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Umwelt

Sachsen-Anhalt veröffentlicht Hochwasser-Gefahrenkarten

von , am
19.02.2014

Magdeburg - Wohin fließt das Wasser im Falle einer Überschwemmung in Sachsen-Anhalt? Antwort auf diese Frage liefern die neuen Hochwasserrisiko- und Hochwassergefahrenkarten.

Den größten Teil der Überschwemmungsgebiete nehmen land- und forstwirtschaftliche Gebiete ein. © Nikokvfrmoto/Fotolia.com
Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens sagte am Dienstag in Magdeburg, es genüge nicht, Hochwasserschutz auf Deiche und Polder zu beschränken. Zu einem umfassenden Management von Hochwasserrisiken und vorbeugendem Hochwasserschutz gehören auch die Informationen über die mögliche Ausdehnung und Tiefe von Überschwemmungsflächen. Den größten Teil der Überschwemmungsgebiete (über 85 Prozent) nehmen land- und forstwirtschaftliche Gebiete ein.
 
Deshalb wurden neue Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten erstellt, die jetzt im Internet unter www.hwrmrl.sachsen-anhalt.de einsehbar sind. Die Karten sollen nach Ansicht des Landwirtschaftsministerium bei kommunalen Planungen für Wohn- oder Gewerbegebieten und bei der Hochwasservorsorge für Industriebauten bieten. Außerdem böten sie dem Katastrophenschutz wichtige Informationen.

Karten basieren auf drei Szenarien:

Die Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten für Sachsen Anhalt wurden anhand von drei Szenarien erstellt:
  • Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit bzw. Extremereignisse (HQ200/ HQExtrem)
  • Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit (HQ100)
  • Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit (HQ10/ an der Elbe HQ20)
Den Hochwassergefahrenkarten kann die Intensität der Hochwassergefährdung in Form klassifizierter Wassertiefen entnommen werden. Bei den für das Extremszenario ausgewiesenen Flächen handelt es sich um die Gebiete, die bei einem Abfluss HQ200 überschwemmt werden würden, wenn keine Hochwasserschutzanlagen (Deiche) vorhanden wären oder diese infolge des Extremereignisses total versagten. Das totale Versagen ist mit den Deichbrüchen 2013 oder während des Hochwassers 2002 nicht vergleichbar, sondern übersteigt diese Schäden um ein Vielfaches.
 
Das Szenario "Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit" stellt die Flächen dar, die bei einem Abfluss HQ100 und unter Berücksichtigung vorhandener Hochwasserschutzanlagen (Deiche) überschwemmt werden können. Diese Flächen entsprechen weitestgehend den festgesetzten Überschwemmungsgebieten.
 
Im 3. Szenario werden die Flächen dargestellt, die bei einem Abfluss HQ10 (an der Elbe HQ20) und unter Berücksichtigung vorhandener Hochwasserschutzanlagen (Deiche) überschwemmt werden können. Diese Flächen werden am häufigsten überflutet.

Die Hochwasserrisikokarten in Sachsen Anhalt geben Auskunft über:

  • die Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner
  • die Flächennutzung in den potenziell betroffenen Gebieten als Ausdruck der wirtschaftlichen Tätigkeiten
  • Anlagen, von denen eine potentielle Verschmutzung der Umwelt im Hochwasserfall ausgehen kann
  • Schutzgebiete (FFH-, Vogelschutz-, Trinkwasserschutzgebiete) und Badegewässer - Auswirkungen auf das Kulturerbe (UNESCO-Welterbestätten, Bauensembles, Baudenkmale, Bodendenkmale)
Den überwiegenden Anteil der Überschwemmungsflächen nehmen land- und forstwirtschaftliche genutzte Flächen ein (85 bis 88 Prozent). Auf die Flächen mit ausgeprägter Infrastrukturausstattung (Wohnbau-, Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen) entfallen lediglich 1,7 bis 7,1 Prozent der Flächenanteile. Hier besteht allerdings oft ein sehr hohes Schadenspotential.

Juni-Hochwasser 2013 muss noch in die Karten eingearbeitet werden

Wesentliche fachliche Grundlagen für die Kartenerstellung bilden umfangreiche hydraulische Modellierungen der Gewässer. Sie fanden von 2009 bis 2012 statt, um eine fristgemäße Erstellung der Karten wie von der EU gefordert zum 22.12.2013 zu gewährleisten. Demzufolge konnten jedoch die Erkenntnisse des Extremhochwassers vom Mai/Juni 2013 an Elbe, Mulde, Saale und Weißer Elster für die erste Veröffentlichung der Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten noch nicht berücksichtigt werden. An einer zeitnahen landesinternen Aktualisierung der Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten wird derzeit gearbeitet. Das erfolgt unabhängig von dem von der EU vorgegebenen Aktualisierungstermin 2019.

Abstimmung mit Bund und Nachbarbundesländern nötig

Bei der Aktualisierung sind nachfolgende Aufgaben und Arbeitsschritte zu berücksichtigen: Infolge der Auswertung der Hochwasserereignisse 2013 wird es zur Festlegung neuer statistischer Abflusswerte für die dargestellten Szenarien kommen. Diese Neufestlegung kann aber nicht im Alleingang durch Sachsen Anhalt sondern nur in Abstimmung mit den Nachbarbundesländern und dem Bund erfolgen. Bereits während des Hochwasserereignisses erfolgten an Saale, Weißer Elster und Mulde Befliegungen während der Scheitelwasserstände. Die Befliegung der Elbe wurde durch die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) koordiniert. Während die Befliegungsergebnisse für die erstgenannten Gewässer bereits vorliegen und bei den aktuellen Auswertungen berücksichtigt werden, liegen die Daten der BfG für die Elbe erst Mitte 2014 vor. Anhand der Befliegungsergebnisse und von über 4.000 Wasserstandseinmessungen, die während des Hochwassers 2013 vorgenommen wurden, werden die bestehenden Wasserspiegellagenmodelle kalibriert. Diese Arbeiten sind nahezu abgeschlossen.

75 Prozent der Gewässerlänge sind von den Karten abgedeckt

Erst nach Vorlage der länderübergreifend abgestimmten Abflusslängsschnitte können neue hydraulische Modellierungen erfolgen. Die Ergebnisse münden letztendlich in ggf. aktualisierte Gefahren- und Risikokarten. Die heute der Öffentlichkeit präsentierten Karten entsprechen dem derzeitigen Wissensstand und bilden weitgehend den aktuellen Sachstand ab. Rund 75 Prozent der ca.1.850 Kilometer Gewässerlänge, die in der Stufe 1 als potenziell hochwassergefährdet ausgewiesen wurden, werden jetzt schon vollständig von den Karten abgedeckt und müssen nicht aktualisiert werden.

Vegetationsreport: Bericht aus dem Hochwassergebiet (Juli 2013)

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