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Tierschutzverstoß

Nach Skandal: Größter belgischer Schlachthof geschlossen

Josef Koch, dlz agrarmagazin
am
31.03.2017

Wegen vermutlicher Tierschutzverletzungen hat Belgien seinen größten Schweineschlachthof erst einmal stillgelegt.

Aufgrund von mutmaßlicher Tierquälerei und grober Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hat die flämische Regierung dem größten Schlachthof Belgiens vergangene Woche die Produktionserlaubnis entzogen. Der Betrieb der Debra Group in Tielt war Ende März in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Tierschutzorganisation Animal Rights mit versteckter Kamera gedrehte Filmaufnahme aus dem Schlachthof veröffentlichte.

Die Filmaufnahmen zeigen unter anderem, wie noch nicht betäubten Schweinen die Halsschlagader durchtrennt wird, ein Schwein bei vollem Bewusstsein in das 60 °C heiße Wasser zur Borstenentfernung getaucht wird, sowie stark misshandelte und verletzte Tiere.

Mehr Überwachungskameras

Die Geschäftsführung des Schlachtbetriebs will nach Bekanntwerden der Vorfälle die Zahl der Überwachungskameras erhöhen und Aufnahmen ab sofort live auswerten, zudem wurden die betreffenden Mitarbeiter entlassen. Auch Marktteilnehmer haben bereits reagiert: Das mit dem QS-Siegel vergleichbare belgische Zertifikat Certus wurde dem Schlachthof entzogen, und Einzelhändler wie die Kette Delhaize haben den Bezug der gefertigten Produkte gestoppt.

Videoüberwachung in den Niederlanden und in Frankreich geplant

Das französische Parlament hat die Videoüberwachung von Schlachthöfen im Januar 2017 beschlossen, eine abschließende Entscheidung fällt bald die zweite Kammer des Senats. Nach dem Willen des niederländischen Staatssekretärs Martijn van Dam (Wirtschaftsministerium) sollen niederländische Schlachtbetriebe als Folge des belgischen Schlachthof-Skandals ebenfalls mit Kameras überwacht und die Bilder der niederländischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (nVWA) zugänglich gemacht werden.

Tierschützer rufen zu Spenden auf

Auch in Deutschland blieb das belgische Filmmaterial nicht unbeachtet. Eine internationale Petition fordert derzeit Unterstützer (auch auf einer deutschsprachigen Seite) zu einer Spende auf, um Kameras und Aktivisten für weitere Enthüllungskampagnen zu finanzieren.

Die Tierschutzorganisationen erhoffen sich durch die Kampagnen eine staatlich angeordnete Videoüberwachung auf EU-Ebene. Mehr als 32.000 Teilnehmer (Stand 31. März) sollen nach Angaben der Plattform bereits gespendet haben, aus welchen Ländern sie stammen und wie viel Geld gesammelt wurde, wird nicht genannt.

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