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Wirtschaft

Russland: Weiterhin hoher Importbedarf am Fleischmarkt

Externer Autor
am
16.11.2010

Moskau - Russland hat weiterhin einen Importbedarf an Fleisch. Das geht aus einem Bericht über die Entwicklung des Außenhandels für den Zeitraum Januar bis September 2010 hervor, der jetzt der Föderale Zolldienst des Landes vorgelegt hat.

Demnach erhöhten sich die Einfuhren von Roteisch gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 4,2 Prozent auf rund 912.500 Tonnen; im Wert stiegen die Importe um 1,9 Prozent auf mehr als 2,9 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro).

Allerdings lagen die Einfuhren von Geügeleisch im Berichtszeitraum aufgrund eines mehrmonatigen Handelsstreits um die Qualität von US-Ware und eines Anstiegs der heimischen Produktion mit etwa 259.200 Tonnen lediglich bei rund 40 Prozent des Vorjahresniveaus; der Wert der Geügeleischeinfuhren sank fast um die Hälfte auf 376,3 Millionen Dollar (270,4 Millionen Euro).

Produktionsanstieg erwartet 

Laut einer Prognose des russischen Landwirtschaftsministeriums dürfte die heimische Produktion von Fleisch einschließlich Geügel in diesem Jahr insgesamt 10,6 Millionen Tonnen Lebendgewicht erreichen; das wären 646.000 Tonnen mehr als 2009. Nach Einschätzung von Ressortchen Jelena Skrynnik ist vor allem bei Geügeleisch mit einem deutlichen Produktionsanstieg zu rechnen; hier wird ein Zuwachs von 13 Prozent auf mehr als 3,9 Millionen Tonnen erwartet. Das Ministerium rechnet zudem mit einer Ausweitung der Schweineeischerzeugung um acht Prozent auf gut 3,1 Millionen Tonnen. Das Aufkommen an Rindeisch dürfte mit drei Millionen Tonnen etwa auf Vorjahresniveau liegen.

Milcherzeugung rückläug

Die diesjährige Produktion an Milch in Russland wird vom Agrarressort auf 32 Millionen Tonnen beziffert; im vergangenen Jahr hatten die Landwirte 32,6 Millionen Tonnen gemolken. Offenbar wurde die Anzahl der Milchkühe deutlich verringert, da sich die durchschnittliche Milchleistung im Vergleich zu 2009 erhöht hat. In den ersten neun Monaten dieses Jahres verringerte sich das Rohmilchaufkommen in Russland um 1,5 Prozent auf 25,5 Millionen Tonnen. In diesem Zeitraum konnte die Zollstatistik einen deutlichen Zuwachs der Importe von Molkereiprodukten verzeichnen. Laut Darstellung der Statistiker elen beispielsweise die Einfuhren an Kondensmilch und -sahne mit rund 53.300 Tonnen fast 17 Mal größer aus als im vergangenen Jahr; die Butterimporte stiegen um etwa 10 Prozent auf 50.300 Tonnen.

Schweinebestände schrumpfen

In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden nach Angaben des Föderalen Statistischen Dienstes in der russischen Landwirtschaft - gemessen in Lebendgewicht - insgesamt rund 6,7 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt; gegenüber dem Vorjahreszeitraum war dies ein Zuwachs um 6,9 Prozent. Außerdem erhöhte sich das Aufkommen an Eiern um 3,5 Prozent auf rund 31 Milliarden Stück. Die Statistikbehörde verzeichnete Anfang Oktober 2010 in Russland einen Schweinebestand von insgesamt 18,7 Millionen Tieren; im Vergleich zum Stichtag des Vorjahres ist dies ein leichter Rückgang um 0,7 Prozent. Im Oktober 2009 war noch ein Zuwachs der Schweinebestände um 6,7 Prozent gegenüber 2008 gemeldet worden.

Geflügelfleischproduktion gestiegen

Rückläug hat sich in diesem Jahr auch der Rindviehbestand entwickelt, und zwar um drei Prozent auf insgesamt gut 21,1 Millionen Tiere. Die Zahl der Kühe ging um zwei Prozent zurück und lag zum Erfassungstag bei 8,9 Millionen Tieren. Die Bestände von Schafen und Ziegen wurden im Jahresvergleich um 2,1 Prozent auf insgesamt 23,6 Millionen Tiere abgebaut. Weiter aufwärts geht es hingegen mit der Geügelhaltung; hier stockten die russischen Agrarproduzenten ihre Bestände um 3,7 Prozent auf und hielten Anfang Oktober insgesamt 467,3 Millionen Tiere.

Preiserhöhung erwartet 

Unterdessen haben mehrere größere russische Fleischverarbeiter an Moskau appelliert, das ab Januar 2011 geplante Verbot der industriellen Verarbeitung von gefrorenem Geflügelfleisch zu streichen. In einem Schreiben an den ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten Viktor Subkow machten die Unternehmen deutlich, dass es derartige Einschränkungen weder in der Europäischen Union noch in den USA gebe. Die Verarbeiter befürchten, dass die Verschärfung der Vorschriften eine deutliche Steigerung der Fleischpreise zur Folge haben dürfte.

Strengere Normen umstritten

Dem geplanten Verbot liegt eine bereits 2008 vom Föderalen Verbraucherschutzdienst erlassene Verfügung zugrunde, die im Bereich Kindernahrung schon Anfang 2010 in Kraft getreten ist. Trotz Protesten seitens der Wirtschaft hat Behördenchef Gennadij Onischtschenko sogar noch draufgelegt und ein Verbot nicht nur für die industrielle Verarbeitung, sondern auch für den Verkauf von gefrorenem Geflügeleisch angekündigt. Zuvor hatte er erklärt, strengere Normen brächten der heimischen Wirtschaft keine großen Schwierigkeiten und die Importe könnten dadurch gedrosselt werden.

Behördenchef kontert

Onischtschenko konterte den Appell der Fleischverarbeiter mit der Behauptung, der Aufruf stamme von einzelnen Unternehmen, die sich von Importen abhängig gemacht hätten und dadurch dem heimischen Markt schadeten. Diese Verarbeiter bezeichneten sich selbst als russische Produzenten, träten jedoch als "fünfte Kolonne ausländischer Exporteure" auf und versuchten, die nationale Politik der sicheren Lebensmittelversorgung zu torpedieren. Auf die nun bevorstehende Umstellung in der Produktion durch den Verzicht auf Tiefkühlware seien diese Firmen nicht vorbereitet, obwohl die Maßnahme frühzeitig beschlossen und kommuniziert worden sei. Der Behördenchef sieht sich in seiner Position inzwischen von anderen großen Unternehmen der russischen Fleischwirtschaft - einschließlich der marktführenden Moskauer Firmengruppe Tscherkisowo - unterstützt, aber auch von den Gouverneuren und Landwirtschaftsverwaltungen mehrerer Provinzen. (AgE)

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