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Umwelt

Schleichender Tod: Rinder durch Kreuzkraut vergiftet

von , am
15.06.2015

Das hochgiftige Jakobskreuzkraut stellt eine große Gefahr für Weidetiere dar. Nun wurde es wohl zwei Rindern zum Verhängnis. Sie wurden tot auf einer Öko-Fläche gefunden. Auch dem Menschen kann die Giftpflanze schaden.

Im Mai fand ein Rinderhalter auf einer Öko-Fläche in Neustadt im Kreis Ostholstein zwei seiner Hochlandrinder tot auf der Weide. Sie waren im Abstand von nur acht Tagen verendet.
 
Die bisherigen Untersuchungen weisen auf eine chronische Vergiftung durch Jakobskreuzkraut hin, wie die Lübecker Nachrichten berichten. Diese heimische Wildpflanze hat sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet und wuchs auch auf der betreffenden Weide.

Merkwürdige Todesfälle

Als Rinderhalter Bernd Deckert aus Süsel acht Tage nach dem ersten verendeten Tier ein zweites Rind seiner Herde tot vorfand, ging er nicht mehr von einem Zufall aus. Ihm kamen die so kurz aufeinander folgenden Todesfälle sehr merkwürdig vor. Er ließ das zweite Tier von einem Tierarzt untersuchen. "Der Befund spricht für eine chronische Vergiftung durch Jakobskreuzkraut", so Deckert zu den Lübecker Nachrichten.

Zwei tote Tiere und eine nutzlose Fläche

Der Landwirt ist verärgert. Die Probleme mit dem Jakobskreuzkraut habe man "jahrelang heruntergespielt", wie er der Zeitung mitteilte. Als Resultat sind nun zwei seiner Tiere tot und er selbst steht vor einer Fläche, die nicht zu bewirtschaften ist. Die Herde aus Schottischen Hochlandrindern wurde von der belasteten Fläche auf eine andere Weide gebracht. Den genauen Schaden kann Deckert nicht beziffern.

Auch in kleinen Mengen gefährlich

Das Jakobskreuzkraut enthält in allen Teilen sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA), welche die Leber auch in kleinen Mengen dauerhaft schädigen. Vor allem bei Rindern und Pferden ist eine schleichende Vergiftung durch das Gewächs möglich. Wie die Lübecker Nachrichten berichten, war das Gift im Herbst auch in Honigproben aus Ostholstein in erhöhter Konzentration nachgewiesen worden. In dieser Form kann sie auch für den Menschen zur Gefahr werden. Der betroffene Honig musste aus dem Verkehr gezogen werden.

Naturschutz um Duldung bemüht

Trotz dieser Risiken bemüht sich der Naturschutz um eine Duldung der Pflanze, da sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leiste. So war es auf Naturschutzflächen bisher auch nur in besonderen Fällen erlaubt, die Giftpflanze zu mähen oder zu mulchen.
 
Dies tat Landwirt Deckert im letzten Jahr in Absprache mit der Stiftung.

Ursache der Leberschäden genau überprüfen

Nun wird nochmals genau untersucht, woher die Leberschäden der Kuh rühren. Denn bisher ging man davon aus, dass Rinder die Pflanze aufgrund ihrer Bitterkeit nicht fressen würden. Das Umweltministerium will dies nochmals überprüfen. "Die Gesundheitsvorsorge und der Tierschutz müssen immer gewährleistet sein", erklärte Minister Robert Habeck (Grüne) gegenüber den Lübecker Nachrichten.

Bauernverband fordert stärkere Bekämpfung

Der Bauernverband fordert nach diesem Vorfall, Maßnahmen zu ergreifen. Das Kraut muss intensiver bekämpft werden. Es könne nicht angehen, dass Rinder, die unter Naturschutzgesichtspunkten eingesetzt werden, derart verenden, meint Neustadts Bürgermeisterin Tordis Batscheider (SPD). Laut Information des Ministeriums sollen die betroffenen Salzwiesen umgebrochen und neu angesät werden.
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