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Wirtschaft

Schlachtbranche: Deutschland ist ein Niedriglohnland

pd/ez
am
03.12.2013

Deutsche Arbeitskräfte, die in der Schlachtbranche tätig sind, verdienen bis zu 42 Prozent weniger als ihre Kollegen in Nachbarländern. Auch werden überdurchschnittlich viele Leiharbeiter eingesetzt.

Schlechte Bezahlung, Einsatz von Lohnarbeitern: Die Schlachtbranche steht seit längerem in der Kritik. Ökonomen des Thünen-Instituts für Marktanalyse in Braunschweig haben einen Blick auf die Kosten und Umsätze der Schlachthöfe in Deutschland und verschiedenen EU-Ländern geworfen. Sie haben ermittelt, wie hoch der Anteil der Personalkosten an der Bruttowertschöpfung (BWS) der Unternehmen ist.
 
Die Analyse, die auf Daten von EUROSTAT, dem statistischen Amt der Europäischen Union, und vom Statistischen Bundesamt fußt, lieferte überraschende Ergebnisse.

Bis zu 42 Prozent niedrigerer Verdienst

Schlachtunternehmen in Deutschland zahlen ihren Arbeitskräften durchschnittlich 33.700 Euro brutto im Jahr. Das sind laut EU-Statistik 17 Prozent (%) weniger als in Frankreich und 42 % weniger als in Dänemark. Dort geben die Unternehmen 40.800 Euro, beziehungsweise 58.300 Euro je Arbeitskraft aus. Auch in den Niederlanden und Belgien liegt der Verdienst von Schlachthofarbeitern mit mehr als 40.000 Euro jährlich deutlich über dem ihrer Kollegen in Deutschland.
 
Zudem geben deutsche und niederländische Schlachtunternehmen ihre wirtschaftliche Leistung dem Bericht des Thünen-Instituts zufolge am wenigsten an die Beschäftigten weiter.  In Deutschland und den Niederlanden setzen die Schlachtunternehmen weniger als 60 % der BWS für ihre Arbeitskräfte ein. In Dänemark, Belgien und Frankreich sind es zwischen 73 und 85 %.
 
Ein weiteres auffälliges Merkmal der deutschen Schlachtbranche ist, dass hier überdurchschnittlich viele Leiharbeiter eingesetzt werden. In den Niederlanden verhält es sich ähnlich. Für Leiharbeiter bestand bis dato in Deutschland keine Mindestlohnregelung.

Immer mehr Schlachtschwein-Importe aus den Niederlanden und Belgien

Wird Deutschland als Lohnstandort genutzt? Dann würden Schweine zum Schlachten nach Deutschland geliefert, und aus Deutschland würden Schlachthälften oder Fleischteilstücke wieder zurück in die Lieferländer gesandt, so die Annahme der Ökonomen. Die Außenhandelsstatistik zeigt zwar, dass gerade niederländische und belgische Landwirte zunehmend Schlachtschweine nach Deutschland liefern. Jedoch gab es keine außergewöhnlichen Zuwächse von Re-Exporten in diese Länder - die in Deutschland geschlachteten Schweine aus Belgien und den Niederlanden werden also nicht dorthin zurückgeschickt. Vielmehr vermarkten die deutschen Schlachthöfe das Fleisch unabhängig von seiner Herkunft.
 
"Allerdings ist anzumerken, dass mehrere dänische Unternehmen Schlachtstandorte in Deutschland übernommen haben", sagt Dr. Josef Efken vom Thünen-Institut für Marktanalyse. Die Vermutung liege nahe, dass die günstigen Arbeitskosten ein Grund für diese Entscheidung war.

Schlachtbranche beschließt Mindestlohn

Dass in ihrem Bereich Missstände bestehen, hat mittlerweile auch die Schlachtbranche erkannt. Im September haben sich die vier in Deutschland führenden Fleischunternehmen Vion, Tönnies, Danish Crown und Westfleisch auf die Einführung eines Mindeslohns geeinigt.
Auch Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns verständigt. Er soll bei 8,50 liegen, bei bestehenden Tarifverträgen gilt eine Übergangsfrist.
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