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Ernährung und Gesundheit

Rindfleisch umetikettiert: Suche nach Mr. X geht weiter

Externer Autor ,
am
21.02.2013

Berlin - Täglich erreichen die Regierung neue Informationen über Produkte, Vertriebswege und Hersteller, über die Pferdefleisch in Umlauf gekommen ist. Ilse Aigner informierte über den aktuellen Stand.

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner mit dem Ausschussvorsitzenden Hans-Michael Goldmann. © Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde
"Falsch etikettierte Lebensmittel sind nicht verkehrsfähig und dürfen nicht verkauft werden", stellte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gestern Vormittag in der Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz klar. Deshalb brauche die Frage nach einem extra Verbot nicht gestellt werden, wenn undeklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln enthalten ist, "denn es geht um einen Betrug am Verbraucher".
 
Ilse Aigner glaubt nicht, dem Problem mit ausführlicheren Herkunftsbezeichnungen beikommen zu können, denn die Waren seien bewusst falsch etikettiert worden. Dennoch strebe sie in diesem Bereich an, praktische Lösungen zu erarbeiten. 
 
Aigner stellte dem Ausschuss den aktuellen Kenntnisstand der Bundesregierung zum Betrugsskandal um vorranging in Fertigprodukten verkauftes Pferdefleisch vor. Danach würden täglich neue Produkte, Hersteller und Vertriebswege bekannt, über die teilweise unabhängig voneinander Pferdefleisch in Umlauf kam.

Die bisher bekannten Warenströme

War Pferdefleisch einerseits in Tiefkühlprodukten über einen Händler aus Luxemburg über große Handelsketten nach Deutschland gelangt, konnte andererseits mit Pferdefleisch vermischtes Rinderhackfleisch für den irischen Markt festgestellt werden, das aus einer legalen Schlachtung aus Polen kam.
 
Des Weiteren wurde Pferdefleisch in Rindergulasch von einer Firma aus Deutschland nachgewiesen, die wiederum Fleisch unter anderem vom selben Zulieferer aus Polen bezog, der auch den irischen Markt beliefert hatte. Wer aber eine Umdeklarierung des Fleisches beim Ex- beziehungsweise Import vorgenommen haben könnte, konnte noch nicht ermittelt werden. An welcher Stelle das Pferde- zu Rindfleisch umetikettiert wurde, ist bislang ebenfalls unbekannt.
 
Bei anderen Entdeckungen sei Rohware für Fertigprodukte aus Frankreich gekommen, aber auch aus Deutschland, die wiederum nach Österreich gelangte. Insgesamt seien bisher 485 Proben auf Pferdefleisch in Deutschland genommen worden, von denen insgesamt 18 positiv ausfielen. Rückstände auf pharmazeutische Wirkstoffe seien bisher nicht festgestellt worden.

Schleswig-Holstein: Bislang kein Pferdefleisch entdeckt

Das schleswig-holsteinische Landeslabor legte inzwischen eine abschließende Bewertung gezogener Proben auf Pferdefleisch vor. Ausgewertet wurden fünf als Rind deklarierte Fleischerzeugnisse. Diese hätten alle kein Pferdefleisch enthalten. Weitere Proben werden noch untersucht.

MVP: Fünf positive Testergebnisse, Staatsanwaltschaft ermittelt

39 Betriebe sind in Mecklenburg-Vorpommern für die Herstellung von Rindfleischerzeugnisse zugelassen, davon verarbeiten 26 Betriebe Rindfleisch zu Fertigerzeugnissen. In diesen Betrieben wurden die Lieferanten der Rohware, die Unbedenklichkeitserklärungen der Vorlieferanten, die Eigenkontrollergebnisse und die Rückverfolgbarkeit überprüft.
 
"Dabei mussten unsere Kontrolleure feststellen, dass Erklärungen 'frei von Pferdefleisch' nicht zuverlässig vertraut werden kann", konstatiert Verbraucherschutzminister Till Backhaus.
 
Das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei wird 13 Proben untersuchen, für elf davon liegen bereits Ergebnisse vor. Pferde-DNA wurde in fünf Proben entdeckt, drei Unternehmen sind betroffen. Dazu gehören die Fa. Edeka Valluhn, die Fa. SGS Geniesser Service Laage-Konskamp sowie ein Unternehmen aus dem Landkreis Rostock.
 
Die Staatsanwaltschaft hat erste Ermittlungen aufgenommen. Geprüft wird beispielsweise, ob Fleisch deutlich verbilligt oder unter dem üblichen Marktwert eingekauft wurde.
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