Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Hupen, drängeln, schimpfen

Selbstversuch mit Radlader: Ein Journalist als Landwirt

Autos fahren in Kolonne hinter einer Landmaschine her
am Freitag, 01.10.2021 - 10:41 (2 Kommentare)

Werden Landwirte mit langsamen Maschinen auf der Straße wirklich so oft von Autofahrern beschimpft? Ein Journalist machte den Selbsttest mit einem Radlader.

Landwirte beschweren sich oft, dass ihnen auf der Straße zu wenig Respekt und Verständnis entgegen gebracht wird, wenn sie mit ihren Landmaschinen unterwegs sind. Da schimpft und hupt der gestresste Autofahrer. Doch ist das wirklich so schlimm? Und wie fühlt sich der Landwirt dabei?

Ein Journalist der AZ machte mit einem Radlader den Selbstversuch.

Landwirt und Lohnunternehmer: Man braucht ein dickes Fell

Daniel Bieling von der AZ wollte das auf der B4 bei Steddorf in Niedersachsen herausfinden.

Er lieh sich den Radlader eines örtlichen Landwirts und Lohnunternehmers. Auch der berichtet, immer wieder von den Fahrern hinter ihm bedrängt, beleidigt und oft in riskanten Manövern überholt zu werden. Man kriege aber irgendwann ein dickes Fell.

25 PS: Mit dem Radlader auf der B4

Für den Journalisten geht es also auf die B4 - und damit beginnt der Wahnsinn, wie er erklärt: "Ich bin nur wenige Minuten gefahren und entdecke im Rückspiegel schon eine beachtliche Autokolonne hinter mir. 25 Stundenkilometer, mehr gibt der Radlader nicht her. Eine noch kürzere Zeit später ist das Ende der Schlange schon nicht mehr zu erkennen."

Landmaschinen im Straßenverkehr: Überholen, Hupen, Drängeln

Die Autofahrer würden wirklich jede Gelegenheit zum Überholen nutzen, berichtet Bieling. Durchgezogene Mittellinien oder Abbiegespuren spielten keine Rolle mehr. Mehr als einmal sei er angehupt worden, überraschenderweise auch vom Gegenverkehr.

Irgendwann habe er aufgehört, die riskanten Überholvorgänge, das Hupen oder die bösen Gesten der Fahrer zu zählen: „Ich ergebe mich meinem Schicksal als ungeliebter Verkehrsteilnehmer. Die einzige Hoffnung, die mir bleibt, ist, dass kein Rettungswagen in der Kolonne hinter mir fährt – ich würde es nicht mitbekommen.“

Landwirt: Beinahe täglich dem Zorn der Autofahrer ausgesetzt

Nachdem er schließlich in einer Ortschaft gewendet hat, beginnt das nächste, scheinbar sinnlose Unterfangen: Er muss sich wieder in den Verkehr einfädeln. An dem Stau, den er hinter sich hergezogen hat, sei er natürlich erst mal nicht vorbei gekommen. Bis ihn dann doch eine freundliche Autofahrerin vorbeigelassen habe.

Bieling ahne nun, was der Landwirt mit dem „dicken Fell“ meinte. Er wage sich gar nicht vorzustellen, wie es sein muss, „als Landwirt beinahe täglich dem Zorn ungeduldiger Pkw- und Lkw-Fahrer ausgesetzt zu sein. Mir reicht jedenfalls die eine Tour.“

Auch auf der Facebookseite der AZ wird über diesen Selbstversuch fleißig diskutiert!

Mit Material von Az online

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