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Wirtschaft

Regional erzeugen, fair handeln

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
26.10.2013

Berlin - "Regionale Erzeugung, globaler Handel?" Zu diesem Thema lud die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) im Rahmen des 16. Berliner Gesprächs ein.

In der Vertretung des Landes Hessen beim Bund diskutierten am 22. Oktober mehr als 140 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden über Absatzchancen am Agrarstandort Deutschland. Staatssekretär Dr. Robert Kloos wies in seinem Eingangsvortrag auf das im Rahmen der Grünen Woche ins Leben gerufene Regionalfenster hin. In dem Vermarktungslabel sieht Kloos Möglichkeiten für Landwirte und den Handel, den regionalen Absatz unter gesicherten Bedingungen auszubauen. Höhere Kosten, die beispielsweise durch das "mehr an Tierwohl" entstünden, müssten an die Verbraucher kommuniziert werden, dass die Landwirte auch an der Ladentheke dafür entlohnt würden. Die Rückmeldungen von Seiten des Handels seien aussichtsreich, im Rahmen der nächsten Grünen Woche gingen vermehrt Produktlinien an den Start.

"Pole Position" im internationalen Wettbewerb

Im internationalen Wettbewerb nimmt die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft nach Ansicht Kloos eine "Pole Position" in Fragen von Qualität, Wettbewerbsfähigkeit und Transparenz ein. Im globalen Wettbewerb belegen deutsche Agrarexporte mittlerweile den dritten Platz. Käse, Butter, Fleisch - Lebensmittel "Made in Germany" sind im Ausland aufgrund ihrer Qualität gefragt. Aktuell wurde im ersten Halbjahr 2013 mit 31 Milliarden Euro erneut ein neuer Rekordwert erzielt.
Diese Entwicklung fand ohne die 2005 abgeschafften Exportbeihilfen statt. Zielmärkte seien neben den EU-Mitgliedsstaaten vor allem kaufkräftige Wachstumsmärkte wie China und Russland. Nach Sicht von Kloos bestünden beim Thema Agrarexporte oftmals noch überholte Vorurteile. Ebenso verhalte es sich beim Thema Überproduktion bei der Milch. "Das ist verankert in den Köpfen der Leute. Diese Vorurteile sind schwer herauszubekommen", sagte Kloos. "Seit 2005 gibt es keine Exporterstattungen mehr, vorher hätte dieses Argument gelten können. Wenn heute Weizen aus der EU von afrikanischen Ländern wie Südafrika oder Nigeria nachgefragt wird, ist es von staatlicher Seite," pflichtete dem Christof Buchholz vom Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse in der anschließenden Podiumsdiskussion bei.

"Made in Germany" genießt hohe Reputation

"Die deutschen Landwirte produzieren mit hoher Kompetenz qualitativ hochwertige Produkte, die heutzutage nicht nur regional, national oder europäisch nachgefragt werden. Die Herkunft "Made in Germany" steht besonders bei den Produkten der Land- und Ernährungswirtschaft im globalen Handel für allerhöchste Qualität," betonte DBV-Präsident Joachim Rukwied. Aufgabe sei es nun, die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors noch weiter zu verbessern. Dafür brauche die Branche zuverlässige Rahmenbedingungen, auch im Hinblick auf die GAP-Reform.
 
Matthias Meißner vom WWF Deutschland steht einem weiteren Ausbau der Produktion für den Export und der damit einhergehenden Intensivierung kritisch gegenüber. Seine Lösungsansätze setzen an anderer Stelle an. Aufbau der landwirtschaftlichen Produktionsketten vor allem in Entwicklungsländern, weniger Nahrungsmittel wegwerfen in den Industrieländern und den Speiseplan überdenken - Stichwort "Veggieday" - Punkte die laut Meißner noch stärker beachtet werden sollten. Er stellte die Frage in den Raum, ob nicht in einer Extensivierungsstrategie große Chancen liegen könnten.
"Ich sehe in einer nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft und einer verbesserten Ressourcenausnutzung - unter Berücksichtigung des Klimaschutzes - nicht nur gesellschafts- sondern auch wirtschaftspolitisch, mit Blick auf die 4,7 Millionen Arbeitskräfte im Ernährungsbereich, den besseren Weg," hielt DBV-Präsident Rukwied entgegen.

Verantwortungsvoll mit LN umgehen

Kapazitäten werden in den nächsten Jahren in Deutschland und der EU vorhanden sein. Der demographische Wandel werde laut Staatssekretär Kloos in den nächsten Jahren zu einer Abnahme der Bevölkerung sowohl in Deutschland als auch in der EU führen. Deshalb landwirtschaftliche Nutzfläche aus der Produktion zu nehmen, sieht auch Kloos als falschen Weg. Die freiwerdende landwirtschaftliche Nutzfläche sollte dazu genutzt werden, verantwortungsvoll Nahrungsmittel für die Weltbevölkerung zu erzeugen.
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Christof Buchholz unterstrich die starke Position der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft im globalen Handel. Er stellte ergänzend heraus, dass der Gunststandort Deutschland seine hervorragenden Rahmenbedingungen bei der Erzeugung quantitativ und qualitativ hochwertiger Agrarprodukte nicht beschneiden dürfe und die Branche sehr positiv in die Zukunft blicken könne, wenn neue Absatzmärkte die alten ergänzen würden.

Freihandel mit den USA

Überschattet vom NSA-Skandal finden im Moment die Gespräche zu einer Freihandelszone zwischen der EU und den USA statt. Der Agrarattaché der USA, Paul Spencer, plädierte zu weniger Angst vor einem möglichen Abkommen beim Thema Lebensmittelsicherheit: "Amerika ist kein Dritte-Welt-Land, sowohl die EU als auch die USA haben beide sehr hohe Qualitätsstandards." Hinsichtlich einer zeitnahen Realisierung zeigte sich Spencer ähnlich wie Kloos sehr optimistisch.
Nach Sicht von DBV-Präsident Rukwied bringt die Abschaffung von Handelsbarrieren für beide Seiten Synergieeffekte. "Entscheidend wird in den Verhandlungen beim Agrarbereich sein, dass sich die EU für die Qualitäts- und Sicherheitsstandards der deutschen und europäischen Landwirtschaft einsetzt."
 
Der Markt für deutsche Agrarprodukte ist sowohl regional als auch global vorhanden. Den Kuchen gerecht aufzuteilen, erfordert verantwortungsvolles Handeln auf allen Seiten.  
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