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Wirtschaft

Soja verdirbt RWZ Rhein-Main das Ergebnis

Norbert Lehmann, agrarmanager
am
11.04.2014

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG (RWZ Rhein-Main), Köln, hat ihr Umsatzziel 2013 übertroffen. Das Ergebnis verfehlte wegen eines Millionenverlustes im Sojahandel aber die Zielmarke.

Wie der RWZ-Vorstandsvorsitzende Hans-Josef Hilgers auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Köln mitteilte, wuchs der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 154 Millionen Euro oder 6,1 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro.
 
Besonders das Geschäft mit Kartoffeln, Getreide, Landtechnik sowie Dünge- und Pflanzenschutzmitteln entwickelte sich positiv. Das selbst gesteckte Ziel von fünf Prozent Umsatzplus wurde übertroffen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sank jedoch um mehr als ein Viertel auf neun Millionen Euro vor Steuern.
 
Ursache war unter anderem eine Fehleinschätzung des Sojamarktes. Weil die RWZ voriges Jahr von einem Anstieg der Notierungen überrascht wurde, als sie auf sinkende Kurse eingestellt war, entstand ein ergebniswirksamer Verlust von drei Millionen Euro, wie Hilgers einräumte. Absicherungsgeschäfte an der Terminbörse in Chicago konnten den Rückschlag nicht verhindern.

Rohstoffhandel neu organisiert

Da die RWZ vor zehn Jahren schon einmal im Sojageschäft ein signifikantes Minus verbuchte, wird die Zentralgenossenschaft das Handelsgeschäft mit Soja künftig einschränken. Das betrifft nicht den Einkauf für die eigene Futterherstellung. Organisatorisch reagierte die RWZ mit dem Aufbau eines zentralen Handelsbereichs für Getreide, Ölsaaten und Futtermittel.
 
Im Landtechnik-Geschäft verbuchte die RWZ Rhein-Main voriges Jahr ein Umsatzwachstum von 11,2 Prozent auf 230,7 Millionen Euro. Hilgers zufolge zahlen sich die hohen Investitionen der Vergangenheit in die Technik-Standorte jetzt durch Zusatzgeschäft aus. Im Handel mit Kartoffeln bescherten die historisch hohen Preise Europas größtem Kartoffelhändler voriges Jahr einen Umsatzsprung von 40 Prozent in diesem Geschäftsbereich. 

Engpässe bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln

Das erste Quartal 2014 wurde auch für die RWZ Rhein-Main von dem sehr frühen Vegetationsbeginn geprägt. Das führte im Geschäft mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu Engpässen. Düngemittel liefert die Genossenschaft zurzeit nur an Kunden, die auch in den vergangenen Jahren bei ihr eingekauft haben.
 
Im Pflanzenschutz sind rund 50 Präparate ausverkauft und die Industrie kann laut Hilgers nicht nachliefern. Der Umsatz lag im ersten Quartal um 2,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Hinblick auf die Vermarktung der Ernte 2014 setzen die Landwirte im Einzugsgebiet der Kölner Zentralgenossenschaft offensichtlich auf steigende Preise für Getreide und Ölsaaten. Bislang sind nur drei bis fünf Prozent der erwarteten Getreideernte durch Kontrakte gebunden. Bei Raps liegt der Anteil geringfügig höher.

Eigenkapital erhöht

Seit vorigem Jahr nimmt die RWZ Rhein-Main erstmals natürliche Personen als Direktmitglied auf. Rund 330 Landwirte haben sich voriges Jahr für eine Mitgliedschaft in der Zentralgenossenschaft entschieden. Voraussetzung ist, dass sie nicht einer Warengenossenschaft angehören. Das Stimmrecht wird nach Kapitalbeteiligung gewichtet, so dass die Mitgliedsgenossenschaften in der RWZ weiter den Ton angeben.
 
Die Aufnahme natürlicher Personen und die Zeichnung von zehn Millionen Euro Genussrechtskapital trugen dazu bei, die Eigenkapitalquote um 3,2 Prozentpunkte auf 21,3 Prozent zu erhöhen.

Stabile Dividende

Für das laufende Jahr erwartet die RWZ erneut ein Umsatzplus von fünf Prozent. Die Umsatzrentabilität soll auf ein Prozent vor Steuern verbessert werden. Hilgers schließt Übernahmen für die Zukunft nicht aus.
 
Obwohl das Regionalprinzip von einigen Genossenschaften nicht mehr berücksichtigt wird, will sich die RWZ bei Akquisitionen auf ihr angestammtes Verbreitungsgebiet beschränken. Der Mitgliederversammlung am 4. Juni soll eine unveränderte Dividende von 3,25 Prozent vorgeschlagen werden. 
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