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Interview

So sieht eine Junglandwirtin die Zukunft des Pflanzenschutzes

Marie Saudhof steht auf ihrem Feld
am Freitag, 04.02.2022 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Marie Saudhof hat einen Webtalk zum Thema Pflanzenschutz organisiert. Sie findet: „Die Zeit, um über Alternativen zu reden, ist jetzt. Nur so können wir erfolgreich in die Zukunft gehen.“

Zwei Wochen ist es erst her, dass Junglandwirtin Marie Saudhof im Fernsehen zu sehen war. Im MDR hat sie ein Interview zum Pestizidatlas gegeben. Ein solches Ereignis teilt man heutzutage natürlich gleich auf Instagram und die Biolandwirtin merkte, dass ihre Follower - landwirtschaftlich und nicht-landwirtschaftlich - großes Interesse an dem Thema haben. Also hat sie kurzerhand einen Webtalk organisiert, um Raum für Austausch und Diskussion zu schaffen. Mit dabei: Die konventionelle Landwirtin Marie Hoffmann, der regenerativ-konventionelle Landwirt Tino Ryll und Leo Rösel, der seinen Betrieb ganz frisch auf Bio umgestellt hat. Und natürlich die etwa 50 zuschauenden Landwirte und Verbraucher, die bei der Zoom-Konferenz Fragen stellen und mitdiskutieren konnten.

Marie, warum ist das Interesse für das Thema Pflanzenschutzmittel so groß?
Allen Landwirten ist bewusst, dass die chemischen Mittel, die wir einsetzen dürfen, immer weniger werden. Gleichzeitig zeigen die Wahlergebnisse, dass sich unsere Mitmenschen in Richtung öko orientieren. Wir müssen also nach Alternativen für den chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatz suchen, und zwar im Interesse von Landwirten UND Nicht-Landwirten.
Und deshalb hast du den Webtalk organisiert?
Ja genau. Das Ziel dahinter war, zum Nachdenken anzuregen. Mit Blick auf den Verbraucher ist es wichtig, zu zeigen, dass wir bereit sind für einen Dialog und dass wir Lösungen in seinem Sinne finden wollen. Und was meine Berufskollegen angeht: Die Zeit, um über unsere Zukunft zu sprechen, ist jetzt. Wenn wir dabei nicht miteinander reden, entsteht Unmut. Die Ökos würden darauf beharren, dass nur ihr Weg der richtige wäre, und die konventionellen Betriebe würden vor vollendete Tatsachen gestellt, wenn weitere Wirkstoffe wegfallen. Das müssen wir verhindern und stattdessen gemeinsam an das Thema Pflanzenschutz rangehen.
Was glaubst du denn, in welche Richtung es bezüglich Pflanzenschutz künftig gehen wird?
Ich bin davon überzeugt, dass wir chemische Mittel weiterhin brauchen werden. Je nach Region und auch vor dem Hintergrund der Klimaentwicklung wird ein kompletter Verzicht einfach nicht möglich sein. Darüber hinaus steht uns im Verhältnis der wachsenden Bevölkerung immer weniger landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung. Chemische Pflanzenschutzmittel sind somit ein großer Baustein, um alle satt zu kriegen. Dennoch geht es meiner Meinung nach nicht darum, die paar Mittel, die wir noch nutzen dürfen, bis aufs Äußerste auszureizen. Stattdessen sollten wir, wo immer es möglich ist, Alternativen wie Pflanzenkohle und Komposttee einbinden, auf Herbizide verzichten und stattdessen mit dem Striegel arbeiten oder Fungizide durch biologische Beize ersetzen.

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