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Politik national

Warum Silke Lautenschläger ihren Hut nimmt

von , am
26.05.2010

Wiesbaden - Der geplante Rücktritt der hessischen Agrarministerin Silke Lautenschläger (CDU) gibt auch einen Tag nach ihrer überraschenden Ankündigung Anlass zu Spekulationen.

Ist der Rückzug von Ministerpräsident Roland Koch aus der Politik für die erst 41-Jährige wirklich Grund genug, es ihrem politischen Mentor gleich zu tun?

Rückzug auf Raten

Wie Koch will Lautenschläger bis Ende August im Amt bleiben. Auf dem Landesparteitag der hessischen CDU am 12. Juni wird sie für den stellvertretenden Landesvorsitz nicht mehr kandidieren. An ihrem Landtagsmandat will die gebürtige Darmstädterin hingegen vorerst festhalten. Ein Rückzug auf Raten.

Konnte unter Koch 'frei und unabhängig' arbeiten

Von sich selbst sagt Lautenschläger, sie habe mit Koch politisch gut harmoniert. Unter ihm habe sie "frei und unabhängig" arbeiten können. Einige erkannten in ihr bereits die "Kronprinzessin", die von Koch für höhere Aufgaben vorgesehen war. In einem Interview mit Echo Online sagte die Ministerin heute jedoch, sie habe dem Ministerpräsidenten schon vor Monaten mitgeteilt, sich um dessen Nachfolge nicht zu bewerben. Das könnte schlicht Einsicht in ihre ohnehin geringen Chancen gewesen sein.

Keine volle Rückendeckung in der Landespartei

Lautenschläger genießt als relativ junge Frau, die in den Medien und der Öffentlichkeit wenig volksnah auftritt, in der Landespartei keine volle Rückendeckung. Sie hätte es schwer gehabt, einen Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten anzumelden.

Enttäuschte Ambitionen

Jetzt wird Volker Bouffier in Kochs Fußstapfen treten. Enttäuschte Ambitionen und mangelnde Bereitschaft, unter dem "ewigen Zweiten" Bouffier einfach weiterzumachen wie bisher, könnten für Lautenschläger Motiv genug gewesen sein, das Handtuch zu werfen. Sie spricht jedenfalls von einer völlig freien und unbeeinflussten Entscheidung.

Ein Leben nach der Politik

Neun Jahre gehörte Lautenschläger der Regierung Koch an, davon die meiste Zeit als Sozialministerin. Stets war sie die Jüngste im Kabinett. Seit Februar 2009 leitete sie das fachlich breit gefächerte Ressort für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Mit dieser Erfahrung und erst 41 Jahren sollte es ihr leicht fallen, eine neue Herausforderung zu finden. Auf dem Bauernhof ihrer Eltern im Odenwald, auf dem sie mit ihren beiden Kindern wohnt, wird Lautenschläger ab September Zeit und Muße finden, sich ein Leben nach der Politik aufzubauen. (leh)

Lesen Sie morgen auf agrarheute.com: Mögliche Nachfolger für die hessische Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger.

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