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Wirtschaft

Smithfield Foods vor der Zerschlagung?

Norbert Lehmann, agrarmanager
am
09.05.2013

New York - Smithfield Foods, der weltweit größte Schweineproduktions- und -verarbeitungskonzern mit Sitz in den USA, steht unter dem Druck eines Großaktionärs, sich aus Renditegründen aufzuspalten.

Der weltweit größte Schweinefleischerzeuger Smithfield Foods verarbeitete 2012 fast 28 Millionen Schweine, davon knapp 16 Millionen aus eigener Aufzucht. © Smithfield Foods
Während der Trend in der Agrarwirtschaft derzeit dahin geht, die Produktionskette möglichst vom Futtermittel bis zum fertigen Lebensmittel in einem Unternehmen zu integrieren, soll Smithfield Foods den umgekehrten Weg beschreiten und seine Schweinezucht aufgeben. Das verlangt zumindest die Continental Grain Company (ContiGroup) in New York.
 
Die ContiGroup ist einer der weltweit führenden Konzerne im Agribusiness und mit sechs Prozent der Anteile einer der größten Aktionäre von Smithfield. Continental Grain fordert von Smithfield, die Schweinehaltung und einige Aktivitäten in Europa abzustoßen, um rentabler zu werden.

Wende geschafft

Smithfield Foods verarbeitete voriges Jahr rund 27,7 Millionen Schweine, davon 15,8 Millionen aus eigener Aufzucht. In Großbritannien, Polen und Rumänien ist das Unternehmen mit eigenen Tochtergesellschaften in der Fleischindustrie tätig. Darüber hinaus hält Smithfield eine Beteiligung von 37 Prozent an der Campofrio Food Group, die von Deutschland bis Portugal im Fleischgeschäft operiert. 
Weltweit erwirtschaftete der börsennotierte Konzern in dem am 29. April abgeschlossenen Steuerjahr 2012 einen Umsatz von 13,1 Milliarden US-Dollar (Mrd. $) oder umgerechnet 10,0 Mrd. Euro. Der Nettogewinn erreichte 361,3 Millionen $ (Mio.). Zwei Jahre zuvor war noch ein Verlust von 101,4 Mio. $ eingefahren worden.

Feste Dividende gefordert

Doch Continental Grain reicht das alles nicht. Durch eine Aufspaltung in drei unabhängige Unternehmen und den Ausstieg aus der kaum bis gar nicht rentablen Schweinehaltung sollte Smithfield seine Rendite kräftig steigern können, schreibt die 1813 in Belgien gegründete ContiGroup. Die europäischen Aktivitäten von Smithfield sollen selektiv abgestoßen werden.
 
Aus den Erlösen sollen Aktien zurückgekauft und eine wettbewerbsfähige, feste Dividende gezahlt werden. Continental Grain prognostiziert, mit diesen Maßnahmen könnte Smithfield seinen Aktienkurs innerhalb von drei Jahren um 60 Prozent steigern. Dann erhielten die Aktionäre endlich eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals.

Kritik zurückgewiesen

Smithfield-Vorstandschef Larry Pope wies die Kritik an der Geschäftsführung umgehend zurück. Die Analyse von Continental Grain sei fehlerhaft, so Pope. Er wies darauf hin, dass Smithfield durch eine Reihe von Restrukturierungsmaßnahmen in den vergangenen zwei Jahren die besten Ergebnisse der Unternehmensgeschichte vorgelegt habe. Der Aktienkurs habe sich seit 2009 verdoppelt. Oberstes Ziel des Vorstandes sei eine langfristige Wertsteigerung des Unternehmens im Interesse aller Anteilhaber.

Zank und Unruhe

Hinter der öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Continental Grain und Smithfield steht allerdings auch, dass Conti-Vorstandschef Paul Fribourg im Jahr 2009 im Streit aus dem Aufsichtsrat von Smithfield Foods ausschied. Zu seinen Forderungen gehört daher nun unter anderem, den Aufsichtsrat um drei kompetente Persönlichkeiten aufzustocken.
 
Sollte Smithfield Foods jedoch tatsächlich einen Teil seiner Aktivitäten in Europa auf den Markt werfen, könnte das zusätzliche Bewegung in die europäische Fleischbranche bringen, die durch die Sanierungsbemühungen bei der niederländischen Vion Food Group bereits in Unruhe geraten ist. 
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