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Landfrauen

Das sagt Juliane Vees zu ihrem Bundesverdienstkreuz

Verdienstkreuz am Bande und Urkunde
am Freitag, 12.03.2021 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Fragen an die agrarfrau Juliane Vees, Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern und erste Vizepräsidentin der Bundesverbandes der deutschen LandFrauen, die soeben mit dem Verdienstkreuz geehrt wurde.

Freudige Nachricht für Juliane Vees: Die Landwirtin wird mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Juliane Vees wurde von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann für diese hohe Ehrung vorgeschlagen für ihre "herausragenden Leistungen für das Gemeinwesen". Wir haben Juliane Vees, die Mitglied in der Jury des CeresAward ist und ein sehr aktives Mitglied in der agrarfrauen-Community von agrarheute, zu ihrer Auszeichnung befragt.

Liebe Frau Vees - wir gratulieren ganz herzlich! Wie haben Sie von Ihrer Auszeichnung erfahren - und wie fühlen Sie sich damit?

Von meiner Auszeichnung beziehungsweise der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande habe ich durch einen Brief erfahren. Ich muss gestehen, der kam in einem einfachen Briefumschlag, ich dachte, das ist Post vom Land und habe ihn erst einmal zur Seite gelegt.

Als ich ihn dann aufgemacht habe, war ich wirklich erstaunt und habe mich sehr gefreut. Da stand dann drin, dass ich eine Auszeichnung bekomme und dass der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, mich vorgeschlagen hat für die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, für herausragendes Engagement für das Gemeinwohl. Und dass ich in vielfältiger Weise mich für die Mitbürgerinnen und Mitbürger eingesetzt habe, und dass diese hohe Auszeichnung nun verliehen wird im Namen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Und der Ministerpräsident gratuliert mir dazu.

Ich habe mich dann schon sehr gefreut, ich habe es meinem Mann gleich gezeigt, und der freut sich natürlich sehr für mich mit. Wobei ich sagen muss, so eine Auszeichnung ist ja nie nur für einen selber. Es ist immer so, dass man als Team, als Familie im Grunde viel da miteinander trägt. Mein Engagement, das vielfältig ist, im Bereich Politik, im Bereich Landfrauen, im Bereich Verbandsarbeit, ist nur möglich, weil mein Mann und meine Familie das immer so toll mitgetragen haben.

Ich nehme die Auszeichnung an auch im Namen aller derjenigen, die mich so sehr unterstützt haben in all diesen Jahren und Jahrzehnten.

Was bedeutet die Auszeichnung für Sie als Landfrau?

Ganz besonders freut mich natürlich besonders, dass ich diesen Bundesverdienstorden bekomme, auch im Namen der Landfrauen. Als Landfrau hat man viel Engagement und es passiert alles im Ehrenamt. Wenn ich daran denke, was alle meine Frauen links und rechts von mir und hinter mir und auch die Frauen, die vor mir schon waren, was die alles leisten im Ehrenamt und im Namen der Frauen, der Bäuerinnen im ländlichen Raum, das ist eine ganz tolle Sache.

Ich habe sehr früh angefangen mit dem Engagement bei den Landfrauen. Ich bin aus Westfalen hier nach Baden-Württemberg gezogen und habe dann hier direkt Anschluss gesucht. Schon meine Mutter und meine Tante waren bei den Landfrauen engagiert, daher war es für mich völlig selbstverständlich, auch zu den Landfrauen gehe. Dieses Engagement ist also jetzt schon fast 30 Jahre, ich bin jetzt schon 12 Jahre Präsidentin meines Landeverbands. Vorher war ich drei Jahre Vize und auch im Kreis schon lange engagiert, auch als junge Landfrau. Es ist ein Zeichen, dass Engagement für Frauen im Namen von Frauen gewürdigt wird. Auch mein politisches Engagement für Frauen - ich war im Kreistag auch eine Periode ganz allein, als einzige Frau mit 44 Männern. Es gibt immer noch mehr Männer, die diese Auszeichnung bekommen. Umso mehr freue ich mich, dass ich da ich will nicht sagen Vorbild, aber doch Beispiel sein kann für viele andere Frauen, dass es sich lohnt, sich zu engagieren. Dass ich anderen Frauen zeugen kann, dass Engagement wichtig ist für uns, für unsere Gesellschaft und vor allem auch für andere Frauen in unseren Reihen.

Heute Mittag werden ja auch die Ergebnisse der Landfrauen-Studie Baden-Württemberg noch einmal vorgestellt. Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Situation der Landfrauen in Baden-Württemberg? Wo wünschen Sie sich Veränderungen?

Als zurzeit Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände in Baden-Württemberg freu ich mich, dass die Studie für Frauen in der Landwirtschaft in Baden-Württemberg auf den Weg gebracht wurde. Wir haben vor Ministerium starke Unterstützung bekommen. Die Studie wurde auf den Weg gebracht von Professor Schanz von der Uni Freiburg mit seinem Team, sie fußt also auf wissenschaftlichen Fragen und Auswertungen.

Was an Zahlen zusammengetragen wurde, ist sehr bedeutend für unsere politischen Forderungen und auch in der Kommunikation nach außen.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?

Zum einen ist es sehr auffällig, dass die Frauen an erster Stelle bei den Themen, die sie belasten, auch die finanzielle Entlohnung für ihre landwirtschaftlichen Produkte genannt haben. Die Frauen, die Betriebe haben keine guten Einkommen in Baden-Württemberg. Wir haben ja durchschnittlich die kleinsten Betriebe in ganz Deutschland und die Ergebnisse zeigen immer wieder, dass in den Landwirtschaftsbetrieben die Betriebsergebnisse sehr niedrig liegen und deshalb die finanzielle Situation auf den Höfen immer wieder angespannt ist. Die Frauen sind traurig, dass ihre landwirtschaftlichen Produkte, die sie mit viel Verantwortung und mit vielen Nachhaltigkeit erzeugen, nicht genügend finanziell wertgeschätzt werden.

An zweiter Stelle stand dann das Image der Landfrauen und der Frauen auf den Höfen. Diese Botschaften, die auch zum Teil von NGOs und auch immer wieder über die Presse so an die Frauen herangetragen werden, vielleicht auch über Mobbingerfahrung auch bei ihren Kindern, dies kam bei den Frauen schon an zweiter Stelle bei der Frage: Was belastet mich in meinem Lebensumfeld. Das ist schon bezeichnend und da müssen wir rangehen, mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Aufklärung machen und zeigen, dass die Frauen auf den Höfen mit hoher Verantwortung unterwegs sind.

Was kam sonst noch heraus bei der Befragung?

Weiterhin bezeichnend war auch noch in der Studie diese hohe Belastung der Frauen bezüglich ihres Engagements auf dem Hof. Wir haben viele Frauen, die auf dem Hof 60 bis 70 Stunden in der Woche arbeiten. Das ist sehr, sehr viel. Wir haben Baden-Württemberg viele tierhaltende Betriebe oder auch Betriebe mit vielen Sonderkulturen wie Weinbau oder Obstbau. Die sind eine sehr hohe Belastung, was die Arbeitszeit betrifft.  Viele sind, eben weil die Höfe nicht so groß sind, auch noch nebenher berufstätig, halbtags oder auf 450-Euro-Basis.  

Das zeigt einfach, dass die Dauerbelastung, die die Frauen auch auf sich nehmen - neben dem Betrieb vielleicht noch einen Job zu und in der Familie Pflegeverantwortung und noch die Verantwortung für Kinder zu haben - ganz enorm ist.  Diese hohe Stundenzahl wird von den Frauen trotz allem ganz tapfer getragen. Die Mehrheit der Frauen sagen, sie lieben ihren Beruf. Sie sagen, dass diese hohe Arbeitsbelastung und diese wenige Work-Life-Balance wie auch die geringe Ausbildung nicht das Hauptproblem sind. Das Hauptproblem ist, dass sie nicht genug Geld für ihre Arbeit bekommen und das Image so schwierig ist.

Was machen Sie als Landfrauenverband aus diesen Erkenntnissen?

Genau das sind die Themen, die wir angehen wollen, ebenso wie das Thema Bildung. Wir, also alle drei Landfrauenverbände in Baden-Württemberg, haben eigene Bildungs- und Sozialwerke. Für die bekommen wir Unterstützung vom Land, von Landwirtschaftsminister Peter für eigene Programme wie innovative Maßnahmen für Frauen im ländlichen Raum und erhalten diese Unterstützung hoffentlich auch in Zukunft, damit wir weiter frauenspezifische Angebote machen können.

Vielen Dank für das Gespräch und lassen Sie sich feiern!

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