge der Erde brennt. Große Flächen des Amazonasregenwalds stehen in Brasilien in Flammen. Das brasilianische Raumfahrtforschungszentrum Inpe teilte mit, dass die Zahl der Waldbrände insgesamt deutlich zugenommen hat. Allein in diesem Jahr gab es bereits 72.843 Waldbrände in Brasilien – das sind 83 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und die meisten seit Beginn der Waldbrandaufzeichnungen 2013. Allein seit vergangenen Donnerstag seien 9.507 neue Waldbrände ausgebrochen. In einzelnen Regionen wurde der Notstand ausgerufen.

Landwirte legen Feuer

In Verdacht steht unter anderem die Landwirtschaft. Einige Landwirte sollen bewusst Feuer gelegt haben, um illegal Flächen für die Viehzucht zu gewinnen. Zuletzt hatten Großgrundbesitzer und Farmer im Bundesstaat Pará einen Tag des Feuers ausgerufen. In einer koordinierten Aktion haben sie große Flächen in Brand gesteckt. „Um unsere Weiden anzulegen und zu säubern, legen wir Feuer“, zitiert die Lokalzeitung Folha do Progresso.

Regenwald-Rodung für Ackerbau und Viehzucht

Feuer-Amazonas

Die Zerstörung des Amazonasregenwalds hat sich stark beschleunigt, seit Präsident Jair Bolsonaro im Januar sein Amt angetreten ist. Er leugnet den Klimawandel, gilt als exportorientiert und braucht Flächen für den Anbau von Soja sowie die Rinderzucht. Den Regenwald hat er zum Rohstoffabbau freigegeben. Nach Angaben von Inpe wurden im Juni 88 Prozent und im Juli 278 Prozent mehr Fläche abgeholzt als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juli wurden somit 225.400 ha Regenwald gerodet. Das beschleunigt die Ausweitung der Waldbrände zusätzlich. Das Feuer greift von den offenen Flächen auf noch intakte Waldgebiete über.

Bolsonaro beschuldigt Umweltorganisationen

Bolsonaro selbst verweist zum einen auf die Trockenperiode, in der es in Brasilien regelmäßig zu Waldbränden kommt. Laut der Weltraumbehörde Inpe könne die Mehrheit der Waldbrände jedoch nicht allein auf die Trockenheit zurückgeführt werden. Zum anderen beschuldigt der Präsident Umweltorganisationen, Feuer gelegt zu haben, um sich für die Kürzung von Zuschüssen zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren, sagte er am Mittwoch. Diese Umweltschutzvorwürfe weisen die Organisationen entschieden zurück. Für sie ist Bolsonaro der eigentliche Brandstifter. „Diejenigen, die den Amazonas abholzen und zerstören, werden durch die Reden und die Aktionen der Regierung von Bolsonaro ermutigt, die seit ihrem Amtsantritt die Umweltpolitik des Landes wirklich demontiert hat“, sagt Danicley Aguiar vom Amazonas-Programm von Greenpeace.

Kein Ende der Regenwald-Feuer in Sicht

Ob sich die Lage bald bessert, ist fraglich. Die Trockenzeit hat gerade erst begonnen, zusätzlich leidet die Region unter Dürre. Im August und September werden unterdurchschnittliche Niederschläge im Amazonasgebiet erwartet. Weil es in der Region nur wenige Straßen gibt und sich die Einsatzkräfte mit Booten auf Flüssen bewegen müssen, gestalten sich die Löscharbeiten schwierig. Zudem gibt es unterirdische Feuer, die lange unentdeckt bleiben.

Mit Material von Zeit.de, morgenpost.de, dpa
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