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Wirtschaft

Russland droht Norwegen mit Lachsboykott

Externer Autor
am
10.07.2013

Der Streit zwischen Russland und Norwegen um die Einfuhr von Lachs geht in eine neue Runde. Russland kündigte ein erneutes Einfuhrverbot von norwegischem Zuchtlachs an.

Vertreter der russischen Kontrollbehörde teilten auf einer Pressekonferenz in Oslo mit, dass man strengere Kontrollen bei der Fischzucht fordere.
 
Einige dieser Zucht- und Schlachtanlagen wiesen ihrer Meinung nach deutliche Mängel auf. Ebenso entspräche norwegischer Zuchtlachs häufig nicht den russischen Anforderungen.

Kritik an norwegischen Lebensmittelkontrollen

Wie Alexie Alekseenko, Sprecher des russischen Veterinär- und Pflanzenschutzamtes (RSKN), sagte: "Wenn uns die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NFSA) keine Lebensmittelsicherheit garantieren kann, haben wir keine andere Wahl, als sämtliche Importe von norwegischem Fisch zu blockieren."
 
Norwegen hingegen gibt sich unbeeindruckt vom russischen Gebahren: "Diese Art von Drohungen haben wir schon mal gehört", reagierte Trond Davidsen, Direktor der norwegischen Seafood Federation (FHL Havbruk).
 
Das Boykott könnte für Norwegen jedoch größere Konsequenzen haben. Immerhin importierte das Land 2012 über 150.000 Tonnen Lachs nach Russland und würde somit einen bedeutenden Absatzmarkt verlieren.

Spekulationen über die Gründe

Er selbst könne über die Gründe für das Verhalten Russlands nur spekulieren. Ursache seien möglicherweise unterschiedliche Vorschriften für Lebensmittelsicherheit in Russland und Norwegen. Norwegen zieht, wie die meisten anderen westlichen Länder, seine Erkenntnisse aus Stichproben, die in Fabriken oder bei Lieferungen genommen werden. "In Russland nehmen die Behörden einzelne Produkte unter die Lupe", so Davidsen. Dies könnte eine der Ursachen für die Unstimmigkeiten sein.
 
Russland hingegen wirft der NFSA vor, sie verwende örtlich wechselnde Beurteilungskriterien für die Unternehmen. Zudem seien Zertifikate gefälscht worden. Davidsen hält das Ganze allerdings für ein unglückliches Missverständnis.

Der norwegisch-russische Lachsstreit

Seit Längerem gibt es einen "Lachsstreit" zwischen beiden Ländern. Russland zeigte sich immer wieder unzufrieden mit den Standards und Abläufen bezüglich der Qualitätskontrolle von norwegischem Zuchtlachs, dem sogenannten "oppdrettslaks". Sie hätten darüber hinaus schon mehrmals Parasiten und Bakterien in betreffenden Produkten gefunden.
 
Des öfteren hatte Russland schon mit Einschränkungen und Verboten gedroht. Einige norwegische Betriebe spüren dieses Boykott bereits deutlich. Laut NFSA sind im Moment 13 Lachszuchtunternehmen betroffen, die nicht nach Russland liefern dürfen. Die Behörde beteuert immer wieder die regelmäßige Kontrolle und Sicherheit dieser Betriebe. Dies stößt in Russland allerdings auf taube Ohren.

Kritik nur aus Russland

In einem Interview mit dem norwegischen Fernsehsender TV2 meinte Bjørn Røthe Knutsen, Regionaldirekt der NFSA für den Bezirk Møre og Rømsdal: "Norwegen exportiert Lachs in mehr als 120 verschiedene Märkte und die einzigen, die mit derartigen Beschreibungen des norwegischen Lachses daherkommen, sind die Russen." Er hofft jedoch auf ein baldiges, zufriendenstellendes Ende des Lachsstreites. Er betont allerdings, dass es hierfür sicherlich keiner wesentlichen Änderungen von norwegischer Seite bedarf. Die Kommunikation zwischen beiden Ländern müsse sich verbessern, um so eine Einigung im Regelwerk zu erreichen.
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