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Wirtschaft

Schlachthof in Anklam macht dicht

pd/af
am
04.06.2015

Vor gut zwanzig Jahren wurde der Schlachthof in Anklam mit circa 11,8 Millionen Euro gefördert. Jetzt wurde die Schließung für September beschlossen. 70 Angestellte sind dort beschäftigt.

Nach aktuellen Meldungen des Mutterkonzerns wird der Anklamer Schlachthof, der zur Vion-Gruppe gehört, im September dieses Jahres geschlossen. "Das bedeutet: Abbau von rund 70 Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und längere Transportwege für die Tiere. Das kann ich nicht gutheißen", urteilt Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.

Schlachthof wurde mit 11,8 Mio. Euro

Der Schlachthof wurde nach der Wende neu errichtet. Er ist 1994 in Betrieb gegangen. Dies war einer der Standorte, die im sogenannten "Sektorplan zur Entwicklung der Schlachthofstruktur" enthalten war. Er wurde mit EU-, Bundes- und Landesmitteln in einer Höhe von ca. 11,8 Mio. Euro gefördert. Alle Zweckbindungsfristen sind abgelaufen und Rückforderungen nicht mehr möglich. "Viele vergessen, dass die Nutztierhaltung sich nach der Wende deutlich negativer entwickelt als man vorhergesehen hatte. Die Tierbestände sanken drastisch und über viele Jahre und der alte Stand wurde bisher nicht wieder erreicht. So beträgt der Schweine- und Rinderbestand auch jetzt nur etwa ein Drittel des Bestandes von der Vorwendezeit. Wir sind eine der viehärmsten Regionen Europas. Das sollte man sich vergegenwärtigen, bevor man die Landwirtschaft hier pauschal mit dem Begriff 'Massentierhaltung' verurteilt", so der Minister.

Transportwege für Tiere verlängern sich

Am Schlachthof Anklam wurde bereits in 2006 die Schweineschlachtung eingestellt. Nun folgt die komplette Schließung. "Die Schlachthofbranche steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Um Kostendegressionspotentiale erschließen zu können, werden kleinere Betriebsstätten geschlossen, das ist jetzt hier offenbar der Fall. Dieser Konzentrationsprozess ist nicht gut, daher werde ich das Gespräch mit dem Unternehmen suchen, um andere Lösungsansätze auszuloten. Denn die Attraktivität des Landes, der Region und für die Tierhaltung sinkt ein Stück weiter, weil wieder ein Baustein der gesamten Erzeugungs- und Vermarktungskette Fleisch ausfällt. Denn wir wollen die regionale Wirtschaftskraft und die regionalen Kreisläufe weiter stärken und wir wollen auch im Sinne des Tierschutzes möglichst kurze Transportwege", erklärte Dr. Backhaus.

 

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