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Aufruf

So suchen Bauern Erntehelfer in der Corona-Krise

Spargelernte
am Freitag, 20.03.2020 - 10:40 (Jetzt kommentieren)

Die Corona-Krise sorgt für einen eklatanten Mangel an Erntehelfern. Vor allem im Spargelanbau drohen Ernteausfälle. Die Bodenseebauern haben deshalb einen Aufruf gestartet – und unerwartet große Resonanz erhalten.

Die Spargelernte startet und mit ihr die Sorge der Landwirte, wie das Edelgemüse in diesem Jahr vom Feld zu kriegen ist. Die üblichen Erntehelfer aus dem Osten drohen auszubleiben.

Zwar feilt die Politik an Auswegen, aber bislang findet sich auf den Saisonarbeiterlisten vieler Betriebe nur gähnende Leere. Inländische Lösungen sind gefragt. Auch agrarheute hilft mit beim Finden von Saisonarbeitskräften

Lesen Sie mehr im agrarheute Top-Thema: " Wie sich das Coronavirus auf die Agrarbranche wirkt"

Erntehelferaufruf vom Bodensee

Am Bodensee, wo die Natur klimabedingt dem Rest Deutschlands meist um einiges voraus ist, ist die Lage besonders prekär. Nicht nur der Spargel, auch der Hopfen und die Erdbeeren brauchen bald helfende Hände.

Die "Bodensee-Bauern" starteten deshalb am Dienstag, dem 17. März, auf Facebook einen Aufruf. Unter der Überschrift "Helfende Hände gesucht!" schrieben die Landwirte: "Unsere Erntehelfer*innen werden aufgrund der aktuellen Situation nicht in dem Umfang kommen können, wie wir sie benötigen. Das bedeutet in erster Konsequenz, dass wir unseren Spargel nicht gestochen, unsere Hopfen nicht an den Draht bekommen und unsere/Eure Erdbeeren vielleicht nicht ernten können."

Man benötige dringend körperlich fitte Erntehelfer aus der Region bzw. aus Deutschland. Gegen Entlohnung versteht sich.

Über 18.000-mal auf Facebook geteilt

Die Reaktionen waren überwältigend. Der Facebook-Aufruf wurde 18.360-mal geteilt (Stand: 20. März, 10:30 Uhr). Selbst der Spiegel berichtete. Und dann trudelten die ersten Bewerbungen ein. Über hundert sind es inzwischen, und ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Inzwischen bitten die Initiatoren des Aufrufs, mit weiteren Bewerbungen zu warten, bis – voraussichtlich am kommenden Montag – die online-Jobbörse an den Start geht, an der im Hintergrund bereits mit Hochdruck gearbeitet wird.

Unerwarteter Ansturm

Noch ist natürlich nicht klar, wie viele der Bewerber am Ende wirklich kommen und wie lange sie auf den Feldern durchhalten werden. Spargelstechen und Erdbeerenpflücken sind körperlich schwere Arbeiten. Trotzdem hat die Welle der positiven Reaktionen überrascht.

Josef Nuber vom Maschinenring Tettnang, bei dem die Fäden der Aktion zusammenlaufen, erklärte gegenüber dem Spiegel, man habe gehofft, dass sich einige melden, die im Moment nicht mehr arbeiten dürfen. Aber mit solch einem Ansturm habe niemand gerechnet.

Auch anderswo koordinierte Eigeninitiativen

Auch anderswo koordinieren Landwirte ihren Erntehelferbedarf inzwischen kurzfristig selbst.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) verweist in einer Pressemitteilung auf die online-Plattform "Saisonarbeit in Deutschland", auf der deutschlandweit Betriebe ihren Arbeitskräftebedarf und potenzielle Erntehelfer ihr Interesse anmelden können.

Der Aktion "Grüne Hände", die Bauer Willi vergangene Woche angestoßen hatte, schloss sich inzwischen Land schafft Verbindung – Deutschland (LsV) an. Dirk Andresen als Sprecher der Initiative rief am 17. März die deutschen Verbraucher auf, sich bei einem Landwirt in der Nähe zu melden und dort Hilfe bei Feld- und Stallarbeit anzubieten. Nur so sei die Versorgung der gesamten Bevölkerung in den nächsten Wochen und Monaten sicherzustellen.

Mit Material von Der Spiegel
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