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Ernährung und Gesundheit

Salat mit Nebenwirkungen

Externer Autor ,
am
21.08.2009

München - "Giftkraut im Salat!" Die Aufregung war groß, als diese Meldung vor einer Woche die Runde machte. Die Konsequenz: Plus- und Netto-Märkte, die Edeka-Gruppe, Rewe, Globus und Aldi nahmen deutschen Rucola aus ihrem Sortiment.

Was war passiert? Der Bonner Wissenschaftler Helmut Wiedenfeld hatte vor rund einer Woche das giftige Gemeine Greis- oder Kreuzkraut (Senecio vulgaris) in einer Packung Rucola-Salat nachgewiesen, die ihm zugeschickt worden war und angeblich aus einem Hamburger Supermarkt stammte.

Daraufhin nahmen eben jene, oben genannten Supermärkte, wie es hieß "vorsorglich" deutschen Rucola aus dem Sortiment. Viel Aufregung für ein - wohlgemerkt ein einziges - Blatt eines Ackerunkrauts.

Nicht der erste Fund

Bereits 2006 wurden in einer abgepackten Salatmischung aus Radicchio-, Frisee- und Feldsalat Teile anderer Pflanzen nachgewiesen. Laut Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergab die amtliche Lebensmitteluntersuchung der verunreinigten Salatmischung, dass es sich dabei um Blüten und Blätter des Gemeinen Greiskrautes (Senecio vulgaris L.) handelte. In einer Stellungnahme von 2007 bewertete das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) daraufhin das Gesundheitsrisiko durch den Verzehr von Gemeinem Greiskraut für den Verbraucher.

Verzehr verursacht Leberschäden

Das Ergebnis: "Aus Vergiftungsfällen ist bekannt, dass Gemeines Greiskraut ... lebensbedrohliche Leberschäden verursachen kann.Ursache hierfür sind bestimmte im Greiskraut enthaltene Inhaltsstoffe, wie Senecionin und Riddelin, die zu der Gruppe der ungesättigten Pyrrolizidinalkaloide (PA) gehören und unter diesen zu den giftigsten Substanzen zählen. Ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener würde bei dauerhaftem Verzehr schätzungsweise 220 bis 349 Mikrogramm (μg) ungesättigte PA pro Tag zu sich nehmen und somit die für Arzneimittel ohne anerkanntes Anwendungsgebiet tolerierte Expositionsdosis von 0,1 μg ungesättigte PA pro Tag um ein Vielfaches überschreiten."

Senecio vulgaris - leicht von Rucola zu unterscheiden

Wohlgemerkt bei dauerhaftem Verzehr! Davon ist bei einem Fund von einem Blatt auf  5.000 Proben wohl kaum auszugehen. Abgesehen davon zeichnet sich das gelbblütige Ackerkraut durch einen scheußlich bitteren Geschmack aus, sodass der Konsument den Bissen eher ausspucken als schlucken wird. Wenn er das Kraut denn beim Putzen des Salats - wie auf den Packungen angegeben - nicht schon aussortiert hat. Denn das Kreuzkraut hat zwar wie Rucola gezackte Blätter, ist aber dunkler und hängt (im Gegensatz zu Rucola, der aus einzelnen Blättern besteht) an einem Stengel.

Stimmung unter den Landwirten 'sehr schlecht'

Das alles wäre ja nicht so schlimm. Gibt es halt eine Woche lang keinen Rucola. Doch da sind noch die Landwirte, die auf ihrem Salat sitzen geblieben sind. Vom Verkaufsstopp war vor allem Rheinland-Pfalz betroffen, wo sich etwa die Hälfte der deutschen Rucola-Anbaufläche befindet. Bei ihnen ist "die Stimmung sehr schlecht", wie Andrea Adams, Pressesprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd erklärt. "Die Landwirte haben Umsatzeinbußen von 500.000 Euro zu verkraften." Einige hätten bereits überlegt, die Saisonarbeitskräfte nach Hause zu schicken und erntebereiten Rucola untergepflügt. Diese Verluste werden sie wohl in der noch einige Wochen dauernden Saison nicht mehr ausgleichen können.

Leidtragende bleiben die Bauern

Auch wenn Plus- und Netto-Märkte, sowie die Edeka-Gruppe angekündigt haben, deutschen Rucola ab nächster Woche wieder ins Sortiment zu nehmen, bleibt abzuwarten, ob der Konsument seiner ureigensten Eigenschaft, dem konsumieren, wieder nachkommt. Nach den Schlagzeilen der vergangenen Woche dürfte dem ein oder anderen Verbraucher der Appetit vergangen sein. Die Leidtragenden bleiben die Bauern - wegen eines Unkrautblattes. (pd/ez)

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